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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 20.04.2013

Pollenalarm! Was tun gegen Allergien?

Gast: Susanne Lau, Kinderärztin und Allergologin an der Berliner Charité

Moderation: Dieter Kassel

Pollenflug quält viele Menschen mit Heuschnupfen. (picture alliance / dpa /Bodo Marks)
Pollenflug quält viele Menschen mit Heuschnupfen. (picture alliance / dpa /Bodo Marks)

Triefende Nasen, juckende Augen, Atemnot. Der lang ersehnte Frühling hat auch seine Schattenseite: die Allergien. Weltweit nimmt die Zahl der Betroffenen zu. Allein hierzulande leiden schätzungsweise 25 Millionen Menschen an der Volkskrankheit, darunter etwa 14 Millionen an Heuschnupfen.

Nach Angaben der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) wird im Jahr 2015 jeder zweite Europäer eine Allergie haben. Etwa 20.000 allergieauslösende Stoffe haben Mediziner ausfindig gemacht, auch hier steigt die Zahl stetig. Dennoch werden Allergien oft verharmlost; nur jeder zehnte Allergie-Patient wird adäquat behandelt.

Warum reagieren immer mehr Menschen allergisch auf ihre Umwelt?
Wie kann man Allergien vorbeugen?
Wie kann man sie behandeln?

"Das abrupte Einsetzen der Wärme und der Blüte hat zu einer großen plötzlichen Belastung mit Allergenen geführt","

sagt Prof. Dr. Susanne Lau. Die Kinderärztin und Allergologin an der Klinik für Pädiatrie, Pneumologie und Immunologie der Charité in Berlin beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit den unterschiedlichsten Allergien.

""Im Säuglingsalter sind es Nahrungsmittelallergien auf Kuhmilch, Hühnereiweiß, Erdnüsse, häufig gepaart mit Neurodermitis. Bei Schulkindern sind es Pollenallergien, Hausstaub- und Milbenallergien, Insektenstich-Allergien, bei Jugendlichen kommt oft Asthma hinzu."

Wie alle Experten beobachtet auch sie ein starkes Ansteigen der Allergien bereits im Kindesalter, dies habe hauptsächlich mit unserem Lebensstil in den Industrieländern zu tun.

"Wir leben anders als früher, wir arbeiten anders, der Lebensstandard steigt. Bestimmte immunologische Stimuli, die unser Immunsystem beeinflussen, sind auch von diesem Lebensstil beeinflusst. Es gibt eben nicht nur den positiven Einfluss, also die gesunkene Kindersterblichkeit, bessere Hygiene, bessere Technologien. Es ist auch der Bewegungsmangel, weniger Kontakt zu harmlosen Bakterien, mehr Fast Food, die kleineren Familien, was letzten Endes den Kontakt zu dem normalen Keimstatus reduziert."

Inzwischen leide in Europa jedes zehnte Baby an Neurodermitis, jeder vierte Teenager habe Heuschnupfen und in jeder Schulklasse säßen zwei Kinder mit Asthma.

Ihr Appell auch an ratsuchende Eltern:

""Ein Meister-Proper-Reich braucht niemand: diese übertriebene Hygiene, dass Kinder nicht mehr draußen spielen, nicht mit dreckigen Händen essen.""
Dies verhindere den Kontakt mit den normalen harmlosen Bakterien, die unser Immunsystem auch herausfordern und abhärten. Nach wie vor seien Landkinder weniger allergiegefährdet als Stadtkinder.

Vermehrt suchten auch Erwachsene Rat, die plötzlich allergisch reagieren.
Auch hier spiele der Lebensstil eine wichtige Rolle, der das Immunsystem lebenslang beeinflussen könne. Bei allen Allergikern gelte: Vorbeugen und frühzeitig adäquat behandeln, damit sich keine folgenschwere "Allergie-Karriere" entwickelt.

Pollenalarm! Was tun gegen Allergien?

Hintergründe und Tipps gibt die Allergologin Susanne Lau, sie ist von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr zu Gast bei Dieter Kassel. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter 00800-2254-2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Weitere Informationen:
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.
Präventions- und Informationsnetzwerk Allergie/Asthma PINA e.V.

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