Nibelungen modern

Nibelungen-Festspiele: Joachim Krol als König Gunther, Wiebke Puls als Brunhilde, Maria Schrader als Kriemhild, Sebastian Hufschmidt als Gerenot und Goetz Schubert als Siegfried (v.l.) © AP
Nach einem Gespräch mit Karin Baier · 12.08.2005
In Worms finden zum vierten Mal die <papaya:link href="http://www.nibelungenfestspiele.de/" text="Nibelungen-Festspiele" title="Nibelungen-Festspiele" target="_blank" /> statt. Das packende Schauspiel um Liebe, Politik und Rache wird vor der geschichtsträchtigen Kulisse des Wormser Kaiserdoms gezeigt. Das Moderne des Stückes sei das Gewaltpotenzial, das sich aus politischen Fehlentscheidungen entwickele, sagte Regisseurin Karin Baier gegenüber Deutschlandradio Kultur.
Die Saga nach einer Textfassung von Friedrich Hebbel wird von Karin Baier mit Schauspielern wie Maria Schrader als Kriemhild, Wiebke Puls als Brunhilde, Joachim Krol als König Gunther und Goetz Schubert als Siegfried inszeniert.

Über das Who's who der Nibelungen lesen Sie die kurze Einführung Nibelungen – Was? Siegfried – Wer?.

Fazit sprach im Vorfeld der Premiere am heutigen Abend mit der Regisseurin Karin Baier. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Gespräch.

Fazit: Gibt es für Sie eine Lieblingsfigur?

Karin Baier: Brunhild und Kriemhild würde ich sagen. Es sind die beiden Figuren, denen eigentlich das größte Unrecht widerfährt. Das, was da mit Brunhild gemacht wird, dieser Raub ihrer magischen Kräfte, die Zerstörung ihrer Identität, ihrer Kultur - so könnte man das, wenn man es etwas weiter fasst, lesen - das ist die eine Sache. Die andere Sache, dass das Ganze über einen Betrug passiert ist. Und später die Geschichte mit Kriemhild, wo die Geschichte der einen Frau auf die andere überwechselt, dass mit dem politischen Mord an Siegfried ein offensichtliches Unrecht geschieht. Sie steht ohnmächtig vor dieser Tat, von der alle wissen, und kann sich nicht wehren. Sie schreit nicht nach Rache, sondern fordert ihr Recht - sie will Gericht halten über Hagen von Tronje. Das wird ihr verweigert.

Fazit: Die Nibelungen von Friedrich Hebbel dauern im Original zehn Stunden, bei Ihnen drei. Was ist das Aktuelle an dem Stoff?

Karin Baier: Das Stück ist ein hochgradig modernes Stück, weil es den Weg in den Untergang nicht als einen unausweichlichen erzählt, sondern als Resultat einer Fülle von politischen Fehlentscheidungen. Es ist keine Schicksalstragödie. Wir zeigen im Prinzip die aggressive Politik, die Gegengewalt provoziert. Das ist das Zentrale und auch Moderne des Stückes: Wie kommt es zu diesem Gewaltpotenzial, man könnte auch sagen terroristischen Gewaltpotenzial, das Kriemhild entfesselt und das zu diesem entsetzlichen Rachefeldzug führt.

Sie können das vollständige Gespräch in der rechten Spalte als Audio hören.

Service:

Die Nibelungen-Festspiele finden in Worms vom 12. bis 27. August 2005 statt.
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