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Kompressor | Beitrag vom 23.08.2019

PopmusikSkandalbelastete Künstler stumm schalten

Hartwig Vens und Dirk Schneider im Gespräch mit Lisa Ludwig und Samira El Ouassil

Hand hält Mobiltelefon, die Szene ist in grünes Licht getaucht. (imago stock&people/ images / Newscast)
Inzwischen gibt es "Mute"-Tasten bei Streaming-Diensten, mit denen man belastete Künstler zum Verstummen bringen kann (imago stock&people/ images / Newscast)

Darf ich noch Michael Jackson hören? Spätestens seit den Missbrauchsskandalen um Jackson und R. Kelly ist Popmusik zu einem politischen Thema geworden. Eine Debatte mit der Musikjournalistin Lisa Ludwig und der Politikwissenschaftlerin Samira El Ouassi.

Don Henley von den Eagles musste 1980 den Notarzt rufen: In seinem Schlafzimmer hatte sich eine 16-Jährige eine Überdosis Kokain einverleibt, laut Medienberichten wurde sie nackt aufgefunden. In Henleys Haus wurde außerdem ein 15-jähriges Mädchen angetroffen, das ebenfalls Drogen genommen hatte. Die 16-Jährige wurde wegen Prostitution festgenommen, die 15-Jährige wegen Besitzes illegaler Drogen. Don Henley wurde ebenfalls verhaftet, der Vorwurf: Anstiftung Minderjähriger zu Straftaten. Henley kam auf Kaution frei, musste 2500 Dollar Strafe zahlen und bekam zwei Jahre auf Bewährung.

Das juristische Urteil fiel also mild aus, er wurde ja auch nur für die Bagatellen verurteilt und nicht für sein eigentliches Verbrechen. Das Ganze war natürlich ein Fest für die Boulevardpresse, aber auch ein eher kleines. Don Henleys Karriere tat das keinen Abbruch, eine Dokumentation über seinen Hang zu Minderjährigen wurde nicht gedreht, für einen Shitstorm fehlte das Internet, und so denkt man heute beim Namen Don Henley nicht unbedingt an Sex mit Minderjährigen.

Umstrittene Künstler bei Spotify stumm schalten

Allerspätestens seit den Dokumentationen "Surviving R. Kelly" und "Leaving Neverland" aber hat sich das geändert. Seitdem fühlen sich auch die Popmusik-Fans häufig gezwungen, ihren Konsum bewusster auszuwählen. So cancelten viele ihre Stars, Spotify führte eine "Mute"-Taste ein, mit der man belastete Künstler zum Verstummen bringen kann. Es scheint, dass die Ethik im Pop Hochkonjunktur hat. Ist das gut und wichtig, in Zeiten, in denen auch die neue Rechte sich strategisch des Pop bedient? Oder tötet das die Kunst? Wird es im Pop eine neue Erzählung geben, die ethisch unbedenklich ist? 

Das Deutschlandfunk-Kultur-Panel auf dem Pop-Kultur-Festival in Berlin. (Marius Schwarz)Auf der Bühne, von links nach rechts: Hartwig Vens, Lisa Ludwig, Samira El Ouassi und Dirk Schneider. (Marius Schwarz)

Den Streamingzahlen der Künstler hat das übrigens bis jetzt nicht geschadet, und die Diskussion, wie man mit dem Werk eines verstorbenen Künstlers umgeht, der posthum belastet wird, ist zu keinem Schluss gekommen. Darüber haben wir mit der Musikjournalistin Lisa Ludwig und der Schauspielerin und Politikwissenschaftlerin Samira El Ouassi gesprochen.

Bei dem Audio handelt es sich um einen Zusammenschnitt des Deutschlandfunk-Kultur-Panels auf dem Pop-Kultur-Festival.


Hören Sie hier eine längere Fassung des Panels.

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