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Breitband | Beitrag vom 11.05.2019

republicaDigitalisieren für den Umweltschutz

Jochen Dreier im Gespräch mit Vera Linß und Marcus Richter (Online-Text: uko)

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Ein Tisch mit Kakteen, an die Feuchtigkeitssensoren angebracht sind. (Nora Gohlke)
Pflanzen eine Stimme geben und die Wissenschaftswelt veranschaulichen: die Soundinstallation "Molecular Machina" von Kathrin Hunze und Thomas Hack (Nora Gohlke)

Gewässerschutz, Rohstofftracking und ein Wald, der sich selbst verwaltet: Die diesjährige republica hat deutlich gemacht, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit ohne Digitaltechnik heute kaum mehr denkbar sind.

Republica goes green - eine ganze Bühne hatte die Digitalkonferenz an ihrem letzten Tag für den Themenbereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz reserviert. Der Tenor: dank Digitalisierung lässt sich auch Umweltschutz besser umsetzen.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) scheint das genauso zu sehen und legte bei ihrem Republica-Besuch eine "umweltpolitische Digitalagenda" vor: "Jeder Algorithmus muss Umweltschutz eingepflanzt bekommen", sagte die Politikerin. Und meint damit beispielsweise, dass in der Industrie Künstliche Intelligenz für weniger Emissionen sorgen könnte. Oder dass der Energieverbrauch von IT-Technik gesenkt werden muss.

Den Weg freimachen für den "Bürgerwissenschaftler"

Wie durch Digitalisierung mehr Umweltschutz von unten möglich gemacht werden kann, zeigte ein Projekt der kanadisch-ukrainischen Ingenieurin Jessica Droujko, die für das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin arbeitet. Droujko hat einen Sensor entwickelt, der Sedimente in Seen und Flüssen überwacht - und der wesentlich kostengünstiger ist als herkömmliche Sensoren.

Normalerweise würden Gutachten über die Schutzwürdigkeit von Gewässern von den Energiekonzernen in Auftrag gegeben und bezahlt. Doch mit den billigeren Sensoren hätten auch andere Zugang zu solchen Daten. Studierende und Forscher etwa, oder "Bürgerwissenschaftler, die die Bewahrung der Flüsse selbst in die Hand nehmen wollen", so Droujko.

Blockchain für mehr Transparenz bei Rohstoffen

Möglicherweise kann dank digitaler Technologie auch der Raubbau an der Natur durch Rohstoffausbeutung abgemildert werden. Zum Beispiel mit Hilfe des Start-ups "Mine Spider", das der Unternehmer Nathan Williams auf der Republica vorstellte: Über eine offene Blockchain will Mine Spider nachvollziehbar machen, woher Rohstoffe kommen, ob die Arbeiter in den Minen fair bezahlt wurden und ob Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt wurden.

Oder man baut Rohstoffe erst gar nicht mehr ab. Zum Beispiel beim Gold wäre das in Ansätzen vielleicht möglich: Derzeit wird Gold unter gigantischen Kosten für die Umwelt aus dem Boden geholt - um dann doch bloß wieder in sicheren Kellern zu verschwinden. "Warum lassen wir das Gold nicht einfach im Untergrund, untersuchen, wie viel sich dort befinden und handeln nur mit den Rechten?", fragte Williams. "Dann hat man den Wert des Goldes, spart die Schürfkosten und schadet nicht der Umwelt."

Ein Wald verwaltet sich selbst

Bekommen Wälder, Flüsse und Seen mit der Digitalisierung eine eigene Stimme? Das fragte auch die Landschaftsarchitektin Anja Steglich bei der Vorstellung des Kunst-Projekts "Terra0". Terra0 will herausfinden, ob sich ein Wald mit einer Blockchain selbst verwalten kann. Konkret heißt das, eine große Datensammlung wird angelegt: Wie viel Wasser bekommt der Baum? Hat er Krankheiten, wie alt ist er, wie wächst er? Und schließlich entscheidet gewissermaßen der Wald selbst, ob ein Baum gefällt werden soll oder nicht.

Bisher ist das allerdings kaum mehr als eine vielversprechende Idee - nicht zuletzt, weil es in einem deutschen Wald normalerweise kein Internet gibt.

(uko)

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