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Wortwechsel | Beitrag vom 20.11.2020

Ökonomie in Corona-ZeitenErst Zusammenbruch, dann Neuanfang?

Moderation: Birgit Kolkmann

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Das überegional bekannte Ausflugslokal Strand Perle am Hamburger Hafen ist während des Lockdown Light geschlossen -Das überegional bekannte Ausflugslokal Strand Perle am Hamburger Hafen ist während des Lockdown Light geschlossen -, Hamburg Hamburg Deutschland Elbstrand *** The supra-regionally known restaurant Strand Perle at the Port of Hamburg is closed during the Lockdown Light The supra-regionally known restaurant Strand Perle at the Port of Hamburg is closed during the Lockdown Light , Hamburg Hamburg Deutschland Elbstrand (www.imago-images.de)
Ein Hamburger Ausflugslokal bei schönem Herbstwetter - der Shutdown trifft viele kleine Unternehmen, bei ihnen ist die Substanz in Gefahr und nicht nur einfach eine Saison. (www.imago-images.de)

Am Wochenende beraten die G20-Staaten über neue Formen der Zusammenarbeit im Umgang mit den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Coronapandemie. Welche Instrumente könnten helfen, welche Wege müssen hier neu gefunden werden, um die Folgen zu mildern?

Menschen mit geringem Einkommen, weniger guter Bildung und schwacher sozialer Absicherung sind in der Corona-Krise überall auf der Welt am härtesten von Arbeitslosigkeit, Einkommenseinbußen und Einschränkungen des täglichen Lebens betroffen.

Beim G20-Gipfel am Wochenende, auf EU-Ebene und auch innerhalb Deutschlands wird über neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat und Markt nachgedacht, um die Corona-Krise zu meistern und einer immer tieferen Polarisierung der Gesellschaften entgegenzuwirken.

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"Wir müssen gezielt eingreifen"

Die österreichische Volkswirtin Elisabeth Springler betont im "Wortwechsel" von Deutschlandfunk Kultur, es komme jetzt auf die "richtige Regulierung" der Märkte an: "Der Markt an sich, dem wir ja sehr gerne schon fast menschliche Züge anmuten lassen und als Wesen klassifizieren, hat ja keinen normativen Rahmen an sich, sondern wird von uns und unseren strukturellen Rahmenbedingungen ja nur geprägt. Das heißt, der Markt an sich ist nicht schuld. Wir sehen, dass wir eigentlich gezielt eingreifen müssen, um hier das bestmögliche Ergebnis für uns alle zu schaffen."

Firmen sollen für Risiken selbst haften

Eine gute Regulierung der Märkte müsse auf möglichst einfach Weise Vorteile und Lasten gerecht verteilen, sagt Ökonomin und Philosophin Lisa Herzog. "Gerade im Finanzbereich haben wir gesehen, dass, wenn die Regulierung dann sehr komplex wird, dies oft denjenigen nützt, die die größeren Rechtsabteilungen und die raffinierteren Anwälte nutzen können, um das noch geschickter zu umgehen. Aber das könnte man vielleicht viel besser lösen mit einfacheren Regeln, die aber bestimmte Haftungsfragen anders lösen und die Haftung stärker bei den Firmen selber verantworten, denen nicht erlauben, bestimmte Risiken zu sozialisieren, als wenn man da eine Regel auf die andere schichtet."

"Märkte müssen für alle Menschen funktionieren"

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, diagnostiziert einen "Konflikt zwischen der Wirtschaft, die global funktioniert und Politik, die einfach noch zu häufig national funktioniert". Existierende globale Institutionen wie die Welthandelsorganisation WTO oder auch die G20 seien im Angesicht der hohen Geschwindigkeit des technologischen Wandels "handlungsunfähig".

Fratzscher forderte eine internationale Anstrengung ein, die Rahmenbedingungen zu gestalten, in denen internationale Unternehmen agieren: "Man braucht gemeinsame Spielregeln und multinationale Konzerne müssen nach diesen Regeln spielen. Solange es eben keine gemeinsamen globalen Regeln gibt, schaffen es die multinationalen Konzerne, sich immer das Schlupfloch zu suchen, bei dem sie keine Steuern zahlen, bei dem sie möglichst wenig reguliert werden und in ihrem wirtschaftlichen Interesse alles nutzen, um gut dazustehen. Für mich ist das große Problem, dass die globalen Institutionen so handlungsunfähig sind, dass sie diese multinationalen Märkte und Unternehmen nicht so regulieren können, dass diese Märkte und Unternehmen auch wirklich für alle Menschen funktionieren."

Es diskutieren:
- Prof. Lisa Herzog, Ökonomin und Philosophin an der Universität Groningen
- Prof. Elisabeth Springler, Volkswirtin und Mitglied im österreichischen Fiskalrat
- Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

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