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Kompressor | Beitrag vom 29.03.2019

Regisseurin Agnès Varda ist totTrauer um die Wegbereiterin der Nouvelle Vague

Christoph Terhechte im Gespräch mit Max Oppel

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Agnes Varda steht auf einem Kamerawagen der auf Schienen in einer Landschaft steht. (Cine Tamaris 2018)
Agnès Varda (1928 - 2019) in ihrem letzten Film "Varda by Agnes". (Cine Tamaris 2018)

Die französische Regisseurin Agnès Varda gilt als Wegbereiterin der Nouvelle Vague. Bekannt wurde sie mit Filmen wie "Vogelfrei". Sie starb nun mit 90 Jahren in Paris. Festivalleiter Christoph Terchechte beschreibt sie als Pionierin des Films.

Sie sei die einzige Regisseurin der Nouvelle Vague und die Vorreiterin dieser Stilrichtung gewesen, betont Christoph Terhechte, ehemaliger Leiter der Berlinale-Sektion "Forum": "Sie hat schon zehn Jahre vor Godard, Truffaut, Chabrol angefangen, Filme zu machen. Später wurde sie untergebuttert. Sie hat Filme gemacht, die immer sehr viel mehr persönlich waren, als dass sie einer generellen Strömung im Kino entsprochen hätten."

Zum Teetrinken in Paris verabredet

Terhechte berichtet, dass er für die nächste Woche mit der französischen Filmemacherin noch in Paris zum Tee verabredet war. Dazu allerdings kam es nun nicht mehrl.

Zuletzt war Agnès Varda im Februar bei der Berlinale, wo sie mit dem Ehrenpreis des Festivals geehrt wurde. Und Terhechte hielt die Laudatio. Auf dem Filmfestival dann lief ihr zuletzt produziertes Selbstporträt "Varda by Agnès" außer Konkurrenz.

Terhechte, heute künstlerischer Leiter des internationalen Filmfestivals in Marrakesch, hatte die Regisseurin mit ihrem Film "Vogelfrei" noch im Dezember nach Marokko eingeladen. Für diesen Film war sie 1985 als erste Frau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Der Film, der im Stil der Nouvelle Vague gedreht wurde, erzählt von einer jungen Streunerin, die einen Kältetod stirbt.

Christoph Terhechte steht auf der Bühne der Berlinale. Er trägt ein schwarzes Sakko und schaut freundlich in das Publikum. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)Christoph Terhechte bei der Laudatio auf Agnès Varda bei der 69. Berlinale 2019, die die Regisseurin noch persönlich besuchte. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Über 50 Filme in einer 60-jährigen Karriere

In ihrer 60 Jahre andauernden Karriere drehte sie über 50 Filme. Mit dem Kurzfilm "La pointe courte" gab sie 1954 ihr Debüt. Damals war der junge Regisseur Alain Resnais für den Schnitt verantwortlich. Über die Fotografie habe sich Agnès Varda damals dem Film genähert, sagt Terhechte. "La pointe courte" sei dann auch sehr "sehr autobiografisch und persönlich" und gilt als richtungsweisend für die Nouvelle Vague.

"Jane B... wie Birkin", ihr Porträt über die Schauspielerin Jane Birkin, mit der sie eine enge Freundschaft verband, kam 1988 in die bundesdeutschen Kinos. 2009 wurde ihr autobiografischer Filmessay "Die Strände von Agnès" über Strände und Küsten, die ihr Leben prägten, in Berlin gezeigt. In dem Dokumentarfilm "Augenblicke: Gesichter einer Reise" porträtierte sie gemeinsam mit dem 33-jährigen Fotokünstler JR von der Provence bis zur Normandie Menschen in Dörfern.

Erfinderin des hybriden Films

"La pointe courte" erhielt Auszeichnungen bei allen großen Filmfestivals wie den Ehren-Oscar, die Ehrenpalme, den Ehrenleoparden oder den Ehren-César. Dort waren ihre Filme oft erfolgreicher als im Kino. Das sei aber ihre Wahl gewesen, erklärt Christoph Terhechte:

"Sie hätte, wenn sie gewollt hätte, auch Filme machen können, die fürs große Publikum sind. Ironischerweise ist ihr teuerster Film mit den meisten Stars derjenige, der zu ihrer Enttäuschung gefloppt ist. Und danach hat sie dann auch keine Spielfilme mehr gemacht, sondern sehr persönliche Dokumentarfilme, die aber alles enthalten haben, was Agnès Varda ausgemacht hat. Sie hat eigentlich den hybriden Film zwischen Spiel- und Dokumentarfilm erfunden. "

(cosa)

Fazit

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