Dana Vowinckel: „Anton und Alma“

Deutsch-jüdische Liebesgeschichte im Berlin der 2020er-Jahre

19:50 Minuten
Buchcover des Romans "Anton und Alma" von Dana Vowinckel
© Suhrkamp Verlag

Dana Vowinckel

Anton und AlmaSuhrkamp Verlag, Berlin 2026

542 Seiten

26,00 Euro

Von Maike Albath |
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Es beginnt wie ein Witz, bekommt die Züge einer grandiosen Romanze, dann wird es tragisch. Alma und Anton durchlaufen sämtliche Phasen einer großen Liebe, bei der Fragen der Zeitgeschichte dazwischenfunken.
Am Anfang ist viel Phantasie im Spiel und auch Wünsche und Sehnsüchte, wie sie typisch für eine Sechzehnjährige sind, die einen Schüleraustausch in Frankreich absolviert und kreuzunglücklich ist.

„Das Steak Haché schmeckte so tierisch, dass Alma es am ersten Tag in ihre Serviette spuckte. Anton schenkte ihr seinen Yaourt, und als er sie anlächelte, als wüsste er, wie hungrig sie war, wusste sie, dass sie in seinen Körper einfallen wollte, dass sie jede Sekunde ihres Lebens damit verbringen könnte, in ihn hineinzufallen.“

So beginnt Dana Vowinckel, 1996 in Berlin geboren und aufgewachsen in einer deutsch-jüdisch-amerikanischen Familie, ihren zweiten Roman „Anton und Alma“. Almas Lust auf Anton hat etwas mit Hunger zu tun und verwandelt sich später in ein Staunen, dass jemand diesen existenziellen Appetit stillen kann. Es ist sexueller Hunger, Geborgenheitshunger, Bildungshunger und Hunger danach, sich irgendwie in der Welt zu verankern. Man ahnt, dass es kompliziert werden könnte. Und dies ist erst der Prolog.
Während des Austauschjahres lästerte eine unangenehme Mitschülerin über den jüdischen Hintergrund des Jungen. Er war nämlich plötzlich weg, verschwunden, weil seine Gastfamilie etwas gegen Juden gehabt habe, wie kolportiert wurde. Zurück in Berlin kontrollierte Alma ab und zu die WhatsApp-Profilbilder von Anton. Ein paar Jahre später treffen sich die beiden zufällig auf einer überfüllten Fachschaftsparty wieder. Anton beobachtet, wie sie von einem streberhaften Kommilitonen belagert wird und fühlt sich gehemmt, traut sich dann aber doch.

Erzählt aus Sicht beider Hauptfiguren

„Er ging zu ihr. ‚Crazy‘, sagte sie, ‚dass du hier bist, die Welt ist so klein.‘ Elias verabschiedete sich. ‚Ich lass euch mal‘, als sei er sich des Gefallens, den er ihnen damit tat, völlig bewusst. ‚Du hast mich gerettet‘, flüsterte Alma, ihr Atem warm an seinem Ohr. ‚Weißt ja gar nicht, ob ich nicht auch so langweilig bin‘, erwiderte Anton. Sie sprachen darüber, wie es ihr ging, sobald Alma ihm eine Frage stellen wollte, unterbrach Anton sie mit einer weiteren, er hatte keine Lust, über sich selbst zu reden. Alma war unterhaltsam, zwischendurch sagte sie immer wieder ‚verrückter Zufall‘ oder ‚crazy‘.“

Dana Vowinckel hat eine ebenso einfache wie bestechende Konstruktionsidee: Sie entwickelt die gesamte Handlung aus einer doppelten Perspektive und betrachtet die Geschehnisse abwechselnd erst aus Almas, dann aus Antons Blickwinkel. Oft erleben wir dieselbe Situation also zwei Mal, was sofort eine Reibung erzeugt, denn Alma und Anton unterscheiden sich nicht nur durch ihr Geschlecht, sondern auch durch ihre Herkunft.
Die Kapitel sind mitunter sehr kurz, das Tempo zieht an, die Spannung hält bis zur letzten Seite. Die Autorin arbeitet mit Rückblenden, fächert Kindheitsszenen und Erinnerungen auf, illustriert Familienkonstellationen. Die Innenschau bekommen wir gleich mitgeliefert – sämtliche Unsicherheiten und Stimmungsschwankungen werden festgehalten, und nach und nach schälen sich die charakterlichen Eigenschaften ihrer Helden deutlicher hervor. Alma steckt mitten in ihrer Bachelorarbeit und forscht über das Motiv des Mülls in der neueren deutschen Literatur.

