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Konzert / Archiv | Beitrag vom 23.02.2021

Orchestra Sinfonica Nazionale della RAIMichelangelos letzte Lieder

Moderation: Volker Michael

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Die Sopranistin Asmik Grigorian (Algirdas Bakas/EBU/RAI)
Sopranistin Asmik Grigorian sang Strauss' Vier Letzte Lieder mit frischer Energie in Turin (Algirdas Bakas/EBU/RAI)

Asmik Grigorian sang Richard Strauss' Vier Letzte Lieder in Turin, Matthias Goerne ließ Michelangelos Gedichte erklingen. Gergely Madaras leitete das Nationale Sinfonieorchester der RAI in einem Spätromanik-Programm mit Musik von Wolf, Strauss und Fauré.

Von ernsten Themen und letzten Fragen handelte dieses Musikprogramm, das der ungarische Dirigent Gergely Madaras gemeinsam mit dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI ausgearbeitet hatte. Eine Anpassung an die Pandemiebeschränkungen war notwendig, denn die ursprünglich geplante Bartók-Oper "Herzog Blaubarts Burg" mit Asmik Grigorian und Matthias Goerne konnte nicht stattfinden, weil das Orchester nicht auf die Bühne des Toscanini-Auditoriums gepasst hätte.

Die beiden Solisten wurden aber nicht ausgeladen, sondern durften Lieder singen, die ihnen besonders am Herzen liegen, die sie aber in der Form noch nie interpretiert haben. 

Der Dirigent hebt vor Musikern bedeutungsvoll die Arme, um seine Musiker zu animieren. (Piuluce/EBU/RAI)Der Dirigent Gergely Madaras vertrat schon Zubin Mehta kurzfristig am Pult (Piuluce/EBU/RAI)

Matthias Goerne sang die Drei Michelangelo-Gedichte von Hugo Wolf im Wechsel mit Auszügen aus der Suite nach Gedichten von Michelangelo Buonarotti von Dmitrij Schostakowitsch. Italienische Renaissance-Poesie also, komponiert allerdings auf Deutsch und Russisch und transferiert in dunkel-resümierende Spätphasen künstlerischer Existenz während des frühen und späteren 20. Jahrhunderts.


Der  Sänger steht in einem Waldstück und schaut direkt in die Kamera. (RAI/EBU)Der Bariton Matthias Goerne ist ein begnadeter Liedinterpret. (RAI/EBU)

Ausgangspunkt des Programms war die symbolistisch düstere Geschichte von "Pelléas et Melisande". Als erster hat Gabriel Fauré das Drama um einen Brudermord und eine verbotene Liebe von Maurice Maeterlinck in Musik gefasst, Claude Debussy, Arnold Schönberg und Jean Sibelius sollten ihm folgen. Die Handlung: Golo findet die geheimnisvoll schöne Mélisande im Wald, bringt sie auf sein Schloss und heiratet sie. Sie fühlt sich äußerst unwohl und zieht sich an ihr Spinnrad zurück. Nur Golos Bruder Pelléas kann sie mit seiner Liebe umstimmen.

Weich gezeichneter Brudermord

Doch Golo ist eifersüchtig, wen wundert’s. Er bringt seinen Bruder um, auch Mélisande stirbt, nachdem sie noch ein Kind geboren hat, was wohl von Golo stammt. Dirigent Gergely Madaras mag die Art, wie Gabriel Fauré das Drama mit Musik nachgezeichnet hat, besonders. Denn er gönnt den Orchester-Instrumenten charaktervolle Solopassagen und legt Wert auf lyrische warme Farben, trotz der schauerlichen Handlung des Stücks.

Ein musikalisches Testament

Richard Strauss' musikalisches Testament sind seine vier Abschiedslieder von dieser Welt, die ihm 1948 zunehmend fremd und verschlossen erschien. Gergely Madaras zeigt großes Verständnis für die Perspektive des Komponisten, der in seinen letzten Lebensjahren Orientierungsschwierigkeiten hatte. Zugleich wollte er gemeinsam mit dem Orchestra Sinfonica della RAI der Solistin Asmik Grigorian "einen roten Teppich" ausrollen, das heißt ihr eine sichere Basis bieten für die anspruchsvoll-melancholische Reise durch die Welt der Gedichte eines Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff.

Toscanini-Auditorium der RAI, Turin
Aufzeichnung vom 11. Februar 2021

Hugo Wolf
Drei Gedichte von Michelangelo (orchestriert von Wolfgang Fortner)

Dmitrij Schostakowitsch
Suite nach Gedichten von Michelangelo Buonarroti op. 145a (Auszüge)

Gabriel Fauré
Pelléas et Mélisande, Suite op. 80

Richard Strauss
Vier letzte Lieder

Asmik Grigorian, Sopran (Strauss)
Matthias Goerne, Bariton (Wolf/Schostakowitsch)
Nationales Sinfonieorchester der RAI
Leitung: Gergely Madaras

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