Seit 01:05 Uhr Tonart
Dienstag, 26.01.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 04.12.2015

"Nie mehr Krieg" von Xavier Naidoo"Das ist unglaublich schwachsinnig"

Tobias Rapp im Gespräch mit Christine Watty

Podcast abonnieren
Xavier Naidoo und die Band "Söhne Mannheims" treten am 10. Juli 2015 in Mannheim auf. (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
Sorgt zurzeit für viel Wirbel auf und abseits der Bühne: Xavier Naidoo. (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

"Muslime tragen den neuen Judenstern", singt Xavier Naidoo im neuen Söhne Mannheims-Song. Innerhalb weniger Stunden haben ihn etwa 1500 Facebook-Nutzer kommentiert. Musikjournalist Tobias Rapp erklärt, wieso die Reaktionen so heftig sind.

Als die Mitglieder des Bundestages begannen, über den Syrien-Einsatz der Bundeswehr zu diskutieren, stritten die Nutzer von Facebook bereits über einen Song zu dem Thema. Es kommt vom Provokatuer und Popsänger Xavier Naidoo und heißt "Nie mehr Krieg".

Bereits am Donnerstagabend hatte der Publizist Jürgen Todenhöfer das Lied auf seiner Facebook-Seite gepostet. Bis zum Freitagmittag wurde der Beitrag mehr als zwei Millionen Mal angeklickt.

In dem Refrain des Anti-Kriegs-Songs singt Naidoo: "Nie mehr Krieg. Wenn wir das nicht sagen dürfen, dann läuft doch etwas schief." Außerdem singt er in der Strophe betont soft, dafür um so brisanter vom Wortlaut: "Muslime tragen den neuen Judenstern, alles Terroristen, wir haben sie nicht mehr gern."

Der Musikjournalist Tobias Rapp, mit dem wir über das Lied gesprochen haben, hält diese Zeilen für "unglaublich schwachsinnig". "Ich sehe keine Todeslager, in die Muslime geschickt werden. Ganz im Gegenteil: Deutschland hat gerade mehrere hunderttausend Menschen aufgenommen, die meisten davon muslimischen Glaubens." Naidoo bediene mit dem Lied eine ganze Reihe von Ressentiments, sagte Rapp, er wärme "klassisches Friedensbewegungsvokabular" auf und zeige sich in der Pose des Tabubrechers. Interessant sei jedoch die insgesamt pro-muslimische Haltung des Liedes - denn die sei so gar nicht kompatibel mit dem üblichen Gedankengut von Gruppen wie Pegida.

50.000 Mal in wenigen Stunden geteilt

Die Reaktionen auf Todenhöfers Facebook-Posting sind heftig. Innerhalb von drei Stunden gab es fast 1500 Kommentare, fast 50.000 Mal wurde es geteilt. Auf den Seiten von Naidoo und den Söhnen Mannheims sieht es ähnlich aus.

Der Ärger um Naidoo ist nicht neu, erst vor wenigen Tagen hatte der NDR ihn zuerst als einzigen deutschen Kandidaten für den Eurovision Contest 2016 in Schweden aufgeboten und dann nach Protesten seine Nominierung zurückgezogen.

Warum schafft es, Xavier Naidoo immer wieder so zu provozieren? Handelt es sich bei dem neuen Song um populistischen Unsinn oder gekonnte politische Provokation?

Darüber reden wir um 14:07 Uhr im "Kompressor" mit dem "Spiegel"-Journalisten Tobias Rapp. 

 

Mehr zum Thema:

Konferenz: Formate des Politischen - Warum Medienschelte gar nicht schlecht ist
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 26.11.2015)

ESC ohne Xavier Naidoo - "Wir wussten, dass er polarisieren würde"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 21.11.2015)


(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 21.11.2015)

Auswahl von Xavier Naidoo - Thomas Schreiber verteidigt ESC-Entscheidung
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 20.11.2015)

Fazit

Hype um ClubhouseDer Partytalk, der keiner ist
Das Logo der neuen Social-Media-App "Clubhouse" auf dem Display eines iPhones. (William Krause / Unsplash)

Der Hype um die Audio-Plattform Clubhouse könnte größer kaum sein. Wer es schließlich rein schafft, fühlt sich wie auf einer großen Party und plaudert ungezwungen drauf los. Aber jeder kann zuhören, warnt Journalist Richard Gutjahr.Mehr

Neues Haus der KunstZurück in die Zukunft
Heiner, Céline und Sohn Aeneas Bastian vor dem früheren Haus Bastian in Berlin-Mitte. (picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Bis 2019 betrieb die Sammlerfamilie Bastian im Herzen von Berlin eine Galerie. Dann brach sie ihre Zelte ab und ging nach London. Nun soll im Süden der Hauptstadt ein neues Museum entstehen – entworfen von dem britischen Stararchitekten John Pawson.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur