Buchmesse nein, Berlinale ja

    Ein trauriges und ein schönes Signal für die Kultur

    07:04 Minuten
    Ein Schild mit der Aufschrift "Kein Eingang / no entrance" steht in der Glashalle des Leipziger Messegeländes.
    Zum dritten Mal in Folge ist die Leipziger Buchmesse wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. © picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild / Sebastian Willnow
    Oliver Reese im Gespräch mit Korbinian Frenzel · 09.02.2022
    Audio herunterladen
    Traurig und auch etwas unverständlich findet der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, die erneute Absage der Leipziger Buchmesse. Die Berlinale mit Publikum stattfinden zu lassen, sei dagegen ein "kühnes Signal".
    Wie schon 2020 und 2021 wird auch in diesem Jahr keine Leipziger Buchmesse stattfinden. Die Veranstalter begründeten ihre Absage am Mittwoch damit, dass sich zu viele Verlage aufgrund der Pandemie gegen eine Teilnahme entschieden hätten.
    "Ein trauriges Signal", kommentiert der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, die Entscheidung, die er auch nicht ganz verstehen könne. "Aber ich habe gelernt, dass die verschiedenen Einrichtungen sehr unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten haben, ein Museum kann man nicht mit einem Theater vergleichen, ein Kino nicht mit einer Messe und einer Buchmesse. Von daher will ich da jetzt nicht über die Leipziger Veranstalter herfallen."

    "Das Publikum jiepert nach Kultur“

    Dass die Berlinale ein ganz anderes Zeichen setzt und trotz Pandemie in diesem Jahr vor Publikum stattfinden wird, begrüßt Reese dagegen:
    „Dass es gerade jetzt ein internationales Festival gibt, absurderweise auf dem Höhepunkt der Omikronwelle, das ist ein kühnes, aber ein schönes Signal.“
    Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, im dunklen Jackett und weißen Hemd während eines Interviews.
    "Das Publikum jiepert nach Kultur": Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensemble, betont die Wichtigkeit von Kulturangeboten auch in der Pandemie.© picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild / Britta Pedersen
    Auch in Coronazeiten gehe Kultur und sei wichtig, unterstreicht der Intendant des BE: "Das Publikum jiepert nach Kultur.“ So sei das Berliner Ensemble im Januar zu 90 Prozent ausgelastet gewesen.
    "Das zeigt doch: Selbst wenn die Menschen FFP2-Masken aufhaben müssen, wenn sie eine Stunde vorher kommen müssen, wenn sie nachweisen müssen, dass sie geboostert sind oder noch einen frischen Test dabei haben müssen – sie kommen. Sie wollen das sehen.“

    "Baut nicht mehr so riesige Bühnenbilder!"

    Trotz aller Einschränkungen hat die Pandemie dem Theater aber auch Weiterentwicklunen ermöglicht, wie Reese unterstreicht: etwa durch eine Ausweitung der Kommunikation mit dem Publikum über digitale Angebote wie das Streamen von Publikumsgesprächen für einen größeren Personenkreis. Auch seien die Schauspieler viel offener dafür geworden, dass Kameras den Probenprozess begleiteten.
    "Und was ich auch ganz super finde: Ich habe viele Regieteams gebeten, werdet leichter, werdet flexibler, baut nicht mehr so riesige Bühenbilder!", sagt der BE-Intendant.
    "Lasst uns Dinge tun, die wir schneller on und off machen können, lasst uns Schließtage vermeiden! Und da haben wirklich alle mitgezogen.“
    (uko)

    Abonnieren Sie unseren Weekender-Newsletter!

    Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche, jeden Freitag direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

    Vielen Dank für Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink zugeschickt.

    Falls Sie keine Bestätigungs-Mail für Ihre Registrierung in Ihrem Posteingang sehen, prüfen Sie bitte Ihren Spam-Ordner.

    Willkommen zurück!

    Sie sind bereits zu diesem Newsletter angemeldet.

    Bitte überprüfen Sie Ihre E-Mail Adresse.
    Bitte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung.
    Mehr zum Thema