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Lesart | Beitrag vom 16.11.2019

Rainer Wochele: "An der Raststätte"Die Raststätte als Ort ohne Gesetzmäßigkeiten

Moderation: Florian Felix Weyh

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Frühstückpause für Autoreisende vor ihren Fahrzeugen an der Raststätte Helmstedt in den 1960er Jahren. (imago/ Hans Seeliger)
Rainer Wochele hat sich für sein jüngstes Buch "An der Raststätte" auf Exkursion entlang der Autobahn begeben. Die Rast hat Tradition. (imago/ Hans Seeliger)

Auf langen Fahrten kommt man an Raststätten kaum vorbei. Doch sie sind mehr als nur Orte der Pause und des Auftankens, wie Rainer Wochele in "An der Raststätte" zeigt. Sie haben Geschichte und sind eine Bühne für das Leben.

Raststätten sind besondere Orte. Kein Wunder, dass sich der Schriftsteller Rainer Wochele zu ihnen hingezogen fühlt und in seinem jüngsten Buch "An der Raststätte. Eine Exkursion" einen genauen Blick auf die an den Autobahnen des Landes gelegenen Stellen wirft.

Ihn interessiere dieser Orte, "an dem sich Leben spiegelt", sagt Wochele. Er habe sogar den Plan gehabt, mit einem der großen Lastwagen, die an solchen Rastplätzen stehen, Richtung Osten zu fahren. Dies habe sich aber nicht mehr als nötig erwiesen, räumt der Schriftsteller ein. Für ihn sind Raststätten ein "Ort ohne Gesetzmäßigkeiten": "Dort werden Liebschaften gepflegt und Geschäfte gemacht."

Collage mit Prospekten

In seinem Buch erzählt Wochele aber auch die Entwicklungsgeschichte der Autobahnen, beginnend mit der Avus in Berlin. Dabei schildert er die Situation, unter der die Arbeiter die Straßen bauten. So habe die Schipperkrankheit um sich gegriffen, erläutert Wochele, eine Veränderung im Schultergürtel aufgrund des vielen Schaufelns.

Das Buch ist eine Art Collage. So tauchen immer wieder Zitate aus Prospekten der Lkw-Branche auf. Diese korrespondierten immer mit den Texten, sagt Wochele. Damit werde gezeigt, "wie wir von dem Auto abhängig sind, aber auch wie sehr wir dem Auto liebend zugetan sind".

Bühne mit besonderen Figuren

Mit dem Buch wollte er einen Blick auf das Leben an einer Raststätte werfen, erläutert der Autor. Der Ort sei eine gute Bühne, um die Figuren nach vorn zu holen und reden zu lassen. In einer Episode des Buches treffen sich beispielsweise zwei Brüder an einer Raststätte, um den Mord an ihrem Vater zu planen, weil dieser die Mutter drangsaliere.

(rzr)

Rainer Wochele: "An der Raststätte. Eine Exkursion"
Klöpfer, Narr Verlag, Tübingen 2019
113 Seiten, 18 Euro

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