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Fazit | Beitrag vom 20.11.2020

Rassismusvorwürfe am Staatsballett BerlinWeißschminken für den Schwanensee

Dorion Weickmann im Gespräch mit Johannes Nichelmann

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Im Vordergrund tanzen eine Ballerina und ein Tänzer, im Hintergrund sieben Tänzerinnen den "Schwanensee". (Soeren Stache/dpa/lbn )
Klassiker wie Schwanensee müssten diskutiert werden, sagt Dorian Weickmann. (Soeren Stache/dpa/lbn )

Eine Ballerina erlebt Rassismus am Staatsballett Berlin. Das sei nicht wirklich überraschend, sagt Tanzkritikerin Dorion Weickmann. Viele Compagnien hätten ein Diskriminierungsproblem. Auch das Repertoire müsse überdacht werden.

Chloé Lopes Gomes war die erste schwarze Ballerina am Staatsballett Berlin. Vor zwei Jahren fing sie dort als Ensembletänzerin an, im kommenden Jahr läuft ihr Vertrag aus, er wurde nicht verlängert. Jetzt hat die Tänzerin schwere Vorwürfe gegen eine Ballettmeisterin am Staatsballett erhoben.

Sie habe rassistische Kommentare zu hören bekommen und sei aufgefordert worden, sich für Aufführungen von "Schwanensee" weiß zu schminken. Noch im Sommer hatte sich das Staatsballett auf Twitter mit der Antidiskriminierungskämpferin Chloé Lopes Gomes geschmückt:

Die Vorwürfe bezögen sich vor allem auf die Zeit, als Johannes Öhman und Sasha Waltz die Intendanz am Staatsballett innehatten, sagt Tanzkritikerin Dorion Weickmann. Anfang dieses Jahres hatten Öhmann und Waltz nach nur fünf Monaten gemeinsamer Arbeit das Staatsballett verlassen. Ersterer habe verlauten lassen, dass er keine Toleranz für die Vorkommnisse habe, berichtet Weickmann.

Aufarbeitung tut not

Öhmann habe Lopes Gomes ein Gespräch mit der Ballettmeisterin angeboten, sie habe abgelehnt. Die aktuelle Interimsintendantin Christiane Theobald sei sehr bemüht, die Vorgänge aufzuarbeiten, so Weickmann. Sie wolle von außen Hilfe ins Haus holen und einen Verhaltenskodex entwickeln, damit so etwas nicht mehr passiere.

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Rassismus am Ballett überrasche sie nicht wirklich, sagt Weickmann: "Es gibt wahrscheinlich sehr viel mehr, als wir denken." Es gebe wohl in vielen Compagnien mehr oder weniger unterschwellige Strömungen, die aber nicht immer an die Oberfläche gelängen.

Tänzer schreiben ein Manifest

Interessant sei zum Beispiel das Ballett an der Oper Paris, sagt Weickmann: "Der Hort der Tradition schlechthin und bis vor wenigen Jahren ist dort jeder Modernisierungskurs gescheitert." Im September hätten dort fünf Tänzer ein Manifest geschrieben, in dem sie dezidiert antirassistische Maßnahmen gefordert hätten – und zwar nicht nur innerhalb der Compagnie, sondern auch innerhalb des Repertoires.

Dies sei interessant, weil mit den Klassikern "Schwanensee" und "La Bayadère" Themen auf der Ballettbühne vorhanden seien, "die wir heute einfach diskutieren müssen".

(beb)

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