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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.10.2020

Nina Šenks neue Oper "Marpurgi" am Slowenischen NationaltheaterVergessene jüdische Geschichte in Musik

Moderation: Ulrike Klobes

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Auf einer rot erleuchteten Bühne steht ein Chor in historischer Kleidung im Halbrund um einen einzelnen Protagonisten. (SNG Maribor / Tiberiu Marta)
Die Vertreibung jüdischer Bewohner thematisiert Nina Šenks Oper "Marpurgi". (SNG Maribor / Tiberiu Marta)

Nina Šenk möchte mit ihrer neuen Oper „Marpurgi“ die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der slowenischen Stadt Maribor zum Klingen bringen. Zwei Gestalten, Doktor Hannes und Mathias, erleben den Niedergang ihrer Gemeinschaft in Zeiten der Inquisition.

Am 2. Oktober fand in Maribor die Uraufführung der neuen Oper von Nina Šenk statt. De Librettist und Regisseur der Uraufführung Igor Pison setzt damit einen gleichnamigen Roman von Zlata Vokač Medic für die Bühne um.

Geschichtsschreibung durch Tagebucheinträge

Der Roman ist als eine Folge von Tagebucheinträgen zweier Personen geschrieben: Doktor Hannes und Mathias, beide agieren im Prinzip wie Don Quijote und sein Knappe Sancho Panza. Sie haben oft gegensätzliche Vorstellungen von denselben Ereignissen.

Ulrike Klobes im Gespräch mit Librettisten und Regisseur Igor Pison:

Die Reflexionen der Figuren über Alltagsphänomene skizzieren nach und nach die Geschichte einer fast vergessenen jüdischen Gemeinde in Marburg an der Drau/Maribor. Bis ins späte 15. Jahrhundert stellte sie ein Fünftel der Gesamtbevölkerung der Stadt. Aufgrund eines Dekrets von Kaiser Maximilian mussten die Juden die Stadt schließlich verlassen.

Zwei Sichtweisen - eine Geschichte

Die Handlung zeigt zwei Hauptpersonen: Mathias und Hannes. Ersterer ist ein bis zu diesem Zeitpunkt erfolgloser Sänger, der auf seinen erfolgreichen Konkurrenten Jani eifersüchtig ist. Mathias denunziert Jani, dieser stirbt in der Folterkammer.

Hannes ist Arzt und verliebt sich in Miriam, die ein jüdisches Mädchen namens Šarika versteckt. Auch diese Heldentat wird aufgedeckt - Miriam wird ebenfalls aus der Stadt verbannt. Die Oper endet trotz allem mit einem optimistischen Chor.

Eine Frau in rotem Kleid und langen, blonden Haaren umarmt knieend ein Kind, das wiederum eine Puppe festhält. (SNG Maribor / Tiberiu Marta)Miriam (Sabina Cvilak, Sopran) hat sich eines jüdischen Kindes angenommen. (SNG Maribor / Tiberiu Marta)

Eigentlich ist die Handlung ein Torso und beschreibt nur einen Teil des Romans, ein zweiter Teil soll erst in den nächsten Jahren folgen.

Zur Komponistin

Nina Šenk, geboren 1982, schloss ihr Kompositionsstudium an der Musikakademie in Ljubljana bei Prof. Pavel Mihelčič ab, setzte dann ihr Postgraduiertenstudium der Komposition in Dresden unter der Mentorschaft von Prof. Lothar Voigtländer fort und erhielt 2008 ihren Magisterabschluss in der Klasse von Prof. Matthias Pintscher an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in München.

Ulrike Klobes im Gespräch mit der Komponistin Nina Šenk:

Live aus dem Slowenischen Nationaltheater Maribor

Nina Šenk
"Marpurgi" – Oper nach Zlata Vokačs gleichnamigem Roman mit einem Libretto von Igor Pison

Sabina Cvilak, Sopran
Jaki Jurgec, Bariton
Martin Sušnik, Tenor
Bogdan Stopar, Tenor
Sebastijan Čelofiga, Bariton
Irena Petkova, Mezzosopran

Chor und Symphonieorchester des Nationaltheaters Maribor
Leitung: Simon Krečič

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