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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.09.2020

Rechtsextremismus in der PolizeiWirkliche Aufklärung kann nicht von innen gelingen

Rafael Behr im Gespräch mit Julius Stucke

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Kommissaranwärter, Auszubildende der Polizei NRW, sitzen bei einer Veranstaltung im Hörsaal. (picture alliance / imageBROKER / Jochen Tack)
Auch nach der Polizeiausbildung sei eine psychosoziale Begleitung notwendig, findet der Hamburger Polizeiwissenschaftler Raffael Behr. (picture alliance / imageBROKER / Jochen Tack)

Junge Polizisten suchen nach dem Guten, ist sich Rafael Behr von der Polizeiakademie in Hamburg sicher. Doch könnten eingeschliffene Verhältnisse dazu beitragen, dass rechtsextremes Gedankengut entstehe. Eine gute Betreuung sei daher notwendig.

Immer neue Skandale um rechtsextremes Gedankengut bei der deutschen Polizei: Diesmal in Nordrhein-Westfalen, wo Dutzende Beamte in einer Chatgruppe rassistische und andere menschenfeindliche Inhalte teilten.

Dies sei nur eine Seite der Polizei, sagt Rafael Behr. Er ist Professor für Polizeiwissenschaften am Fachhochschulbereich Kriminologie und Soziologie der Akademie der Polizei in Hamburg. Bei seiner Tätigkeit seien Themen wie Racial Profiling, Cop Culture oder Korpsgeist bzw. die Mauer des Schweigens immer wieder Gegenstand von Diskussionen bei der Ausbildung von Polizeischülern.

Auf der Suche nach der guten Polizei

Bei dem Ethikunterricht erhalte er auch immer wieder "Einblick in die problematische Welt der Polizei". Da kämen die Polizisten oft auch an ihre Grenzen, wenn sie problematisches Verhalten beobachten oder sogar ansprechen. Doch unterstreicht Behr: "Mir ist es zu wenig zu sagen, es gibt gute und böse Polizisten." Vielmehr gebe es Situationen, in denen man als Polizist "dem Bösen begegnet". In diesen komme es darauf an, aufrecht zu bleiben.

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Behr unterstreicht zudem, dass "nicht die Jüngeren die Gefahrenquelle" sind, wenn es um rechtsextremes Gedankengut gehe. Die Mehrheit seiner Schülerinnen und Schüler seien "sensible Menschen", meint Behr. "Es ist so, dass die eingeschliffenen Praxisverhältnisse oftmals den Rahmen bilden, in dem solche Ideologien entstehen." Eigentlich seien die jungen Menschen auf der Suche nach dem Guten der Polizei. Doch würden frustrierende Erfahrungen und Verhärtungen älterer Beamten weitergegeben.

"Das Problem besteht darin, dass die Polizei beruflicherseits Situationen produziert, in denen Menschen dieses Gedankengut entwickeln können." Dafür verantwortlich seien unter anderem Hierarchien, die Dominanzkultur oder "Arbeitszusammenhänge, die wirklich kein Zuckerschlecken sind", erläutert Behr. Deswegen sei auch nach der Ausbildung eine gute psychosoziale Begleitung notwendig.

Der Blick von außen ist notwendig

Wenig Hoffnung äußert Behr darüber, dass die Polizei aus sich selbst heraus verändert werden könne. "Eine Reinigung von innen geht eigentlich nicht, weil auch die, die reinigen sollen, die Logik der Polizei eingeatmet haben und in ihr sozialisiert sind", so der Wissenschaftler. Diese bestehe unter anderem darin, nur auf die Straftatbestände zu schauen. "Insofern braucht man dringend einen Blick von außen, der auch eine andere Terminologie und andere Narrative hat", unterstreicht Behr.

(rzr)

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