Retrospektive Willi Sitte in Halle

    Als Künstler gescheitert

    10:28 Minuten
    Der Maler Willi Sitte sitzt vor dem Bild "Rückgabe des Apfels" (1992)
    Willi Sitte ist wegen seiner Karriere als DDR-Kulturpolitiker umstritten. Eine aufwändig recherchierte Ausstellung in Halle beleuchtet seine ambivalente Persönlichkeit. © picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch
    Carsten Probst im Gespräch mit Vladimir Balzer · 30.09.2021
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    Wie bewertet man einen Künstler, der sich in der DDR eng mit dem Staat einließ? Die Retrospektive für den Maler und Politiker Willi Sitte in Halle sei "mit einem offeneren Blick" sehr gelungen, findet der Kunstexperte Carsten Probst.
    Der Maler und Kulturpolitiker Willi Sitte (1921–2013) gehört zu den national wie international bekannten Kunstschaffenden der DDR und ist zudem der umstrittenste Vertreter der Kunst der DDR. Als Präsident des Verbandes Bildender Künstler und als Abgeordneter Volkskammer der DDR war er eng mit dem sozialistischen Staat verbunden.

    Aufwändige Recherche

    In der ihm gewidmeten Retrospektive im Kunstmuseum Moritzburg in Halle habe man nun die Ambivalenz seiner Persönlichkeit durch sehr aufwändige Recherchearbeit beleuchtet, sagt der Kunstexperte Carsten Probst.
    Das Bild "Raub der Sabinerinnen" (1953) von Willi Sitte
    Wie verschieden die Stile Willi Sittes waren zeigt auch das Bild "Raub der Sabinerinnen" (1953)© bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders
    "Thomas Friedrich, der Direktor des Kunstmuseums Moritzburg, spricht von fünf Jahren Vorbereitungszeit." Auch mit der Unterstützung von Sittes Ehefrau konnten viele private Unterlagen dazu genutzt werden.
    Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: einer fast chronologischen Hängung der Werke, mit der man Sittes künstlerische Entwicklung "mit allen Brüchen und Widersprüchen" zeige, so Probst. Man erkenne Einflüsse von Picasso und der neuen Sachlichkeit – und die Entwicklung hin zu sozialistischen Auftrags- und Programmbildern.

    Umstritten als Förderer und Verhinderer

    Der andere Teil der Ausstellung widmet sich der Geschichte der politischen Präsenz Sittes in der DDR: "Vor allem seine Machtpositionen, die er da auch hatte: die vielen Opfer, die das bewirkt hat. Aber er hat auch viele gefördert, das hat man auch nicht vergessen."
    Das Gemälde "Leuna 1921" von Willi Sitte aus dem Jahr 1961
    Das Bild "Leuna 1921" zeigt einen Arbeiteraufstand in der Fabrik in Leuna im Jahr 1921© bpk / Nationalgalerie, SMB / Klaus Göken
    Im Vergleich zu anderen Kunstausstellungen seien die erläuternden Wandtexte mit Fotografien auffallend groß. Es werde offensichtlich sehr viel Wert darauf gelegt, alles zu zeigen, sagt Probst.

    Ein Blick Ost und ein Blick West

    In der Ausstellung sei die Historisierung dieser Kunst der DDR mit einem offeneren Blick sehr gelungen, meint Probst. Mit den Kuratoren Paul Kaiser aus Freiberg und Eckhart Gillen aus Karlsruhe schaue man "mit einem Blick Ost, und einem Blick West auf diesen sehr umstrittenen Künstler Willi Sitte". Dabei gebe es keine Kontroversen um die Bewertung des Künstlers:
    "Fast ist es so, dass bei Eckhart Gillen dieser westdeutsche Blick auf Sitte geradezu milde und mitfühlend war mit seinem künstlerischen Scheitern. Aber dass er als Künstler gescheitert ist, darüber sind sich eigentlich alle einig."

    "SITTES WELT: Willi Sitte: Die Retrospektive"
    im Kunstmuseum Moritzburg in Halle/Saale
    vom 3.10.2021 bis 9.01.2022

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