„Alma hatte während der ganzen Party nur gedacht, ich rede viel zu laut, und dann noch Müll, ich rede Müll über Müll, aber sie hatte sich nicht stoppen können, manchmal war sie die leise Alma, die sie lieber mochte, und manchmal die laute Alma, von der lauten Alma bekam sie Migräne, auch an diesem Abend, aber sie ignorierte die Schmerzen und den Tunnelblick und Anton war höflich und interessiert gewesen und immer noch schön.“

Roman kommt unterhaltsam daher

Wie in einer guten Komödie, die ein bisschen an Billy Wilder oder Woody Allen erinnert, kommen die beiden Helden zusammen, um sich gleich wieder zu verlieren, wieder zueinander zu finden und sich danach mehrfach effektvoll zu verpassen. Alma und Anton werden in entscheidenden Momenten abwechselnd krank, sind verunsichert, verlieben sich schließlich haltlos ineinander.
Dana Vowinckels Ton ist zu Beginn sehr leichtfüßig, der Roman kommt unterhaltsam daher, ihre Dialoge klingen nach gründlichen Kenntnissen der Neuköllner Bohème und der akademischen Verhältnisse. Dann wieder zeigt sie sich als Kennerin von Psychopathologie, und sowohl ihr Zuspitzungstalent als auch ihre Sprache verraten die Lektüren von Zeruya Shalev und Siri Hustvedt.
Zugleich gelingen der Autorin Einblicke in unterschiedliche Milieus, denn mit ihren Hauptfiguren lässt Vowinckel mit soziologischem Feingefühl auch zwei verschiedene Gesellschaftsschichten aufeinanderprallen. So kosmopolitisch Anton mit seiner israelischen Mutter Orna und seinem amerikanischen Vater Gary wirkt, so sehr lastet die kämpferische Ehe seiner Eltern auf ihm.
Seit seiner Kindheit befürchtet er ihr Scheitern und sieht sich in die Rolle des Vermittlers gedrängt. Seine erfolgreiche Mutter, eine leidenschaftliche Kinder- und Jugendpsychiaterin, ist selten da. Der warmherzige, überfürsorgliche Vater Gary, promovierter Literaturwissenschaftler und Privatdozent mit einem Hang zu Rotwein, hat es nie zu einer ordentlichen Professur gebracht hat. Manchmal wirft Anton Gary seine Erfolglosigkeit vor, was diesen erzürnt.

„Gary schrie: ‚Grow up, you‘re such a fucking big baby and now you’ve made me feel even worse, thanks a lot‘, und Anton knallte die Tür, lief in Ornas Büro, lief in die Küche, und eigentlich wollte er weglaufen, aber dann bat Gary ihn, zu bleiben. ‚Be a mentsh‘; rief er, also war Anton Mensch. ‚Bist du echt hergekommen, nur, um dich zu streiten‘, rief er, und Anton sagte nichts, und das Nichts war eine Zustimmung, und dann sagte Anton, ‚Machst du mir ein Abendessen‘. Und Gary machte ihm ein Abendessen. Langsam fanden sie in eine Unterhaltung hinein.“

