Makroökologin Katrin Böhning-Gaese

Die großen Muster der Erde verstehen

Katrin Böhning-Gaese
Unter anderem in Tansania ist Katrin Böhning-Gaese regelmäßig auf Forschungsreise. © Peter Kiefer
Moderation: Katrin Heise · 08.03.2022
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Ein idealer Forschungsplatz für Katrin Böhning-Gaese ist der Kilimandscharo: Hier findet sich Savanne ebenso wie Gletschereis. Aber auch in Deutschland gibt es für die Biologin und Makroökologin viel zu entdecken.
„Wenn eine Berufsgruppe zwischen Beruf und Freizeit nicht unterscheiden kann, dann sind es die Ornithologen“, sagt Katrin Böhning-Gaese. Und das gelte auch für sie persönlich. Ob Spaziergang oder Urlaub, jeder Ausflug diene ihr zur Vogelbeobachtung, das Fernglas ist immer mit dabei.
Ihre Leidenschaft für Vogelkunde teile die studierte Biologin mit viele Menschen. Daher seien Vögel „auch die am besten untersuchte Organismengruppe weltweit“, erklärt Böhning-Gaese.

"In Deutschland einen guten Job machen"

In diesen Märztagen könne man gut den Rotmilan beobachten, denn die Greifvögel kehren gerade aus ihren Winterquartieren zurück. 60 Prozent des Weltbestands komme in Deutschland vor, erzählt die Wissenschaftlerin:
„Das bedeutet, dass wir für diese Art ganz besonders große Verantwortung haben. Wenn wir hier in Deutschland einen guten Job machen und die Art schützen, dann ist die ganze Art auf der Erde schon ein ganzes Stück besser geschützt.“
Wer nach einem idealen Platz sucht, um an einem Ort möglichst unterschiedliche Lebensräume für Vögel zu erkunden, der werde am Kilimandscharo in Tansania fündig, sagt die Direktorin des Senckenberg Biodiversität- und Klima Forschungszentrums (BiK-F). Seit 2010 war sie regelmäßig für Untersuchungen am höchsten Berg Afrikas.

Das ist so, als ob man von den Tropen bis ans Nordkap reisen würde.

Katrin Böhning-Gaese über den Kilimandscharo

Hier finde man die Savanne, Bergregenwälder, zudem intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen.

Rinderherden und Touristen

Das Besondere am Kilimandscharo sei nicht nur die Vielfalt der Lebensräume: „Hier gibt es auch ganz verschiedene menschliche Gruppen. Wir haben zum Beispiel die Massai, die mit ihren Rinderherden dort unterwegs sind. Aber wir haben auch internationale Touristen“, erzählt die Biologin.
Dadurch ließen sich die „Verflechtungen zwischen der Natur und den Menschen besonders gut untersuchen“, und diese seien auch auf andere Regionen dieser Erde übertragbar. Die Forschungen am Kilimandscharo könnten eine Grundlage schaffen, „dass es zu einem nachhaltigen Miteinander zwischen Natur und Menschen kommen kann“, sagt die Ornithologin.
Wenn man sich mit der Arbeit von Katrin Böhning-Gaese beschäftigt, fällt auch immer wieder das Wort Makroökologie. Die Erkundungen auf Tansanias Wahrzeichen haben genau damit zu tun.

Globalisierung der Forschung

„Makroökologie ist, wenn man versucht, die großen Muster über die Erde zu verstehen. Das ist im Prinzip so etwas wie die Globalisierung der Forschung, wo ich von einer Untersuchung auf einer Fläche, wie man das über Jahrzehnte gemacht hat, zu einer Erforschung der ganzen Erde komme.“
Ein Ergebnis ihrer Forschung: Der Bestand der Agrarlandvögel habe in den letzten Jahrzehnten um 30 Prozent abgenommen. Eine dramatische Erkenntnis, findet die Wissenschaftlerin. Zumindest sei heute „angekommen, dass wir etwas dagegen tun müssen“.
Eine ökologische Biolandwirtschaft reiche da nicht, auch die konventionelle müsse sich „ökologischer aufzustellen“. Hoffnung macht Böhning-Gaese derzeit, dass das Landwirtschafts- und das Umweltministerium in der Hand der Grünen liegen.
„Das heißt, es gibt sehr viel mehr Potenzial für positive Veränderungen.“

Mehr Forscherinnen auf Lehrstühlen

2010 wurde Katrin Böhning-Gaese Direktorin des BiK-F. Zuletzt wurde ihr von Bundespräsident Steinmeier der Preis der Bundesstiftung Umwelt überreicht.
Erst mit Mitte 30 habe sie eine feste Stelle erhalten, bis dahin habe sie auf immer neue Stipendien hoffen müssen. In den letzten Jahren, so die Biologin, sei die Situation für Frauen in der Wissenschaft besser geworden. In ihrem Fach liege der Frauenanteil mittlerweile bei 60 bis 70 Prozent.
Allerdings, wenn man sich, ganz unabhängig von den Fachbereichen, auf der Ebene der Professuren umgucke, gerade auch bei den höheren, „da ist noch ganz gewaltig Luft nach oben“, sagt Böhning-Gaese.
(ful)

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