Rainer Hank über sein Buch "Die Loyalitätsfalle"

    Eine angebliche Tugend als Falle

    08:06 Minuten
    Illustration von zwei Händen, die zusammen an einem Seil ziehen.
    Der Zwang, an einem Strang ziehen zu müssen: Wer loyal zu einer Gruppe sei, könne nicht mit dem großen Ganzen solidarisch sein, sagt Rainer Hank. © imago images / fStop Images / Malte Müller
    Moderation: Ute Welty · 22.02.2021
    Audio herunterladen
    Der Publizist Rainer Hank sieht Loyalität nicht als Tugend, sondern als echtes Problem: Denn Gruppen übten einen „Loyalitätsdruck“ aus, sodass am Ende die Werte einer Gruppe für wichtiger gehalten werden als die eigenen.
    Loyalität wird im Allgemeinen als positiv betrachtet. Doch diese angebliche Tugend ist gar keine, meint der Wirtschaftsjournalist und Publizist Rainer Hank. Er sieht die Loyalität als Falle.
    Das gilt Hank zufolge sowohl für die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber als auch gegenüber der eigenen Familie, der Kirche oder dem Sportverein: "Gruppen üben Konformitätsdruck auf uns aus", sagt Hank. In der Folge hielten wir dann "die Werte der Gruppe für wichtiger, für wahrer, für höher als unsere eigenen".
    Als ein Beispiel führt Hank den Dieselskandal beim Autobauer Volkswagen an. Die Frage sei, warum so viele Mitarbeiter des Unternehmens bei der Abgasmanipulation mitgemacht hätten: "Das hängt an der Loyalität."

    Die Belohnung: das Gefühl von Zusammenhalt

    Aus einem solchen System auszuscheren, sei schwer, räumt Hank ein. Denn Loyalität werde mit dem Gefühl von Zusammenhalt und Zugehörigkeit belohnt.
    Bei seiner Analyse macht Hank keinen Unterschied zwischen links und rechts. Die Mechanismen des Gruppendrucks herrschten bei "Fridays for Future" genauso wie bei Pegida und den Querdenkern, meint er:
    "Je höher, je besser, je reiner und moralischer die Ziele sind, umso größer ist die Gefahr, den Gruppen- und Loyalitätsdruck vor die eigene Meinung und Haltung zu stellen. Wer es dann nicht tut, wird ausgestoßen."

    Die eigenen Zweifel ernst nehmen

    Dagegen helfe, die eigenen Zweifel ernst zu nehmen, sagt Hank, und auch mal Nein zu sagen. Der Loyalität setzt er die Solidarität entgegen. Wer loyal zu einer Gruppe sei, könne nicht mit dem großen Ganzen solidarisch sein, betont der Publizist.
    (ahe)

    Rainer Hank: Die Loyalitätsfalle - Warum wir dem Ruf der Horde widerstehen müssen
    Penguin Verlag, München 2021
    208 Seiten, 18 Euro

    Mehr zum Thema