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Studio 9 | Beitrag vom 12.09.2014

Rechtsextremismus "Das ist ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit"

Chefredakteur Johannes M.Fischer von der "Lausitzer Rundschau" setzt auf Gegenwehr

Moderation: Nana Brink

Die Fenster der Redaktionsräume der Lausitzer Rundschau in Spremberg sind am 5. September 2014 mit Nazi-Parolen, Davidstern und Hakenkreuzen beschmiert. Bereits 2012 wurde die Lokalredaktion mit Tierblut und Innereien besudelt. (picture alliance / dpa)
Die Fenster der Redaktionsräume der Lausitzer Rundschau in Spremberg sind am 5. September 2014 mit Nazi-Parolen, Davidstern und Hakenkreuzen beschmiert. (picture alliance / dpa)

Rechtsradikale haben zum zweiten Mal einen Anschlag auf die "Lausitzer Rundschau" verübt. Doch die Journalisten wollen sich nicht einschüchtern lassen und nun noch stärker im rechten Milieu recherchieren, sagt Chefredakteur Johannes M. Fischer.

"Sieg Heil", "Kill them" oder "Wir kriegen Euch" lauteten einige der weißen, aufgesprühten Schriftzüge, mit denen eine Lokalredaktion der "Lausitzer Rundschau" beschmiert wurde. Es war der zweite Anschlag auf die Redaktion, die für eine mutige Berichterstattung über die Neonazi-Szene in Brandenburg steht.

Vor zwei Jahren habe es schon einmal einen Überfall gegeben, sagt der Chefredakteur Johannes M. Fischer im Deutschlandradio Kultur. "Dazwischen kamen immer wieder so kleinere Geschichten, wie Aufkleber", erzählt er. "Es ist auch schon mal passiert, dass Rechtsradikale in die Redaktion hineinkamen und subtil gedroht haben." 

Intensive Recherche ärgert die Neonazi-Szene  

Fischer glaubt, dass die Zeitung zum Ziel solcher Angriffe werde, weil sie sich ausführlich dem Rechtsextremismus in Brandenburg widme. "Wir berichten intensiv zum Thema, immer in aufklärerischer Absicht, nie mit Schaum vor dem Mund", sagt Fischer. Die Redaktion recherchiere viel und decke einiges auf, beispielsweise über die Unterwanderung von Vereinen oder über die Kickbox-Szene. "Das ärgert die in der Szene natürlich."

Auf jeden Überfall reagiere die Redaktion mit einer gewissen Trotzreaktion und intensiviere noch einmal die Recherche. "Es kommt auf keinen Fall in Frage, dass wir so tun, als wäre das ein Bagatelldelikt oder sowas", erzählt Fischer. "Das ist ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit." Das dürfe man sich nicht bieten lassen. Darüber gebe es einen Konsens in der Redaktion.

Unterstützung aus der Bevölkerung für die Lokalzeitung 

Dennoch gebe es die Gefahr, dass sich durch diese Berichterstattung ein Schatten über die Lausitz lege. "Das ist schon ein tolerantes Volk", betont Fischer. "Wir kriegen sehr viel Zuspruch von der Bevölkerung." Aber es entstehe schnell der Eindruck, als sei die Lausitz  "braun". Das sei sie aber definitiv nicht, so Fischer.

Innenminister und Polizeipräsident hätten versichert, dass intensiv gegen die unbekannten Täter ermittelt werde. "Der harte Kern der Rechtsextremisten ist bekannt", sagt Fischer. Die wichtigsten 20 Rechtsradikalen gehörten zu einer kleinen Szene in der Kleinstadt. "Selbst ich kenne die Gesichter." 

Mehr zum Thema

"Wir lassen uns hier nicht wegjagen". Lokaljournalismus in einer rechtsextremen Hochburg, (Deutschlandfunk, 01.10.2013)

Genosse Journalist. Wie die Medien mit ihrer Stasi-Vergangenheit umgehen, (Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 01.10.2013)

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