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Fazit | Beitrag vom 02.06.2021

Norbert Biskys "Disinfotainment" in LeipzigDoomscrolling auf Leinwand

Norbert Bisky im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

"Trollfarmer" von Norbert Bisky. (Bernd Borchardt / G2 Kunsthalle Leipzig)
Bedrohlich, aber beschreibenswert: "Trollfarmer" von Norbert Bisky (Bernd Borchardt / G2 Kunsthalle Leipzig)

In seiner ersten Soloausstellung in Leipzig beschäftigt sich Norbert Bisky mit Daten und ihrer Verarbeitung. Der Blick reicht dabei von der DDR bis zu Social Media, vom „Doomscrolling“ bis zur Verschwörungstheorie.

"Disinfotainment" heißt die aktuelle Ausstellung von Norbert Bisky in Leipzig. Sie widmet sich dem weiten Feld der Daten und ihrer Verarbeitung.

Symbolträchtig ist das Gebäude, in dem sich die Werke des 50-Jährigen befinden: Gebaut zwischen 1986 und 1989 als VEB (volkseigener Betrieb) Datenverarbeitungszentrum, sollten dort Daten überwachter DDR-Bürger zusammengeführt werden. Der Fall der Mauer vereitelte diese Pläne.

Heute geben alle ihre Daten freiwillig her

"Das Interessante finde ich, dass wir jetzt in einer Zeit leben, wo alle Leute freiwillig sehr viele Daten über sich hergeben und Informationen rausrücken, und die Datenkraken gigantisch sind. Jetzt sind es Unternehmen und deren Algorithmen, die unser Leben bis ins Kleinste ausrechnen", sagt Norbert Bisky. Er habe schon viele Phasen des Datensammelns miterlebt: "Ich finde das krass, was da gerade passiert."

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Gerade in den letzten Monaten hätten wir die Wirklichkeit nur noch über Computermonitore vermittelt bekommen, sagt Bisky. Da könne es dann leicht zum Phänomen des "Doomscrolling" kommen: Eine schlechte Nachricht nach der anderen läuft ein, und ob alle wahr sind oder nicht, lässt sich bei der schnellen Taktung kaum entscheiden. "Wir werden im Sekundentakt mit Informationen gefüttert", sagt Bisky.

"Unsere Wahrnehmung ist verändert, aber auch Ereignisse. Wenn sich eine Gruppe von Leuten in Chatrooms und Internetforen verabreden und den realen Lauf der Welt verändern. Weil sie irgendeine wirre Verschwörungstheorie in die Runde schießen, und sich dann Leute vor einem Restaurant zusammen tun und den Besitzer rausprügeln".

Porträt des Künstlers Norbert Bisky. (Olaf Heine)Norbert Bisky kehrt für seine erste Soloausstellung in seine Geburtsstadt Leipzig zurück. (Olaf Heine)

Diese Vorgänge stünden für unsere Zeit, sagt Bisky. Sie seien zwar bedrohlich, aber auch beschreibenswert. "Ich finde das alles groß genug, um es in meiner Arbeit zu thematisieren."

Die erste Soloausstellung in Leipzig ist auch eine Heimkehr für Norbert Bisky: Er wurde in der Stadt geboren und verbrachte dort seine ersten zehn Lebensjahre. "Das ist etwas Besonderes, weil ich viele Erinnerungen an meine Kinderjahre in Leipzig habe", sagt Bisky. Die Stadt habe sich sehr verändert, findet er: "Es ist eine wirklich tolle, wunderschöne, sehr lebendige Stadt geworden."

(beb)

Norbert Bisky
"Disinfotainment"
G2 Kunsthalle, Leipzig
4. Juni – 26. September 2021

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