Tagung zu Restitution

Über 150 Jahre Kunstraub

06:59 Minuten
Auf einem Bronzerelief aus Benin sind Krieger mit Speeren, Rüstung und Helmen abgebildet.
Die Benin-Bronzen sind das bekannteste Beispiel geraubter Kunst aus früheren Kolonien. In europäischen Museen lagern viele weitere Werke. © imago/United Archives International
Stefan Koldehoff im Gespräch mit Britta Bürger · 19.11.2021
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Wem gehört die Kunst? Aktuell stellt sich nicht nur bei den Benin-Bronzen die Frage. Länder wie Neuseeland, Namibia, Äthiopien oder Peru wollen schon seit über 150 Jahren ihre Werke zurück. Die Geschichte der Restitution ist lang, aber Erfolge stellen sich erst langsam ein.
In ihren Kolonien horteten die europäischen Mächte nicht nur Rohstoffe, auch Kunstwerke und Artefakte wurden massenweise in die Museen transportiert.
"Schon seit dem 19. Jahrhundert hat man in den Herkunftsgesellschaften gemerkt, es ist nicht in Ordnung, was uns hier weggenommen wird", sagt der Journalist und Kunstmarktexperte Stefan Koldehoff.

Noch nicht mal über Rückgabe diskutiert

Später wurde beim Deutschen Reich angeklopft und um Rückgabe der Kunst gebeten: "Die Reaktionen waren völlig abschlägig. Wenn es überhaupt welche gegeben hat", sagt Koldehoff. Es habe keine Rückgaben, noch nicht einmal Diskussionen darüber gegeben.
Aber auch die Bundesrepublik hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Noch in den 1970er-Jahren war im Berliner Museumsbetrieb zu hören, es gehe bei den Rückforderungen nur um ein "übersteigertes Gefühl der eigenen Würde, Leistung, Tradition und Zusammengehörigkeit, das unter dem Begriff Negritude bekannt wurde."

"Rassismus pur in deutschen Museen, mitten in der Bundesrepublik."

Stefan Koldehoff

Wobei das Thema Restitution nur paneuropäisch anzugehen sei: "Man muss Belgien, Großbritannien und Spanien mit einbeziehen, die großen Kolonialmächte."

Die Rolle von Frankreich

Und Frankreich? Präsident Macron habe durch die angekündigte Rückgabe der Benin-Bronzen Druck aufgebaut, der Bewegung in die Diskussion bringe, sagt Koldehoff: "Da kann niemand mehr hinter zurück."
Befürchtungen, durch die Beschäftigung mit der kolonialen Beutekunst könne die Debatte um NS-Raubgut zu kurz kommen, zerstreut Koldehoff mit Hinweis auf den Direktor des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, Gilbert Lupfer: "Der hat gesagt, da gibt es überhaupt kein Denken dran. Da ist zweimal Unrecht im Bereich von Kultur aus Deutschland ausgegangen. Und das wollen wir beides aufarbeiten."

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