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Studio 9 | Beitrag vom 24.03.2020

Quarantänetipps der BundesregierungAlleinsein für Anfänger

Von Anh Tran

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Eine junge Frau trägt  vor dem Fernseher eine Jogginghose.  (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)
Heute mal die blaue Jogginghose? Die Coronakrise bringt unseren gewohnten Arbeitsalltag ziemlich durcheinander. Und nicht jeder kommt mit dem Alleinsein klar. (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Welche Jogginghose darf es denn heute sein? Den Tag zu strukturieren, wenn man quarantänebedingt allein zu Hause sitzt, fällt vielen schwer. Die Bundesregierung hat Tipps zur Tagesgestaltung in der Quarantäne veröffentlicht. Wie hilfreich sind sie?

Willkommen bei Alleinsein für Anfänger – Tipps und Tricks von Herrn Spahn und seinem Ministerium:

"Vermutlich haben Sie plötzlich ungewöhnlich viel Zeit, da Sie nicht zur Arbeit gehen können oder gewohnten Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Schaffen Sie sich eine Tagesstruktur und setzen Sie sich Ziele. Die Ziele sollten unter den gegebenen Umständen realistisch sein. Überlegen Sie, wie Sie die Zeit füllen können. Probieren Sie verschiedene Dinge aus wie z.B. lesen, das Schreiben eines Tagebuchs usw."

Sieben Uhr. Der Wecker klingelt. Ich dokumentiere ins Tagebuch: Liebes Tagebuch, noch nichts passiert. Suche Ablenkung, brauche Sinn. Warte weiter ab. Lagebesprechung um 18 Uhr. Befolge jetzt die Toptipps von ganz oben. Bleib dran!

"Bleiben Sie körperlich aktiv: Auch auf begrenztem Raum kann Sport betrieben werden, z.B. durch Übungen auf einem Stuhl oder auf dem Boden. Hierzu gibt es im Internet viele Hinweise und Anregungen."

Ich hasse Sport. Nun. Idee!

Ich krame in der Plattensammlung:
Beach house – Depression cherry
Frightened Rabbit – Painting of a Panic Attack
The National – Trouble will find me

Hm – vielleicht doch besser die Gute-Laune-Playlist über die Bluetooth-Box und tanzen – schaut ja eh niemand zu.

Nicht an das Virus denken - wie soll das gehen?

Bewegung abgehakt. Nächster Tipp, bitte:

"Versuchen Sie, den Medienkonsum in Bezug auf dieses Thema bewusst zu gestalten. Setzen Sie sich z.B. feste Zeiten, in denen Sie neue Nachrichten und Informationen recherchieren."

Nicht an das Virus denken. Klingt so einfach. Doch sobald das Radio angeht oder der Fernseher läuft... 

Selbst beim Telefonat mit Omi ist das Topthema: Corona. Omi, wenn du das hörst – wie besprochen schön drinnen bleiben oder auf den Balkon Blümchen gießen.

Und was ist eigentlich, wenn man gar keinen Plattenspieler hat, keinen Platz zum Tanzen, keinen Balkon zum Sonnen, kein volles Bücherregal, keine Omi zum Telefonieren?

Dann helfen diese Tipps alle nur begrenzt.

Der Toptipp: Hilfe suchen!

Es sich zu Hause angenehm gestalten zu können, ist auch ein Privileg. Damit nicht zurechtzukommen, vollkommen o.k.  – oder wie die Handreichung schreibt:

"Emotionale Reaktionen […] sind normale Reaktionen auf die unnormale Situation."

Sich dabei eine sogenannte "positive Grundhaltung" zu bewahren, ist verdammt schwer. Wem die Last allein zu groß wird, empfiehlt das Ministerium die Telefonseelsorge: 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 oder 116 123.

Berlin hat zusammen mit den Kirchen sogar eine Nummer nur für Corona-Kummer eingerichtet (030-403665885).

Hilfe suchen ist auf jeden Fall der TOP TIPP.

"Liebes Tagebuch..."

Trotzdem, der letzte Ratschlag kommt vom Ministerium:

Bleiben Sie auch mental aktiv

Na dann: Tagebuch, Versuch Nummer 2:

Liebes Tagebuch,
ist der Tag auch richtig öde,
mit diesen Tipps werd' ich nicht blöde
sagt zumindest Herr Spahn
die Crux ist nur – mir fehlt WLAN
Und ohne Netz find ich nicht mal
Zu diesen Tipps – es ist ne Qual.

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