Seelische Not kippt binnen weniger Zeilen ins Extreme

Wie schon in ihrem eindrucksvollen Debüt „Gewässer im Ziplock“, in dem Dana Vowinckel die Gefühlswelt einer 15-jährigen Berliner Schülerin zwischen ihrem religiösen jüdischen Vater und der kühlen amerikanischen Mutter geschildert hatte, zeigt sie sich als Eskalationsexpertin. Immer wieder gelingt es ihr, binnen weniger Zeilen seelische Not ins Extreme kippen zu lassen und neurotische Reaktionsmuster so zu erzählen, dass man den Figuren fasziniert zuschaut.
Die Autorin knüpft nicht nur an einen Roman wie „Was ich liebte“ von Siri Hustvedt an, sondern auch an „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen. Gleich mehrere Generationen werden in den Blick genommen: die Zwanzigjährigen ebenso wie die knapp fünfzigjährigen Eltern, die eingeschworenen Mädchengruppen, die sich seit der Grundschule kennen, genauso wie jüdische junge Männer, die immer wieder subtile Ausgrenzung erfahren.
Die Wechselperspektive bringt einem Alma und Anton sehr nahe. Man ahnt, dass der begabte Anton, der intellektuell ähnlich unstet ist wie sein Vater, in Wirklichkeit Angst vor einer vergleichbaren Verzettelung hat. Alma ist nicht weniger schlau als er, aber viel pragmatischer, sie hat längst einen Job im akademischen Auslandsamt und ergattert kurz nach ihrem Bachelor sogar eine Festanstellung. Ihr Hintergrund ist kleinbürgerlich, die Patchworkfamilie dysfunktional. Umso besser gefällt ihr Antons Zuhause.

„Gary war für einen älteren – Alma dachte: erwachsenen – Mann gutaussehend, er wirkte kompetent, sie fühlte sich provinziell vor ihm, sagte, ‚Wow, your apartment is very nice‘, und Gary sagte nichts, als wäre es ein Menschenrecht, in so einer Wohnung zu wohnen, fragte nur, wo sie aufgewachsen sei. ‚In Biesdorf‘, sagte sie. ‚Where’s that‘, sagte Gary, ‚somewhere in the East?‘ ‚Yes‘, sagte Alma, ‚it is a part of Marzahn‘, ‚So your family, Nazis or Stasi or both? ‘, fragte Gary. Anton lachte nervös und gab ihr einen Kuss auf die Wange. ‚Mind your own business, Daddy‘, sagte er.“

Wieder zeigt sich Vowinckels Geschick im Skizzieren von Genrebildern und ihr komisches Talent; auch die Mischung der Sprachen ist ein effizientes Stilmittel. Der Abend endet in einem Desaster, was aber in seiner Familie normal sei, wie Anton beteuert. Die beiden beginnen, ihr eigenes Leben zu leben, und Alma begeistert sich für Antons Schulfreundin Dascha, die nach ihrem Empfinden ein stimmiges Judentum vertritt, während Anton den abgeklärten Skeptiker zu Schau stellt.

Verhandelt auch Zionismus

Dana Vowinckels Figurenensemble ist schillernd und vielfältig. Es sind, wie es Virginia Woolf in ihren Tagebüchern von Romanpersonal gefordert hat, Charaktere mit untergründigen Hohlräumen. Neugierig folgt man ihnen durch den Berliner Alltag. Es ist Alma, die im Vorlesungsverzeichnis auf eine Veranstaltung zur Konversion der Chasaren stößt, ein Turkvolk der Schwarzmeerregion, das zum Judentum übertrat. Anton entdeckt schon bald das wissenschaftliche Potential des Themas.
So wird auf einer weiteren Ebene des Romans die jüdische Abstammungslehre, die Frage von Zugehörigkeit und der Zionismus verhandelt. Auch die fatale deutsche Geschichte und die Spätausläufer des Holocausts spielen eine Rolle, denn Alma heißt Bormann mit Nachnamen. Martin Bormann, Hitlers Trauzeuge, Leiter der Parteikanzlei und einer der schärfsten Vollstrecker der Judenvernichtung, war ein Ururgroßonkel.
Aber Vowinckel ordnet alles der Logik ihrer Liebesgeschichte unter; die Bezüge wirken nie gezwungen oder didaktisch. Ihr geht es um die Paardynamik und das Machtgefälle zwischen ihren Helden. Die Handlung setzt 2019 ein und endet fünf Jahre später. Mittendrin wütet die Coronapandemie, und eines ihrer Opfer ist Almas Oma Lore, deren Haushalt für sie einer der wenigen Zufluchtsorte war.
Anton begleitet seine Freundin zur Beerdigung und lernt erstmals die Biesdorfer Verwandtschaft kennen: Almas Mutter Bettina, die Halbgeschwister Pandora und Carlo sowie Almas Stiefvater Dirk, einen breitbeinigen Westberliner Weinhändler, der ihre Mutter kurz nach der Wende mit seiner Selbstgewissheit beeindruckt hatte.

