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Kompressor | Beitrag vom 12.05.2021

New York fördert die KunstszeneWie zu Zeiten des New Deal

Elke Buhr im Gespräch mit Massimo Maio

Die Künstlerin Georgette Seabrooke arbeitet in den 1930er-Jahren in einem Kranken in Harlem an einem Wandgemälde. (picture-alliance / dpa / akg-images)
Auch die Künstlerin Georgette Seabrooke, die hier an einem Wandgemälde in Harlem in New York arbeitet, wurde im Zuge des New Deals gefördert. (picture-alliance / dpa / akg-images)

In den 1930er-Jahre wurden in den USA im Rahmen des New Deals Künstler und Künstlerinnen wie Jackson Pollock oder Lee Krasner gefördert. In New York greift man diesen Ansatz nun wieder auf – eine gute Idee, findet die Journalistin Elke Buhr.

Künstlerinnen und Künstler brauchen Geld, und zwar dringend – nach mehr als einem Jahr Pandemie. In New York hat Bürgermeister Bill de Blasio kürzlich verkündet, er will 25 Millionen Dollar ausgeben, um Kunstschaffende zu beauftragen, Kunst im und für den öffentlichen Raum zu schaffen. Das erinnert an die 1930er-Jahre in den USA.

Im Rahmen des New Deals unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt wurden damals nach der Wirtschaftskrise auch Millionen für Künstler ausgegeben, um sie zu fördern und um gute neue Kunst entstehen zu lassen. Wir haben mit der Chefredakteurin des Kunstmagazins "Monopol" Elke Buhr darüber gesprochen.

New York schlägt "mehrere Fliegen mit einer Klappe"

Das sei ein "Superkonzept" für die Stadt, sagt Elke Buhr, weil New York damit "mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt". Nach der Pandemie, in der auch viele Geschäfte schließen mussten, würde das die Stadt beleben und sie werde wieder attraktiver. So sollen nicht nur Skulpturen gezeigt werden, sondern es seien auch Pop-up-Aktionen und Performances geplant.

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Zwei Drittel der Menschen, die im künstlerischen Bereich gearbeitet haben, hätten im letzten Jahr wegen der Pandemie ihre Jobs verloren, sagt Buhr, und die seien jetzt sicher froh, wenn sie wieder einen Job hätten. Allerdings hätten nur 1500 Menschen eine Chance, an dem Programm zu partizipieren. Das sei nur ein geringer Prozentsatz der in New York lebenden Künstler und Künstlerinnen, gibt Elke Buhr zu bedenken, aber "immerhin".

Damals auch Stipendien für Jackson Pollock und Lee Krasner

Das damalige "Federal Art Project" (FAP) in den 1930er-Jahren sei bis heute eine "mythische Idee", so Buhr. Davor und danach habe der Staat in den USA nie wieder so viel Geld in die Kunst investiert. Zehntausende Menschen seien damals über Jahre mit einem kleinen Gehalt wöchentlich gefördert worden.

So hätten auch abstrakt malende Künstler und Künstlerinnen wie Jackson Pollock, Mark Rothko und Leonore "Lee" Krasner ein Stipendium bekommen und hätten davon leben können, als ihre Kunst noch nicht gekauft worden sei, erläutert Buhr.

Es sei damals aber nicht nur um die Förderung der Kunst gegangen, sondern man wollte auch etwas für die Gesellschaft tun. In Kunstzentren hätten Künstler und Künstlerinnen auch Lehraufträge gehabt und sie hätten etwas für die Stadtteile geleistet. "Das ist bis heute ein Mythos."

Ein Vorbild für Deutschland?

Im Vergleich zu den USA werde die Kunst in Deutschland bereits an vielen Stellen gefördert, so Buhr. Galerien würden unterstützt und es gebe Stipendienprogramme. In den USA habe das Programm damals auch deshalb solch eine "Durchschlagskraft" gehabt, weil das Programm als Teil des landesweiten New Deals sehr sichtbar war.

(jde)

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