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Interview | Beitrag vom 25.06.2020

Peggy Elfmann über ihren Alzheimer-Blog"Oma ist noch da, auch wenn sie nicht mehr spricht"

Moderation: Stefan Karkowsky

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ILLUSTRATION - Eine Frau und ihre Mutter halten am 26.02.2012 in einer Wohnung in Berlin die Haende (gestellte Szene). Foto: Silvia Marks | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa Themendienst / Silvia Marks)
Achterbahn der Gefühle: Nicht nur ein an Alzheimer erkranktes Familienmitglied braucht Zuwendung, sondern auch die Angehörigen. (picture alliance / dpa Themendienst / Silvia Marks)

Die Diagnose Alzheimer ist ein Schock - für die Erkrankten wie für die ganze Familie. Die Journalistin Peggy Elfmann betreibt einen Blog, in dem sie die Krankheit ihrer Mutter emotional verarbeitet.

Alzheimer ist eine dieser Krankheiten, die in Familien einbricht und das Leben radikal verändert. Peggy Elfmann war vollkommen unvorbereitet, als ihre Mutter mit 55 Jahren die Diagnose erhielt. Der Schock für die ganze Familie war groß.

Eine Achterbahn der Gefühle begann, die bis heute – fast neun Jahre danach - andauert. Elfmann ist Journalistin und hat ihre ganz persönlichen Erfahrungen in ihrem Blog "Alzheimer und wir" verarbeitet, der es auf die Nominiertenliste für den Grimme-Online-Award, Kategorie "Wissen und Bildung", geschafft hat.

Emotionaler Austausch im Blog

Zwar gebe es für Angehörige "viele praktische Hilfsangebote", sagt Elfmann: "Aber das emotionale Aufgefangenwerden und der Austausch - dazu habe ich nicht sehr viel gefunden." So kam der Gedanke, für sich und andere Betroffene via Blog eine emotionale Brücke zu bauen.

Die Journalistin mit ihrer Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist. Die beiden stehen in einem Garten auf einer Terrasse. (Peggy Elfmann / privat)Peggy Elfmann mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter: "Sie ist da, sie kann sich freuen, sie kann uns etwas geben." (Peggy Elfmann / privat)

Sie habe mit ihrem Blog ein Netzwerk schaffen wollen, betont Elfmann. Und nach wie vor sei das Niederschreiben ihrer Gefühle auch für sie selbst wichtig. Denn als die Symptome bei ihrer Mutter – anfangs nur milde wahrnehmbar - immer deutlicher wurden, habe sie gemerkt, dass "es mich total belastet. Dass es mich traurig, wütend und verzweifelt macht."

Den Kindern die eigene Trauer zeigen

Durch den Blog habe sie auch gelernt, gegenüber ihren eigenen drei Töchtern offener mit der Krankheit ihrer Mutter umzugehen und sie nicht ausschließlich davor schützen zu wollen. "Mittlerweile zeige ich auch, wenn ich traurig bin oder weinen muss – und mache das auch vor den Kindern. Das belastet sie manchmal vielleicht, aber sie lernen auch den Umgang damit."

Inzwischen könne ihre Mutter nicht mehr sprechen, berichtet Elfmann. Aber ihre drei Töchter merkten: "Auch das ist das Leben. Und die Oma ist noch da, auch wenn sie nicht mehr sprechen kann. Sie ist da, sie kann sich freuen, sie kann uns etwas geben."

(mkn)

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