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Im Gespräch | Beitrag vom 07.04.2021

Philipp Lahm"Es kommt nichts mehr, was ich genauso gut kann"

Moderation: Tim Wiese

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Porträtfoto von Philipp Lahm bei einem Pressetermin im Olympiapark in München 100 Tage vor dem Start der UEFA EURO 2020. (imago / Sven Simon)
Philipp Lahm ist Cheforganisator der EM 2024. (imago / Sven Simon)

Er war der Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 2014: Als Fußballer hat Philipp Lahm alles erreicht. 2017 beendete er seine aktive Karriere. Der Abschied vom Fußballplatz sei ihm schwergefallen, gesteht Lahm.

Polizist zu sein, hätte Philipp Lahm interessiert, wenn es mit der Fußballkarriere schiefgegangen wäre. Seit frühester Kindheit ist der Fußballplatz "ein zweites Zuhause" seiner Familie: "Es war wirklich wie eine zweite Heimat."

Nach der WM 1990 träumt er davon, Fußballprofi zu werden. Mit knapp zwölf Jahren beginnt seine Karriere beim FC Bayern. "Mir hat Fußball einfach immer – bis zum Schluss –, wirklich immer Freude bereitet und Spaß gemacht." Sein Antrieb habe darin bestanden, "die einfachen Dinge zur Perfektion zu treiben". 2014 gewinnt er mit der deutschen Nationalmannschaft das Endspiel gegen Argentinien und wird Weltmeister.

Als Kapitän Vorbild sein

Schon auf dem Weg zum Endspiel hat Lahm ein gutes Gefühl: "Ich habe mir gedacht: Heute werden wir Weltmeister." Sowohl in der Nationalmannschaft als auch beim FC Bayern ist Lahm ein Führungsspieler: "Ich habe meine Rolle als Kapitän immer gesehen, dass ich Vorbild sein muss: jeden Tag beim Training, auf dem Platz, außerhalb des Platzes." 2017 beendet er seine aktive Profikarriere: "Es kommt nichts mehr, was ich genauso gut kann."

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Das Ende auf dem Fußballplatz sei schwer, weil man etwas abgebe, was nie wiederkomme. Aber Lahm gründet schon während seiner Profikarriere eine eigene Stiftung, mit der er Kinder und Jugendliche in Deutschland und Afrika rund um das Thema Fußball unterstützt.

Fußballspielen als Schule fürs Leben

"Erziehung durch den Fußball" – wie gut das funktioniert, hat Lahm selbst erlebt und will es an andere weitergeben. Es spiele keine Rolle, woher jemand komme beim Fußball, jeder könne viel lernen: Regeln einzuhalten, Fairness, Respekt und Verantwortung zu übernehmen. Wegen der Pandemie macht sich Lahm derzeit etwas Sorgen über den Amateur-Breitensport. Der lebe vor allem von Ehrenamtlichen: "Ich hoffe einfach, dass alle zurückkehren und nicht, dass sie sagen, es hat jetzt ein Jahr einigermaßen so funktioniert – und meine Prioritäten sind jetzt woanders. Das wäre schade."  

Nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" unterstützt seine Stiftung 16 ausgesuchte Pilotvereine der Amateurliga. Diese sollen sich besser vernetzen und so gegenseitig unterstützen.

Gefahren des Coming-out im Fußball

Wegen einiger Passagen in seinem neuen Buch "Das Spiel – Die Welt des Fußballs" musste sich der ehemalige Fußballnationalspieler Kritik anhören: Denn Lahm rät darin homosexuellen Fußballern weiterhin dazu, sich nicht zu outen.

"Weil da Gefahren lauern" insbesondere durch die sozialen Medien und das Internet, erklärt Lahm. "Dass man im Internet Dinge verbreiten kann, Anfeindungen erfahren muss. Auf die Gefahren will ich hinweisen."

Karriere außerhalb des Platzes

Hygienekonzepte: Darum kreisen in diesen Wochen die Gedanken des ehemaligen Nationalspielers. Im Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft, vier Spiele finden in München statt. Lahm betont, man müsse flexibel sein. Vor leeren Rängen zu spielen, hat er in seiner aktiven Zeit nur einmal erlebt.

Die Sonderrechte des Profifußballs verteidigt er: Der Profifußball sei auch ein Geschäft, und wenn man Regeln einhalte, "ist es in Ordnung".  Als Turnierdirektor der EM 2024 hat Lahm jetzt außerhalb des Platzes das Sagen. Ambitionen, auch noch Präsident des Deutschen Fußballbundes zu werden, habe er derzeit nicht. Und eine Trainerkarriere kam nie für ihn in Frage: "Weil ich das einfach nicht wiederhaben will, das tagtägliche auf dem Fußballplatz zu stehen."

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