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Im Gespräch | Beitrag vom 07.08.2020

Puppenbauer Claudia und Peter Röders"Wir haben eine emotionale Verbindung zu unseren Puppen"

Moderation: Tim Wiese

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Claudia Röders trägt auf der Hand die Puppe Rudi, einen Raben, und setzt ihn fröhlich auf die Schulter ihres Mannes Peter Röders. (Claus Göhler, Studio für Fotografie in Schleswig)
Rabe Rudi ist nur eine von vielen Puppen aus der Werkstatt von Peter und Claudia Röders. Sie haben auch Bernd das Brot geschaffen. (Claus Göhler, Studio für Fotografie in Schleswig)

Claudia und Peter Röders sind Deutschlands bekannteste Puppenbauer. Aus ihrer Werkstatt stammen Figuren wie "Uli von Bödefeld", "Rabe Rudi", aber auch therapeutische Puppen. Peter Röders spielte sogar den Samson aus der "Sesamstraße" selbst.

"Deutsche können nicht solche Puppen bauen wie die Amerikaner." Das bekam Peter Röders in den 70er-Jahren von den Redakteuren der Sesamstraße zu hören. Diesen Satz wollte der Puppenbauer nicht auf sich sitzen lassen. Also tüftelte er Tag und Nacht in seiner Werkstatt. Wenig später war "Uli von Bödefeld geboren", die einzige Puppe der "Sesamstraße", die jemals aus Deutschland kam.

Zwei Jahre hat es gedauert, so erinnert sich Peter Röders, bis die amerikanischen Produzenten zustimmten. Dann endlich durfte "Herr von Bödefeld" Teil der "Sesamstraße" werden. "Eine Mischung aus Hund uns Maus, man weiß es nicht genau. Jedenfalls ist er sehr hochnäsig und sehr adelig", beschreibt sein Erfinder die Puppe mit der langen Nase und den wuscheligen Haaren.

Nicht in die eigenen Puppen verlieben

Bis heute, das merkt man, ist Peter Röders sehr stolz darauf. Wie er überhaupt zu all seinen Puppen ein besonderes Verhältnis hat. Zusammen mit seiner Frau Claudia Röders, baut er Figuren für Puppenspieler, Freizeitparks oder auch Sportvereine. "Wir haben eine emotionale Verbindung zu unseren Puppen, bloß: Man gewöhnt sich das ab. Es ist das Erste, was man als Puppenbauer lernen muss, sich nicht in seine eigenen Puppen zu verlieben. Sonst gibt man sie nicht mehr her."

Das Ehepaar Röders und Moderator Tim Wiese posieren in der Puppenwerkstatt mit einer selbstgebauten Puppe. (Thomas Schütt)Damit eine Puppe glaubhaft wirkt, müssen all ihre Bewegungen übertrieben werden. Sonst sehe man gar nichts, erklärt Peter Röders unserem Moderator Tim Wiese (rechts im Bild). (Thomas Schütt)

Gut einen Monat baut das Paar an einer Puppe, bis zu 4500 Euro müssen die Kunden dafür bezahlen. "Wichtig sind die Augen, dass die aussagekräftig sind, dass die das Gegenüber ansprechen", sagt Peter Röders. Und seine Frau ergänzt: "Unsere Figuren haben eine eigene Ästhetik. Wir lieben Details, kleine Knöpfe und kleine Schnallen."

Der Samson aus der Sesamstraße

Ganz wichtig: Die Puppen sollten möglichst leicht und luftdurchlässig sein. Peter Röders weiß, warum. Er ist nicht nur Puppenbauer, sondern auch Puppenspieler. Fünf Jahre, von 1978 bis 1983 steckte er im Kostüm von "Samson" aus der "Sesamstraße". 25 Kilo wog das Fellkostüm. Regelmäßig mussten die Dreharbeiten pausieren, bis zu 40 Grad herrschten im Inneren der Puppe. "Ich habe immer so eine lange Unterwäsche angehabt, die war nach 15 Minuten nass." Im Bärenkostüm war ein Monitor eingebaut, so konnte sich Peter Röders orientieren.

Der Schauspieler Uwe Friedrichsen (r) unterhält sich während der Dreharbeiten zu der deutschen Ausgabe der beliebten Vorschulserie Sesamstraße im Studio Hamburg des NDR mit Peter Röders, der in dem Kostüm des Zottelbärs Samson steckt. (picture alliance/dpa/Gus)Des Samsons Kern: Puppenspieler Peter Röders (hier 1979) spielte selbst in der "Sesamstraße" mit. (picture alliance/dpa/Gus)

Um eine Puppe wie Samson mit Leben zu füllen, so Peter Röders, muss man "alle Bewegungen übertrieben machen, sonst sieht man draußen überhaupt nichts. Sonst denkt jeder, der macht ja gar nichts, der steht da nur rum. Also man muss alles überzeichnen."

Wie Ernie und Bert sich in der "Sesamstraße" vor der Kamera zofften, gab es auch hinter den Kulissen Streit. Peter Röders hatte darauf keine Lust mehr und verließ die Sendung. "Zu Anfang hatten wir einen tollen Regisseur gehabt, der hat uns machen lassen. Dann kam der pädagogische Beirat, der setzte die erste Schere an. Der sagte: 'Es wird nicht da, sondern dort gesagt.' Bis es dann zum Schluss keinen Spaß mehr gemacht hat."

Also hat sich Peter Röders auf eigene Projekte konzentriert, seit 1989 zusammen mit seiner Frau.

Mit Puppen Blockaden freisetzen

In ihrer Werkstatt entstanden Puppen wie der Rabe Rudi und der berühmte sprechende Koffer aus der Serie "Siebenstein", oder Bernd das Brot. Aber nicht nur Filmpuppen werden bei den Röders gebaut. Auch Figuren für den therapeutischen Bereich entstehen in ihrer Werkstatt. Als gelernter Heilpädagoge weiß der bald 75-Jährige, welche Wirkung die Puppen haben können. "Wir haben Marionetten für Spastiker entwickelt. Die haben sie anziehen können. Dann haben sie sich ganz ruhig damit bewegen können. Puppen werden ja viel zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Am meisten dazu, dass Kinder sich in die Puppe hineinfallen lassen, sie selber auch spielen können. Dass Blockaden freigesetzt, dass die aufgehoben werden können."

(ful)

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