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Lesart | Beitrag vom 04.01.2019

Rechtsextreme Bolsonaro-RegierungBrasilianische Autoren erwägen Flucht

Marcelo Backes im Gespräch mit Andrea Gerk

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Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro steht vor einer Brasilienflagge.  (AFP / Mauro Pimentel)
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat begonnen, Kulturschaffende anzugehen. (AFP / Mauro Pimentel)

Der neue Präsident Brasiliens, der rechtsextreme Jair Bolsonaro, geht hart gegen Schriftsteller vor. Viele brasilianische Schriftsteller überlegen laut dem Autoren Marcelo Backes, ihr Land zu verlassen. "Alle sind unglaublich besorgt", sagt Backes.

Seit Jahresanfang regiert der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro Brasilien. Das Arbeitsministerium hat er bereits aufgelöst und das Kulturministerium abgeschafft. Doch ohne die könnte der Literaturmarkt des Landes kollabieren. Backes sagt: "Von der Regierung wird kritisches Denken nicht gewünscht." 

Auch er überlege, nun auszureisen, sagt Backes. In den vergangenen Jahren hatte er unter anderem Werke Arthur Schnitzlers, Robert Musils oder Heinrich von Kleists ins Portugiesische übersetzt und herausgegeben. Backes schrieb zuletzt, dass Bolsonaro Kulturschaffende wie ihn als Blutsauger des Systems sehe, die gegen die Werte der Familie und guten Sitten verstoßen.

Reden – bis das Wort entzogen wird

Bolsonaro werde nun versuchen, den Künstlern und Schriftstellern zu schaden. "Die zwei größten Buchhandlungen Brasiliens sind fast pleite", sagt Backes. "Der Buchmarkt in Brasilien hängt von Regierungskäufen ab." Doch Bolsonaros Regierung werde in den kommenden Jahren voraussichtlich fast keine Bücher kaufen. Der Literaturmarkt des Landes könnte kollabieren.

Wie auch Bolsonaro würden viele Menschen kritische Gedanken nicht schätzen. "Man hat den Eindruck, dass das kritische Wort überhaupt keinen Wert mehr hat", sagt Backes. "Man kann reden, was man will, jene die Bolsonaro gewählt haben, das waren etwa 58 Millionen, denken, dass wir Kulturschaffende nur Schmarotzer sind." Aber man müsse trotzdem reden, sagt Backes. "Wir werden es weiterhin machen, bis uns offiziell das Wort entzogen wird, was ich befürchte."

(nsc)

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