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Breitband | Beitrag vom 05.09.2020

Reform der BBC"Kritiker der Regierung zum Schweigen bringen"

Annette Dittert im Gespräch mit Jenny Genzmer und Tim Wiese

Das Bild zeigt ein Gebäude des öffentlich-rechtlichen Rundfunk British Broadcasting Corporation, kurz BBC, mit seinem Logo von vorne.  (imago images / Xinhua)
Die BBC gilt als eines der besten öffentlich-rechtlichen Medienhäuser der Welt. Aber wie lange noch? (imago images / Xinhua)

Reformieren und zwar so schnell wie möglich: Mit dieser Ankündigung tritt Tim Davie seinen Posten als BBC- Chef an. Für Annette Dittert gibt der neue Leiter damit dem Druck der Regierung nach.

Schon seit seinem ersten Tag als Premierminister möchte Boris Johnson der British Broadcasting Corporation, BBC, an den Kragen. So hat er in der Vergangenheit Mitglieder seines Kabinetts angewiesen, Auftritte in bestimmten Sendungen des öffentlich-rechtlichen Senders zu vermeiden. Er bezeichnet die Berichterstattung zu als zu einseitig und zu linksgerichtet. Einer von Johnsons engsten politischen Beratern, Dominic Cummings, hat die BBC vor Jahren sogar schon als "tödlichen Feind der Konservativen" bezeichnet.

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Neben dem Inhalt soll sich laut Boris Johnson auch etwas an der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Medienhauses etwas ändern. Er würde gerne die verpflichtenden Lizenzgebühren, die rund 75 Prozent der Einnahmen der BBC ausmachen, abschaffen und der britischen Bevölkerung die Wahl lassen, stattdessen ein freiwilliges Abo für die Inhalte der BBC abzuschließen. Die aktuellen Ereignisse beobachtet Annette Dittert sehr kritisch. Sie lebt seit über zehn Jahren in London und beobachtet als ARD-Außenkorrespondentin den Streit um die BBC ganz genau.

Vorwand oder echte Sorge?

Diesem Gegenwind muss ich seit dieser Woche der neue Generaldirektor Tim Davie stellen. Allerdings scheint der neue Chef zumindest ein offenes Ohr für die Kritik aus der Downing Street zu haben. In den Neunzigern war er selbst im konservativen Lager politisch aktiv. Heute gilt er eher als konservativer Manager. Als erste Amtshandlung bei der BBC kündigte Tim Davie Reformen an. Auch der neue Chef an der Spitze befürchtet, dass die BBC nicht mehr divers genug ist -  sowohl inhaltlich als auch in ihrer Besetzung. Die Sendeanstalt sei zu london-zentriert und würde dem Auftrag der Unparteilichkeit nicht mehr nachkommen, berichtet der Telegraph

Für die BBC ist Tim Davie kein neues Gesicht. Bereits 2012 übernahm er übergangsweise die Leitung und wurde dann Marketing-Manager für die kommerzielle Tochtergesellschaft BBC Studios. Einige Beobachter vermuten, dass er seine Mitarbeiter durch Veränderungen vor dem Druck der Regierung schützen möchte. Annette Dittert glaubt nicht, dass das funktionieren kann: "In der Vergangenheit war es eigentlich immer so, dass wenn die BBC einen Schritt auf Brexit-Fraktion zugetan hat, sie sich dann noch stärker ermutigt fühlten und das die Position der BBC noch mehr geschwächt hat."

BBC in Gefahr

Auch Annette Dittert hat zum Beispiel in der Brexit-Berichterstattung teilweise eine gewisse Unausgewogenheit beobachtet. Allerdings glaubt sie nicht, dass die Regierung wirklich an einem diversen Blick interessiert ist. Die Auslandskorrespondentin spricht von einer "heftigen Kampagne" gegen die Medienanstalt: "So in Gefahr war die BBC als Institut in ihrer Funktion noch nie." Boris Johnson ginge es darum, die Kritiker der Regierung zum Schweigen zu bringen. Auch den angekündigten Maßnahmen von Tim Davie kann sie nicht entspannt entgegenblicken, denn Annette Dittert hält jede Art von Nachgeben als einen Schritt in Richtung Regierung. 

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