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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.03.2020

Probleme an SchulenStudie: Lehrer müssen entlastet werden

Udo Beckmann im Gespräch mit Julius Stucke

Schüler einer 3. Klasse sitzen in einem Klassenzimmer vor einem Laptop. (Picture Alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Mehr Möglichkeiten für Lehrer: Die Digitalisierung würde es den Lehrkräften ermöglichen, besser auf die einzelnen Schüler einzugehen, sagt Udo Beckmann. (Picture Alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Lehrermangel, zu viele Verwaltungsaufgaben und Schüler, die sozial auffällig sind: Viele Lehrer in Deutschland sind im Stress. Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung fordert Abhilfe.

Zu viele Pflichtstunden, zu wenig Freizeit - so geht es einem Großteil der deutschen Gymnasiallehrer. Das belegt eine Studie, die der Deutsche Philologenverband in Auftrag gegeben hat.

Für die Untersuchung hatte das Institut für Präventivmedizin Rostock rund 16.000 Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien befragt. Vier Wochen lang mussten sie minutiös ein Arbeitszeitprotokoll führen, in dem sie den Unterricht und alle weiteren Tätigkeiten notierten.

Ergebnis: Viele der Pädagogen übernehmen neben dem eigentlichen Unterricht noch zahlreiche Sonderaufgaben und kommen so oft auf mehr als 50 Wochenstunden. Zwei Drittel klagen über eine zu hohe Arbeitsbelastung und fordern weniger Pflichtstunden.

Lehrer brauchen Entlastung

Hinzu kommt, dass in Grundschulen und Gymnasien immer größere Leistungsunterschiede bestehen, denen Lehrerinnen und Lehrer gerecht werden müssen.

Ein weiteres Problem sei der Lehrermangel, sagt Udo Beckmann. Er ist Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, der als Gewerkschaft die Interessen von Pädagoginnen und Pädagogen vertritt. Um die Situation kurzfristig zu verbessern, wäre es gut, die Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, sagt Beckmann.

Außerdem müssten vermehrt Sozialarbeiter und Psychologen eingestellt werden, um die Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen. In Schulen würden dann Lösungen gefunden, "wenn es ihnen gelingt, sich ein Stück weit von starren Strukturen zu befreien".

Den Unterricht stärker individualisieren

Hilfreich wäre auch, die Schulen besser auszustatten – vor allem im digitalen Bereich. Auf diese Weise wäre es möglich, "den Unterricht noch stärker zu individualisieren", so der Pädagoge. Doch auch in diesem Bereich hinke man hinterher.

Die Gesellschaft müsse sich die Frage stellen, was sie von Schule erwarte, so Beckmann – auch mit Blick auf die Zukunft. "Die Fachlichkeit kann nicht hinten runterfallen", sagt der Verbandsvorsitzende. "Aber wir brauchen sicherlich Kreativität. Die Förderung von Kreativität ist ein ganz entscheidender Aspekt neben den sozialen Kompetenzen."

(rzr)

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