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Im Gespräch | Beitrag vom 09.08.2019

Öko-Unternehmer Christian Kroll"Wir wollen eine Milliarde Bäume pflanzen"

Moderation: Tim Wiese

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Christian Kroll, Gründer der grünen Suchmaschine "Ecosia" sitzt mit Laptop im Freien. (Shane Thomas McMillan)
Videospiele, Aktien, Bäume: die Karriere von Christian Kroll in drei Begriffen. (Shane Thomas McMillan)

Bäume pflanzen durch Surfen im Netz – das geht: Christian Kroll hat die grüne Suchmaschine "Ecosia" gegründet. 80% ihres Gewinns gehen in Baumpflanzaktionen. Über 63 Millionen Setzlinge sind schon ausgebracht. Und es werden jede Sekunde mehr.

Als Christian Kroll das Funkhaus von Deutschlandfunk Kultur betritt, hat seine grüne Suchmaschine Ecosia bereits über 63 Millionen Bäume gepflanzt.

Ecosia generiert Geld durch Werbeeinnahmen, "und diese Werbeeinnahmen geben wir weiter an unsere Baumpflanzprojekte", berichtet Kroll. Mittlerweile, so der Unternehmer, kommt so viel Geld zusammen, "dass wir jede Sekunde einen Baum pflanzen können".

Arbeiter betreiben mit der Hilfe von Ecosia landschaftliche Projekte. (Ecosia GmbH)Von Ecosia unterstütztes Projekt: Jede Sekunde ein Baum. (Ecosia GmbH)

Um einen Setzling zu finanzieren, sind etwa 50 Suchanfragen nötig. Nicht alle Anzeigen, die dabei erscheinen, sind allerdings als umweltfreundlich einzustufen. "Wenn wir nur grüne Sachen zeigen, könnten wir nicht genug Geld verdienen. Aber langfristig ist das unser Ziel", sagt Kroll.

Nicht nur die Werbeanzeigen sollen in Zukunft grüner werden, sondern auch die Suchergebnisse. Unliebsame Ergebnisse ausblenden will er aber nicht. Das wäre dann ja "Ökodiktatur".  

Gewinne in Solaranlagen investieren

Im Internet zu surfen, das kostet Strom und fördert damit auch den CO2-Ausstoß: Ein Vorwurf, mit dem Christian Kroll häufiger konfrontiert wird. Daher legt sein Unternehmen 20 Prozent vom Gewinn in Reserven an, baut dafür zum Beispiel Solaranlagen.

Mit diesem Strom werden dann die Server der Firma gespeist. Eine Stiftung sorgt dafür, dass Kroll das Unternehmen nicht verkaufen und keine Gewinne abzweigen kann. "Es ist ein sich selbst gehörendes Non-Profit-Unternehmen", betont er. Weltweit unterstützt Ecosia inzwischen 23 Baumpflanz-Projekte.

Aktien statt Umweltschutz

Klima- und Umweltschutz musste Kroll als Thema erst für sich entdecken. Für Computerspiele interessierte er sich früher deutlich mehr, und mit 16 entwickelte er eine Leidenschaft für Aktien.

Kroll studiert BWL, spezialisiert sich auf Finanz- und Börsenwesen: "Es war ein lustiges Spiel. Am Anfang habe ich ohne große Bedenken Ölaktien in der Ukraine gekauft." Während des Studiums tut sich dann irgendwann ein Gewissenskonflikt auf. Kroll, so beschreibt er diese Zeit,  entwickelt sich allmählich vom Ökonom zum Öko.

Über 2500 Bäume in einer Stunde

Auf der Such nach "Lebenssinn" reist Kroll nach dem Studium durch die Welt. Die Eindrücke in Nepal oder Südamerika verändern seine Sicht auf die Welt:

Bei der Dokumentation haben Mitarbeiter von Ecosia und Einheimische in Ghana zusammen Spaß. (Ecosia GmbH)Vor Ort in Ghana: Das Paradies nicht gegen die Wüste eintauschen. (Ecosia GmbH)

"Wenn man mit dem Bus stundelang an Sojafeldern vorbeifährt und die Endstation ist dann im Regenwald, dann merkt man: Dieses Paradies haben wir ausgetauscht für diese Wüste, in der es weit und breit keine Vogelstimme gibt. Das waren Einsichten, die habe ich nicht mehr aus meinem Kopf herausbekommen."

Also gründet er 2009 Ecosia. Der 35-Jährige will mit der grünen Suchmaschine eine Milliarde Bäume pflanzen. Das ist noch ein wenig Zukunftsmusik. Aber immerhin: In der Radio-Stunde mit Kroll sind über 2500 Bäume hinzugekommen.

(ful)

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