Mittwoch, 13.11.2019
 

Interview | Beitrag vom 08.10.2019

Radverkehr Mit "protected bike lanes" in die Zukunft

Andrea Reidl im Gespräch mit Dieter Kassel

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Grüner Fahrradweg auf der Holzmarkstrasse in Friedrichshain mit Absperrungen zum Autoverkehr (picture alliance/dpa/Andreas Gora)
Radspuren schützen: Ein grün markierter Fahrradweg in Berlin-Friedrichshain mit Absperrungen zum Autoverkehr (picture alliance/dpa/Andreas Gora)

Radfahren in deutschen Großstädten ist kein Spaß, doch daran soll sich etwas ändern. Experten diskutieren heute über Pläne von Verkehrsminister Scheuer. Viel zu spät, meint die Journalistin Andrea Reidl - und verbindlicher dürften die Zielvorgaben sein.

Heute diskutieren Experten in Berlin über den Radverkehr in Deutschland. Grundlage sind Ziele, die Bundesverkehrsminister Scheuer bereits vor einigen Monaten vorgestellt hat. Der Nationale Radverkehrsplan 3.0 soll das Radfahren in Deutschland populärer machen.

Nach Einschätzung von Andrea Reidl, Journalistin und Expertin für nachhaltige Mobilität und Fahrradkultur, ist das noch ein langer Weg. Scheuers Leitziele für den Fahrradverkehr seien gut, aber nicht der große Wurf, sagt sie. Sie kommen Reidl zufolge auch deutlich zu spät: Bislang sei wenig passiert, Deutschland hinke anderen Ländern hinterher.

Die Sicherheit ist das drängendste Problem

So dauere es in Berlin vier Jahre, bis ein Radweg - von der Planung bis zum Bau - fertig sei, kritisiert Reidl. Währenddessen würden in New York in kürzester Zeit Radwege geschaffen - indem einfach Teile der Straße mit kleinen Pollern abgetrennt werden.

Was Reidl vor allem fehlt, ist eine verbindliche Zielvorgabe: Wie hoch soll der Anteil des Radverkehrs in den Städten gesteigert werden? Und bis wann? Darauf gäben Scheuers Pläne keine Antwort.

Als wesentlich für eine Steigerung des Radverkehrs sieht sie die Sicherheit an. Das sei das drägendste Problem. "Die Menschen fühlen sich nicht sicher. Jahrelang hieß es, wir sollen auf der Straße fahren mit den Fahrrädern, da wird man gut gesehen. Die Leute haben zwar Angst, aber man muss sich nur daran gewöhnen. Das funktioniert aber nicht."

Das Lastenfahrrad überholen

Seit 2002 sei der Radverkehr in den Städten nur von neun auf elf Prozent gesteigert worden. Studien zeigten, dass Leute das Radfahren tatsächlich ausprobierten, aber dann in gefährliche Situationen kämen, zu eng überholt oder geschnitten würden. "Das möchte niemand. Jeder möchte einfach sicher durch die Stadt kommen."

Die Lösung sind Reidl zufolge "protected bike lanes" - breite abgegrenzte Fahrradwege, auf denen es auch mal möglich ist, ein Lastenfahrrad zu überholen.

(ahe)

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