„Es war dann so, dass Dirk von den Berufslügnern da oben erzählte, von Maulkörben und dass man jetzt erst recht selber denken müsse. Es war dann so, dass sogar Pandora versuchte, ihn zu stoppen, und Carlo fragte, wer schöne Geschichten über Oma Lore habe. Es war dann so, dass Dirk nicht aufhörte, über Strippenzieher zu reden. Es war auch so, dass es Anton gar nicht besonders störte, er wusste ja, dass es Antisemitismus gab. Es schien Alma mehr zu quälen als ihn.“

Schauplätze Berlin, New York und Genf

Aber Dirk wird noch ausfälliger, Anton verlässt die Trauergesellschaft, Alma ist beschämt. Alma und Anton sind längst zusammengezogen; und als irgendwann nach der Pandemie Almas Auslandsbüro noch einen Platz an der New Yorker Columbia University frei hat, traut sich Anton plötzlich, für einige Monate ohne Alma nach Amerika zu gehen. Das jüdisch-akademische Ambiente und die Hipster-Szene der Metropole nimmt Vowinckel genauso zielsicher aufs Korn wie die Berliner Verhältnisse.
Anton beschäftigt sich bei seinem ersten Aufenthalt mit Hayden White und dessen Theorie der Metahistorie. Dieser Ansatz besagt, dass auch die vermeintlich objektive Geschichtsschreibung den Regeln der Narration folge und eigene Dichtungen hervorbringe, also von Romanzen über Tragödien bis zu Komödien und Satiren alle Genres produziere. Anton beginnt, diese Theorie sowohl auf seinen Forschungsgegenstand wie auf sein Leben anzuwenden: Rezitiert er mit Alma eine Komödie, eine Tragödie oder vielleicht doch eher eine Satire? Es entspricht seiner Praxis, die Dinge von sich wegzuhalten und sich bloß nicht über Gebühr involvieren zu lassen.

Autorin hält mit erzählerischer Verve an ihren Figuren fest

Und in gewisser Weise gestaltet die auch auf wissenschaftstheoretischer Ebene gewiefte Dana Vowinckel ihren gesamten Roman nach diesem Muster, ohne dass es je etwas Mechanisches bekäme. Sie pendelt zwischen den Schauplätzen Berlin, New York und Genf hin und her und hält mit erzählerischer Verve an ihrer Geschichte fest. Und vor allem an ihren Figuren und deren Dilemmata. New York hat etwas obszön Cooles, Anton schließt Freundschaft mit einer brillanten jüdischen Kommilitonin namens Nadia, die auch erotisch nicht uninteressant ist. Als Anton nach Berlin zurückkehrt, hat er sich längst aus der Innigkeit mit Alma gelöst.

„‚Apropos Bewerbungen‘, sagte er, obwohl sie noch kein einziges Mal über Bewerbungen gesprochen hatten an diesem Tag. ‚Ja?‘ ‚Ich hab die Unterlagen für den PhD an der Columbia ausgedruckt‘, sagte er, ‚könntest du dir vorstellen, mal draufzuschauen?‘ Alma richtete sich abrupt auf, Anton musste seinen Kopf heben, setzte sich ebenfalls hin. ‚Ah, okay‘, sagte sie. ‚Davon wusste ich ja gar nichts.‘ ‚Hab ich das nicht erwähnt?‘ ‚Nein. Du willst an der Columbia promovieren? Also, von Berlin aus, oder wie?‘ ‚Ach so‘, sagte Anton, schaute nervös zur kiffenden Teenagertruppe, ‚nein, das wäre schon dort, mein Betreuer meinte, ich soll mich bewerben, und es wäre ja total gestört, das nicht zu machen.‘ ‚Total gestört?‘, fragte Alma. ‚Na ja, so eine Chance.‘“

Anton ist der feigere von beiden, und Dana Vowinckel lässt auf das große Verzücken den großen Schmerz folgen, die Klage der Verlassenen.

