Pol Guasch: „Auf den Händen brennt das Paradies“

Verlust des Paradieses

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Cover des Buchs „Auf den Händen brennt das Paradies“: Eine Zeichnung, bei der eine rechte Hand ein brennendes Herz in die Höhe hält
© Wallstein Verlag

Pol Guasch

Auf den Händen brennt das ParadiesWallstein, Göttingen 2026

180 Seiten

22,00 Euro

Von Kais Harrabi |
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Glühende Hitze, Waldbrände und eine tiefe Freundschaft. Der katalanische Schriftsteller Pol Guasch erzählt in seinem zweiten Roman davon, was im Klimawandel auf dem Spiel steht – nicht weniger als die Identität einer Region und ihrer Bewohner.
Litón hat gerade seinen Dienst bei der Armee abgeleistet und kehrt zurück ins Dorf, in dem seine Eltern wohnen. Dem Mittezwanzigjährigen sitzt noch die unglückliche Liebe zu seinem Kameraden René in den Knochen; einen Plan, wo er im Leben hinwill, hat er auch noch nicht.
Auf einer Party lernt er Rita kennen, deren Vater in einer Mine nah des Dorfes arbeitet. Die beiden freunden sich an, während draußen schon die Landschaft brennt.

Wechselnde Erzählperspektiven

Pol Guasch gehört neben Irene Solá zu den aufregendsten jungen Stimmen aus Katalonien, jener Region in Spanien, die seit Jahren um ihre Unabhängigkeit kämpft. Solá und Guasch erzählen immer wieder von der eigenen Identität der Katalanen und davon, wie wichtig die Landschaft für diese Identität ist. In „Auf den Händen brennt das Paradies“ ist es eben genau diese Landschafft, die in Flammen aufgeht.
Guaschs Roman wechselt dabei immer wieder die Erzählperspektive, mal aus Ritas Sicht, mal aus Litóns Sicht, mal aus der Sicht der alten Frauen im Dorf, denen das beste Kapitel dieses Buches gehört. Aus ihrer Sicht wird auch am deutlichsten klar, wovon dieser Roman erzählt:

Wenn wir die Glut betrachten, denken wir an das, was nicht mehr da ist. Und an die jungen Leute, die nicht mehr da sind.

Aus „Auf den Händen brennt das Paradies“ von Pol Guasch

Es ist der Verlust des Paradieses, von dem dieser Roman erzählt.

Tödlicher neuartiger Parasit

Dass der Autor auch Lyriker ist, merkt man – nicht nur an der fragmentierten, andeutungsreichen Erzählweise, sondern auch an der Sprache. Guasch erzählt in einem eigentümlichen Ton, intensiv und sinnlich, manchmal rau und dann wieder ganz zärtlich. Auf manchen Seiten spürt man die Sonne förmlich auf die Haut und in die staubige, ausgetrocknete Landschaft hineinbrennen.
Optimistisch ist „Auf den Händen brennt das Paradies“ definitiv nicht. Litón – das wird schon zu Beginn klar – wird die Geschichte nicht überleben. Er erkrankt an einem tödlichen neuartigen Parasiten, der vor allem schwule Männer befällt.
Eine kaum verhohlene Anspielung auf die AIDS-Pandemie, die in den 1980ern weite Teile der queeren Communities in westlichen Großstädten ausgelöscht hat – Queere Kultur, Wissen, Lebensweisen haben damals gerade so überlebt. Guaschs Roman zieht eine Parallele zu den Dürresommern, den Überschwemmungen wenn es doch mal regnet – der Klimawandel stiftet für ihn genau dieselben Verheerungen.

Utopischer Kitsch liegt dem Autor fern

Das Buch löst damit in gewisser Weise auch das ein, was die Philosophin Donna Haraway in ihrem Buch „Unruhig bleiben“ einst gefordert hatte: „Staying with the Trouble“ – auf Deutsch: mit den Problemen leben, ungemütlich bleiben.
Guasch blickt in „Auf den Händen brennt das Paradies“ schonungslos dem Leben und Sterben auf einem beschädigten Planeten ins Auge. Er dichtet für seine Figuren keine Flucht vor dem Klimawandel, utopischer Kitsch liegt im fern. Stattdessen erzählt er mit poetischer Sprache und genauem Blick davon, was der Verlust einer Umwelt bedeutet, in der man leben kann: der Verlust von Heimat und Identität. Das könnte nach der Rekordhitze und Dürre in diesem Sommer auch für Deutschland kaum aktueller sein.
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