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Literatur | Beitrag vom 17.11.2019

Open Mike 2019Höhenflüge der Jungen

Von Mechthild Lanfermann

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Fiona Sironic bei der Preisverleihung. (Mirko Lux)
In diesem Jahr wurden aus 600 Bewerbungen 22 Autorinnen und Autoren ausgewählt. (Mirko Lux)

Der Open Mike gilt als die wichtigste Bühne für den literarischen Nachwuchs. Der diesjährige Wettbewerb fand am zweiten November-Wochenende in Berlin statt. Für viele der Finalisten war es die erste öffentliche Lesung, entsprechend groß die Aufregung.

Die Karrieren von Autorinnen wie Zsuzsa Bánk, Karen Duve oder Terézia Mora haben hier ihren Anfang genommen - der Open Mike gilt als wichtigste Bühne des literarischen Nachwuchses. In diesem Jahr wurden aus 600 Bewerbungen 22 Finalisten ausgewählt. 18 Frauen und vier Männer traten am zweiten Novemberwochenende im Berliner "Heimathafen Neukölln" gegeneinander an. Die Bandbreite der Formen war groß, die der Themen auch. Existentielle Themen wie Tod und Geburt, das Leben auf dem Dorf und die Selbstoptimierung in der Leistungsgesellschaft wurden verhandelt. Auffallend war, dass Beiträge mit politischen, queeren oder migrantischen Perspektiven fehlten.

Nächster Open Mike mit neuem Sponsor und anderem Konzept

Ausgezeichnet wurden, was angesichts des Frauenüberschusses unter den Finalisten kaum verwundert, drei Frauen. Der Hauptpreis ging an Carla Hegerl. Sie hatte die Jury mit unter dem Titel "Bambi" versammelten Gedichten überzeugt. Die Texte stünden für ein ganz neues Genre und hätten alle Mitglieder der Jury geradezu "geflasht", sagte Juror Thomas Meinecke. Auch die anderen beiden Preisträgerinnen, Fiona Sironic und Sina Ahlers, überzeugten mit eher experimentellen Texten. 

Der diesjährige 27. Open Mike ist der letzte, den die Crespo-Stiftung als Hauptsponsor unterstützt. In jedem Falle werde es weiter gehen, sagt der Leiter Thomas Wohlfahrt vom Haus der Poesie, wahrscheinlich mit einem neuen Konzept. Unter anderem sollen die Kategorien Proa und Lyrik aufgelöst werden, da die Einteilung angesichts der formalen Bandbreite der eingereichten Texte überholt wirkt. 

Autorin und Sprecherin: Mechthild Lanfermann
Regie: Klaus-Michael Klingsporn
Redaktion: Jörg Plath 

Das vollständige Manuskript zur Sendung finden Sie hier.

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