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Interview | Beitrag vom 10.06.2021

Privatdetektiv zu TV-ExperimentSpurlos verschwinden – geht das?

Lothar Wenzel im Gespräch mit Dieter Kassel

Eine kurvige Straße verschwindet im Nebel, rechts und links stehen Nadelbäume. (Unsplash / Katie Moum)
Dauerhaft zu verschwinden, ist nicht ganz einfach, sagt der Privatdetektiv Lothar Wenzel. (Unsplash / Katie Moum)

Manche Menschen sind plötzlich einfach weg. So auch 2018 der frühere Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Ein Fernsehsender will nun zeigen, wie man spurlos verschwinden kann. Privatdetektiv Lothar Wenzel erklärt, was dabei am wichtigsten ist.

Rund 100.000 Personen werden in Deutschland jedes Jahr als vermisst gemeldet. 97 Prozent davon werden wieder ausfindig gemacht, allerdings nicht immer lebendig.

Karl-Erivan Haub, der ehemalige Tengelmann-Chef; ist bei einem Skiurlaub 2018 verschwunden. Inzwischen wurde er offiziell für tot erklärt. RTL geht heute Abend der Frage nach, ob Haub vielleicht doch noch lebt, und veranstaltet danach ein Experiment, bei dem jemand versucht, spurlos zu verschwinden.

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Lothar Wenzel ist Privatdetektiv in Köln und kommt zum Einsatz, wenn eine verschwundene Person gesucht wird. Dabei sei es wichtig, auch die Informationen zusammenzutragen, die der Auftraggeber als unwichtig erachte: "Alte Freunde, alte Bekannte, alte Telefonnummern und so weiter."

Privatdetektive arbeiteten wie Zielfahnder des Bundeskriminalamts. "Auch Detektive sind ja zum Teil weltweit vernetzt."

Zahlendreher im Geburtsdatum

Wenn jemand verschwindet, muss das nicht unbedingt etwas mit einer Straftat zu tun haben. "Es gibt auch Aussteiger, die sagen: Ich will nicht mehr", sagt Wenzel. Viele davon landeten auf der Straße. Gefunden würden sie häufig, wenn sie beispielsweise einen Unfall hätten oder eine Krankheit auftrete.

Wenn jemand verschwinden wolle, gebe es durchaus ein paar Dinge zu beachten, erklärt Wenzel: "Das wichtigste bei uns ist das Geburtsdatum. Gewiefte und Clevere wissen, wenn ich da nur einen Zahlendreher einbaue, dann findet mich keiner mehr."

Bei Stones-Konzert verhaftet

Wenn man nicht mehr gefunden werden wolle, müsse man eine neue Identität aufbauen. Beispielsweise gebe es Fälle, wo jemand im Urlaub den Pass verliert, ein Übergangsdokument bekommt und versucht, einen Zahlendreher einzubauen.

Man brauche natürlich auch gewisse finanzielle Mittel. So habe etwa Thomas Drach, der in den 90er-Jahren Jan Philipp Reemtsma, den Erben der Tabak-Dynastie, entführt habe, Zehntausende Euro bezahlt für einen neuen Pass. Beim Finden habe eine Detektei aus Frankfurt hervorragende Arbeit geleistet.

Für immer spurlos zu verschwinden, klappe jedoch meist nicht, meint Wenzel. "Irgendwann passiert immer etwas, wo man dann wieder aufgibt." Das sei bei Thomas Drach auch so gewesen.

"Den haben sie ja verhaftet während eines Rolling-Stones-Konzertes in Argentinien. Irgendwann wird jeder mal unvorsichtig oder gibt durch einen dummen Zufall auf."

(abr)

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