Rechtsmedizinerin Sarah Kölzer

Auf Spurensuche bei Kindesmisshandlung

07:41 Minuten
Die Rechtsmedizinerin Sarah Kölzer steht in einem Gerichtsmedizinischen Institut, sie trägt einen grünen Operationskittel.
Nie gab es mehr häusliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche als während des Lockdowns. Rechtsmedizinerin Sarah Kölzer untersucht als eine der Ersten misshandelte Kinder und versucht, mit ihnen zu sprechen. © HR/Dominik Schunk
Sarah Kölzer im Gespräch mit Julius Stucke · 15.12.2021
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Während des Corona-Lockdowns stieg die gemeldete Zahl misshandelter Kinder. Um solche Fälle aufzuklären und zu beurteilen, werden Rechtsmedizinerinnen wie Sarah Kölzer herangezogen. Eine Arte-Dokumentation zeigt sie nun bei der Arbeit.
Die Misshandlung von Kindern hat im vergangenen Jahr zugenommen. Rund 4500 Kinder wurden laut der Polizeilichen Kriminalstatistik geschüttelt, geschlagen oder anderweitig verletzt. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer. Und noch eine Zahl schockiert: 152 Heranwachsende kamen im ersten Coronajahr gewaltsam ums Leben – ein Anstieg um 36 Prozent im Vergleich mit 2019.

Neutral und unvoreingenommen

Sarah Kölzer ist Rechtsmedizinerin in Frankfurt am Main, zu ihrem Aufgabengebiet gehören auch Fälle von Kindesmisshandlung. Eine nun erschienene Arte-Dokumentation zeigt Kölzer bei ihrer Arbeit.
Wichtig für die Untersuchung von Verdachtsfällen sei es, „neutral und unvoreingenommen“ zu sein, unterstreicht die Medizinerin. Wenn sie hinzugezogen werde, begutachte sie die Verletzungen der Kinder, befrage diese und gegebenenfalls auch die betreuenden Personen.

Die Gesellschaft sensibilisieren

Zu ihrer Arbeit gehöre auch, Vorwürfe auf Plausibilität zu hinterfragen. Dafür spreche sie sich mit Kolleginnen und Kollegen ab – vor allem bei schwierigen Fällen, in denen die Kinder aus der Obhut der Eltern genommen werden könnten.
Wie dann der weitere Verlauf der Fälle sei, bekomme sie nicht mit, sagt Kölzer. Sie werde zumeist in einem frühen Stadium des Falls hinzugezogen.
Rund 80 Prozent der gemeldeten Fälle von Kindesmisshandlung resultierten aus der Überforderung der Erwachsenen, berichtet sie. Wichtig sei deswegen, die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren, damit Auffälligkeiten bei Kindern bei Vorsorgeuntersuchungen oder in der Schule erkannt werden könnten.

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