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Tonart | Beitrag vom 20.04.2018

Pop: Das muss man gehört haben...Musik nah am Abgrund

Von Claudia Gerth

Der US-amerikanische Singer/Songwriter, Gitarrist und Schauspieler Bonnie Prince Billy alias Will Oldham; Aufnahme vom 4. März 2014 in der Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg (picture alliance / dpa)
Der US-amerikanische Singer/Songwriter Bonnie Prince Bill hat das zweite Cover-Album in Folge herausgebracht (picture alliance / dpa)

Der amerikanische Vorzeige-Folkmusiker Bonnie Prince Billy bringt ein Cover-Album heraus, bei dem man sich fragt, warum man es hören sollte. Die schwedische Musikerin Sofia Härdig lässt in Abgründe schauen - wo das One-Hit-Wonder der 90er, Fools Garden, bis heute hockt.

Hat der amerikanische Musiker Will Oldham alias Bonnie Prince Billy schon alles erlebt, geschrieben, gesungen? Es scheint so. Denn der 47-Jährige, der für seine ausgereiften Songtexte bekannt ist, veröffentlicht heute mit "Wolf of the Cosmos" sein zweites Cover-Album in Folge. Erst letztes Jahr sang er die Songs eines anderen, die der Country-Legende Merle Haggard, und nun geht es an das Werk der norwegischen Sängerin Susanna Wallumrød.

Mit "Wolf of the Cosmos" bringt Bonnie Prince Billy eine Neuauflage ihres Debütalbums "Sonata Mix Dwarf Cosmos" heraus und bleibt in seiner Version ebenso minimalistisch im Arrangement wie die Norwegerin.

Ursprünglich am Klavier interpretiert, gibt er den Songs ein luftiges Gewand aus sacht gespieltem Banjo, einer Fiddle und wenigen Kontrabass-Akzenten. Und beweist einmal mehr sein Gespür für eine musikalische Atmosphäre, die den Text perfekt trägt. Trotzdem drängt sich die Frage auf, warum man nicht einfach das Original hören sollte.

Apropos Orientierung am Original: Die schwedische Musikerin Sofia Härdig hat offensichtlich eine Affinität zur Ära des 80er-Jahre Post Punks.

Noch gilt sie als "Geheimtipp", hat schon als Kind Talent bewiesen, als sie Melodien zum Sound von Staubsaugern und Motoren schuf und fand später Gefallen am brachialem Blues von Nick Cave. Mit ihrem neuen Album "Changing The Order" bleibt sie ihrer Linie treu und erinnert an den Dark Wave von Siouxsie and the Banshees.

Mit Laptop und Gitarre erzeugt sie in repetitiven Strukturen einen Klangkosmos, der sowohl hypnotisch-transzendent, als auch herausfordernd wirkt. Ihre Ästhetik ist nicht im Wohlklang zuhause. Vielmehr findet sie Schönheit im Brüchigen und in Details, die Kanten haben. Damit ist "Changing the Order" mit seinen kühlen Sounds durchaus zeitgemäß für unser digitales Leben, aber nichts für Optimierungsstreber. Es ist für die, die gern in den Abgrund schauen.

In einen Abgrund musste auch die deutsche Band Fools Garden blicken, nachdem der Hype um ihren Hit "Lemon Tree" abflaute. Für immer mit dem penetranten Ohrwurm von 1995 verknüpft, brachten sie, allerdings ohne die Aufmerksamkeit eines breiteren Publikums, kontinuierlich Platten heraus. Getreu dem Motto: Die Rettung der deutschen Pop-Welt verschieben wir lieber auf morgen.

Passend zur Bandgeschichte heißt dann auch ihr neues Album "Rise and Fall" also "Aufstieg und Fall". 14 Songs, die aus der Zeit gefallen sind. Ohne Kanten, aber auch ohne Konturen.

Unentschieden schwanken Fools Garden zwischen Stampf-Beats, Rock-Attitüde und niedlich-schunkelndem Akustik-Set. Wer mit seichtem Britpop etwas anfangen kann, dürfte bei einigen Songs auf seine Kosten kommen. Doch insgesamt ist "Rise and Fall" absolut kein Hinhörer. 

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