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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.10.2015

PegidaStammtisch der Wendeverlierer

Hans Vorländer im Gespräch mit Frank Meyer und Katja Schlesinger

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Mehrere tausend Pegida-Anhänger demonstrieren am 12.10.2015 in Dresden (Sachsen) auf dem Theaterplatz. (dpa / picture-alliance / Bernd Settnik)
Ein Sammelbecken aus Wutbürgern des Ostens und unterschiedlichen rechten Gruppierungen - so sieht der Dresdner Politologe Hans Vorländer die derzeitige Pegida (dpa / picture-alliance / Bernd Settnik)

Ein symbolischer Galgen für Merkel und Gabriel bei der Pegida-Demonstration: Das sei Ausdruck einer "vollkommenen Verrohung der Diskussion", findet der Politikwissenschaftler Hans Vorländer. Zugleich zeige er den Kampf verschiedener rechter Gruppen um die Vorherrschaft auf der Straße.

Auch früher schon herrschte bei Pegida-Demonstration ein rauer Ton. Ein symbolischer Galgen für Politiker allerdings stellt eine bedrohliche Zuspitzung dar, meint der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer.

"Ich glaube nicht, dass sie sich den Tod wirklich wünschen, aber es ist ein Zeichen einer vollkommenen Verrohung der Diskussion und der Demonstrationskultur", sagt er. Dadurch verschwömmen auch die Grenzen "zwischen harter Kritik, die in einer Demokratie immer erlaubt ist, und einer doch klammheimlichen Aufforderung zu Gewalt und Militanz".

Noch seien die Menschen nicht gewaltbereit, so Vorländer. Aber:

"Wer so rhetorisch zündelt, darf sich nachher nicht über den Brand, den er damit initiiert, rhetorisch initiiert, wundern."

Kampf um die Vorherrschaft auf der Straße

Der zunehmend schärfere Ton bei Pegida ist für den Dresdner Politikwissenschaftler auch ein Ausdruck für die zunehmende Konkurrenz rechter und rechtsextremer Gruppen auf der Straße. Diese seien immer bei Pegida mitgelaufen, bisher aber von der Mehrzahl der Demonstranten einigermaßen im Zaum gehalten worden, was angesichts der zugespitzten Situation nicht mehr funktioniere.

"Es tummeln sich NPD-Leute, AfD-Leute, es gibt Kameradschaften, die Neue Rechte, es gibt Widerstand Ost West, das heißt, die versuchen sich wechselseitig zu übertrumpfen in der Schärfe der Attacken. Ich glaube, das macht die Brisanz der Stunde aus, dass es da um einem Kampf um die Vorherrschaft auch auf der Straße geht."

Stammtisch auf der Straße

Dennoch dürfe man nicht verkennen, dass viele der Pegida-Demonstranten "ein bisschen durchgeschüttelt worden sind in den letzten 25 Jahren", sagt Vorländer. 

"Manche leben in sehr prekären Existenzen, die dann auch gleichzeitig vielleicht nicht den Kreis oder ein Milieu gefunden haben, wo sie am Stammtisch ablästern können. Und diese Stammtischfunktion hat Pegida eigentlich seit langem übernommen, und der Stammtisch findet auf der Straße statt."

 

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