„Natürlich war Anton gegangen, natürlich war sie verlassen worden, wie hätte es auch anders sein sollen.“

Alma findet im Judentum Halt

Für Alma hat die Trennung eine Zwangsläufigkeit, die sie aus ihrem Leben zu kennen meint: Es gibt für sie keine verlässlichen Beziehungen. Ihr Vater ist lange tot, mit der Mutter führt sie eher eine Freundschaft, ihre Mädchenkumpel von früher halten ihr auf einmal vor, sie sei am liebsten das Opfer und melde sich nur, wenn sie die anderen brauche. Einen Halt bietet Alma die ältere Dascha, die sie mit großer Selbstverständlichkeit in die Synagoge mitnimmt. Dort fühlt sie sich aufgehoben. Und dann nimmt der Roman wieder eine Wendung. Alma fährt allein nach Lanzarote.

„Sie merkte, wie es sie Richtung Delfine zog, ein unsichtbarer Wirbel unter ihr, Wellen, die ihr ins Gesicht schlugen, sie versuchte, Richtung Strand zu schwimmen, plötzlich weit weg, schluckte Wasser, Schwarz vor Augen, das Wasser wurde kalt und hässlich, ihr ging die Kraft aus, wieder Schwarz, sie dachte an Anton, daran, dass sie nicht einmal einen Ausweis dabei hatte, versuchte, gegen die Strömung zu schwimmen, Schwarz, sie bekam keine Luft, schluckte einen Schwall Wasser, den sie sofort wieder hochwürgte, hustete, ihre Augen brannten, Wasser schoss ihr in die Nase, sie wusste nicht, ob sie halluzinierte, Schwarz, sie wurde hochgezogen und runter, und die Wange auf hartem Sand, und plötzlich sagte Dirk, ‚Man muss immer die Küste entlangschwimmen‘.“

Alma kann sich schließlich retten, weil sie zum ersten Mal eine Regel ihres Stiefvaters beherzigt. Sie nimmt es als Zeichen. Ohne jeden falschen Zungenschlag schildert Dana Vowinckel, wie Alma in den Ritualen des Judentums Halt findet und knüpft einen Faden zur Vaterfigur aus ihrem Debüt „Gewässer im Ziplock“, einem frommen Kantor. Es folgen weitere Pointen und Schauplatzwechsel. Ereignisse der Zeitgeschichte skandieren von nun an die Handlung.

Vowinckel ist eine glänzende Konstrukteurin

Bei den New Yorker Szenen wird spürbar, dass die Autorin, die auch die Situation nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in ihrem Roman verarbeitet, selbst in jener Zeit in New York war und die Konfliktlinien der amerikanischen Diskussion kennt. Es gelingt Dana Vowinckel, die Komplexität der Ereignisse, die verschiedenen Reaktionen und die verhärteten Haltungen zu vermitteln.
Die Vermischung von Ideologie und Moral seiner New Yorker Freunde schockiert Anton; er vermisst Empathie genauso wie Almas analytischen Scharfsinn. Anderthalb Jahre sind vergangen, und Alma hat die Trennung gerade erst einigermaßen verwunden, da kehrt Anton zu ihr zurück.
Dana Vowinckel ist eine glänzende Konstrukteurin, und es gibt noch weitere Verwicklungen und Zuspitzungen, die hier nicht verraten werden sollen. Denn auch das beherrscht die junge Autorin: die Inszenierung von Überraschungen. „Anton und Alma“ ist eines jener Bücher, in die man sich einlebt wie in eine fremde Familie. Man schließt Freundschaft mit diesem, entwickelt eine Schwäche für jenen, empfindet Ablehnung für einen dritten.
Dana Vowinckel gelingt mit „Anton und Alma“ ein ebenso mitreißender wie anrührender Roman, der mit bewundernswerter Nonchalance daherkommt und doch von den letzten Dingen erzählt.
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