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Interview | Beitrag vom 16.09.2019

Nur fünf Stunden täglich arbeitenDas reicht!

Lasse Rheingans im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Ein Schild mit der Aufschrift "Sorry, we're closed" hängt an einer Ladentür. (Eyeem / Chokniti Khongchum)
Das Geschlossen-Schild an der Ladentür bedeutet: Mehr Freizeit für die Mitarbeiter. (Eyeem / Chokniti Khongchum)

Der Bielefelder IT-Unternehmer Lasse Rheingans hat für seine Mitarbeiter die 25-Stunden-Woche eingeführt. Täglich fünf Stunden arbeiten, um 13 Uhr nach Hause, bei vollem Lohnausgleich: Warum das funktioniert, erklärt Rheingans im Interview.

Feste Arbeitszeiten sind von gestern. In der modernen, digitalen Arbeitswelt kommen und gehen die Mitarbeiter, wie es ihnen passt - Hauptsache, die Arbeit wird erledigt. Und die vielen Freiberufler arbeiten sowieso, wann, wie und wo sie wollen. 

Der Bielefelder IT-Unternehmer Lasse Rheingans hat sich für seine 16 Mitarbeiter ein weiteres Modell ausgedacht. Es ist ein bisschen starrer, denn es beinhaltet wieder feste Arbeitszeiten - allerdings nur von acht bis 13 Uhr. 

Wie Rheingans auf den Fünf-Stunden-Tag kam, ist schnell erklärt. "Alles über fünf Stunden erfordert eine Pause", sagt er. Und: "Vier fühlte sich zu wenig an."

Eine Studie habe gezeigt, dass Teilzeitkräfte fast genau so viel leisteten wie Vollzeitkräfte. Eine andere Untersuchung kam laut Rheingans zu dem Schluss, dass die produktive Nettoarbeitszeit bei einem Acht-Stunden-Tag nur bei 2,5 bis 3 Stunden liegt.

Fünf Stunden konzentrierte Arbeit

Mit der Einführung des Fünf-Stunden-Tages habe er seinen Mitarbeitern gezeigt, dass er ihnen vertraue, betont Rheingans. Es wirke sich ohnehin negativ auf Arbeitsergebnisse aus, wenn man ständig am Rand der eigenen Kräfte arbeite.

Kern des Modells ist, dass tatsächlich fünf Stunden konzentriert gearbeitet wird. Keine Pausen, und auch der Plausch an der Kaffeemaschine ist nicht mehr vorgesehen.

Wobei Rheingans auch gegen kleine Pausen im Grunde gar nichts hat. Raucherpausen zum Beispiel fände er nicht so schlimm, sagt er. Denn wenn die Entwickler in seiner Digitalagentur bei einem Problem nicht weiterkämen, gingen sie halt eine rauchen - und kämen dann in der Regel mit der Lösung wieder.

(ahe)

Lasse Rheingans: Die 5-Stunden-Revolution. Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken
Campus Verlag, Frankfurt / Main 2019
224 Seiten, 24,95 Euro

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