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Literatur / Archiv | Beitrag vom 08.03.2005

Nur was verwelkt gewährte Lust

Der Dichter Volker Braun und die "ernsten Späße des Daseins"

Vorgestellt von Sigried Wesener

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"Ein Freudenelend/Ist das Leben." - lautet das Fazit einer Existenz, die aufgeladen ist mit Erfahrungen "aus einem rostigen Zeitalter". Diese Lebensbilanz richtet sich an den Enkel, die Zukunft allerdings bleibt ungewiss, "wir wissen nicht wohin wir gehen. - Aus einem kurzen /In ein belangloses Jahrhundert. … der Staat ist Bankrupt und das Land geleast".

"Auf die schönen Possen" heißt der neue Gedichtband von Volker Braun. Nach seinem viel beachteten Prosabuch "Das unbesetzte Gebiet" über die freie erzgebirgische Republik Schwarzenberg, die 1945 für sechs Wochen außerhalb der Weltenaufteilung existierte, überrascht der Dichter in kurzer Folge mit neuen Versen. Lustvoll und unverzagt reiben sich intime Blicke und Erfahrungen an den politischen Verhältnissen.

Braun registriert "Wettererscheinungen zwischen den Schläfen", höhere Naturgewalten und "Schichtwechsel ins Klassenlose", ruft nochmals zum Totentanz mit "Utopie", "Kommunismus", "Ideologie", "Klassenkampf", "Solidarität". Der Dichter feiert "Liebeslager" zwischen "Paradiso" und "Berlin-Mitte" und erinnert an den früh verstorbenen Dichterkollegen Karl Mickel.

1939 wurde Volker Braun in Dresden geboren und gehört zu den hierzulande hoch dekorierten literarischen Häuptern. Die Texte des Autors sind oftmals "unvollendete Geschichten". Titel wie "Die Übergangsgesellschaft", "Langsamer knirschender Morgen", "Die Zickzackbrücke", "Trotzdestonichts oder der Wendehals" oder "Wie es gekommen ist" deuten ständiges Unterwegssein des Dialektikers und Zweiflers an.

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