Dienstag, 27.07.2021
 

Breitband | Beitrag vom 10.11.2018

Panikmache statt AufklärungYouTube stirbt 2019 - doch nicht

Das Logo von Youtube. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Das Logo von Youtube. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Derzeit kursieren im Netz diverse Videos, in denen YouTuber das Aus ihrer Kanäle prognostizieren – und ihre Gefolgschaft zum Widerstand gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform aufrufen. Was ist dran an den Sorgen, worin bestehen die Knackpunkte der Reform – und wie könnte man es besser machen?

Im Frühjahr 2019 werden die EU-Institutionen nach vielen Verhandlungen und Änderungen voraussichtlich endlich ihre EU-Urheberrechtsreform verabschieden. Wie so oft bei Gesetzen, die Einfluss auf das Internet haben, ist es erbittert umstritten. Ziel der Kritik sind vor allem Artikel 11, der sich mit dem Leistungsschutzrecht für Verleger beschäftigt, und Artikel 13, das sich mit der Haftungsfrage bei Urheberrechtsverstößen auseinandersetzt.  

YouTuber machen mobil
Über 3,5 Millionen Menschen haben dazu in den vergangen Tagen ein Video des Kanals "Wissenswert" gesehen, das das Ende von Youtube 2019 prognostiziert. Und auch zahlreiche andere YouTuber posten Videos, in denen sie alarmistisch bis panisch prognostizieren, dass zahllose Kanäle bald gelöscht werden - und sich daher zensiert fühlen und zum Widerstand aufrufen.

Alles dreht sich dabei um einen Brief der YouTube-Chefin Susan Wojcicki vom 22.10., in dem sie vor den Konsequenzen warnt, die Artikel 13 der geplanten EU-Urheberrechtsreform haben könnte. "Artikel 13 in seiner jetzigen Fassung könnte Millionen von Menschen – von Creatorn wie euch bis hin zu alltäglichen Nutzern – daran hindern, Inhalte auf Plattformen wie YouTube hochzuladen", schreibt sie.

YouTube will vor allem eins: Geld verdienen
Ein anderer YouTuber, Mr Wissen2Go, versucht in seinem Video die großen Sorgen zu entkräften - das widerum haben gerade mal knapp 900.000 Menschen gesehen. Er weist darauf hin, dass YouTube anstreben könnte mit den Rechteinhabern Lizenzvereinbarungen zu erzielen. Da YouTube als Wirtschaftskonzern aber vor allem den Profit im Sinn habe, instrumentalisierten sie lieber ihre Millionen YouTuber und Fans, um diese für sich Lobbyarbeit machen zu lassen. Mr Wissen2Go, der im bürgerlichen Leben Mirko Drotschmann heißt und seinen YouTube-Kanal inzwischen für das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk betreibt, ist der Meinung, dass Widerstand gegen das geplante Gesetz richtig ist, aber man müsse trennen zwischen einer Kritik an der Urheberrechtsreform und Unternehmensinteressen von YouTube beziehungsweise Google.

Was stimmt denn nun? Mit dem Wirtschaftswissenschaftler, Urheberrechts-Experten und netzpolitik.org-Autor Leonard Dobusch haben wir darüber gesprochen.

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