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Lesart / Archiv | Beitrag vom 11.12.2018

Peter Goes: "Flüsse dieser Erde"Das pralle Leben

Von Susanne Billig

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Bewaldete Inselgruppe im Westpazifik, Palau, und die das Cover des Kinderbuchs "Flüsse dieser Erde" (ImageBROKER Sea Tops; Beltz & Gelberg)
"Flüsse der Erde" von Peter Goes (ImageBROKER Sea Tops; Beltz & Gelberg)

Groß, schwer und voll mit kreativen Assoziationen, widmet sich Peter Goes’ Kinderbuch den Süßwasserströmen der Erde. Für die Jüngeren werden die Flussbilder zum Wimmelbuch. Größere Kinder saugen aus "Flüsse dieser Erde" erstaunlich viel Wissen.

Schon ihre Namen klingen nach Abenteuern: Wolga, Tiber, Mississippi, Colorado, Amazonas, Indus, Jangtsekiang. In seinem neuen Buch "Flüsse dieser Erde" präsentiert der belgische Kinderbuchautor und Illustrator Peter Goes die großen Süßwasserströme der Erde, aber auch das Zusammenspiel von Ozeanen, Winden, Ebbe, Flut und Strömungssystemen – alles das im riesigen Fast-DIN-A-3-Format.

Jede Doppelseite ist mit einer kräftigen Grundfarbe unterlegt – sattgrün, wenn Flüsse durch Regenwälder fließen, knallgelb und orange in heißen Arealen, tiefblau im hohen Norden und im kalten Süden der Antarktis.

Textabsätze wie schaukelnde Boote

Los geht es mit einem Überblick über die fünf Ozeane. Danach schlängelt sich nach jedem Umblättern ein weiterer mächtiger Strom über das Papier: In Europa sind dies Themse, Elbe, Wolga, Dnjepr, Rhein und Donau. Es folgen die Flüsse Nord- und Südamerikas, Asiens, Afrikas und Ozeaniens. Rechts und links der Flüsse platziert der Autor geschwungene Textabsätze, die wie Boote mal nach links, mal nach rechts über das Papier schaukeln. Dazu kommen zahllose Schwarzweiß-Zeichnungen. Zusammen fächern sie den Kindern auf, was so einen großen Fluss und das Leben an seinen Ufern in Geschichte und Gegenwart ausmacht.

Die Zunge eines Wals wiegt so viel wie ein Elefant

Vielschichtig geht der Autor dabei vor: Jüngere Kinder können sich in die Zeichnungen fast wie in Wimmelbilder vertiefen und Details aufstöbern. Auch wenn der Vergleich mit dem Wimmelbuch-Genre angesichts des wohlüberlegten, klaren und festen Strichs des Illustrators ein wenig hinkt, quillt aus den Bildern doch das pralle Leben – langhaarige Wassernymphen tanzen über schäumende Wellen, Fische springen übers Wasser, Insekten jagen über Bäche und Flüsse, Reitersoldaten stürmen aufeinander zu, prächtige Burgen erheben sich jenseits der Ufer, Wandermönche ziehen umher und ein klitzekleines Teufelchen schwappt, gefangen in einer Flaschenpost, in einer Ecke des Buches im Persischen Golf und wartet sehnsüchtig auf seine Befreiung.

Viele kreative Ideen

Ältere Kinder können aus den schaukelnden Texten erstaunlich viel Wissen saugen. Zweckinformationen interessieren den Autor kaum. Er lässt die Kinder wissen, an welchem Ort ein Fluss entspringt und wie lang er ist – das war’s. Der Rest ist wilde Freiheit und kreative Assoziation: Kinder lernen Flüsse als Handelsrouten, Grenzen und Lebensraum für Mensch und Tier kennen. Sie erfahren, dass die Zunge eines ausgewachsenen Wals so viel wiegt wie ein ganzer Elefant, dass Seetang auf der Wasseroberfläche treibt, weil seine Ausläufer mit gasgefüllten Schwimmkörpern ausgestattet sind. Und dass ein japanischer Mythos weiß, warum die Erde bebt: Weil der Gott Kashima den Riesenwels Namazu manchmal nicht zu bändigen weiß. Der schlägt dann heftig mit den Flossen – und die Erde wackelt.

Welch ein Reichtum! Vom Pazifischen Ozean, der den halben Erdball umspannt, bis zum winzigen Waldfrosch, der im Winter einfriert und im Sommer unbeschadet wieder auftaut und in sein Leben hüpft – Peter Goes zeigt Kindern eine Erde, in der alles seinen Sinn und Platz hat.

Peter Goes: "Flüsse dieser Erde – Eine Reise über Flüsse, Meere und Ozeane"
übersetzt aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann
Beltz & Gelberg, 2018, 78 Seiten, 24,95 Euro
für Kinder ab 8 Jahren

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