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Fazit | Beitrag vom 22.08.2021

Neues TV-Programm "Bild""So professionell wie Schülerfernsehen"

Matthias Dell im Gespräch mit Johannes Nichelmann

Julian Reichelt, Chefredakteur von "Bild", steht im Studio des neuen TV-Senders des Axel-Springer-Verlags, der erstmals am 22. August auf Sendung gegangen ist. (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen)
Chefredakteur Julian Reichelt steht im Studio des neuen TV-Senders "Bild", in dem Schlagzeilen provoziert werden sollen. (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen)

Am Sonntag ist der Axel-Springer-Verlag mit seinem neuen Fernsehsender "Bild" gestartet. Doch das Programm sei inhaltsleer, schlecht produziert und langweilig, findet Fernsehkritiker Matthias Dell. So werde es die TV-Landschaft nicht verändern.

Mit großem PR-Aufwand ist der neue Fernsehsender "Bild" des Axel-Springer-Verlags der gleichnamigen Zeitung am Sonntag gestartet – wenn auch etwas verspätet. Die erste Sendung, "Die Lage der Liga", moderierte "Bild"-Sportexperte Walter M. Straten.

Natürlich müsse das Boulevardblatt mit dem Sport beginnen, "wie es sich für Bild gehört", sagte Straten, versprach sich daraufhin und bezeichnete den ehemaligen Astronauten falsch: "Wir sind sozusagen der Niels Armstrong von 'Bild' im Fernsehen." Solche "Startschwierigkeiten" und "Versprecher" gehörten dazu, sagt Fernsehkritiker Matthias Dell.

Langatmig und inhaltsleer

Dell sei nicht ganz klar, was "das sehr dünne Bildformat" sei. Es habe wenig sehenswerten Inhalt gegeben. Zu Beginn habe der Fernsehsender drei Stunden Sport kommentiert und analysiert, das dann wiederholt worden sei.

"Eine Volontärin vor das Hamburger Volksparkstadion hinzustellen, 90 Minuten, bevor ein Zweitliga-Spiel beginnt, die dann irgendeinen Text aufsagt und damit Zeit füllt, das ist einfach kein Fernsehen."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Wenn das Boulevardblatt in der Sportrubrik auf 30 Zeilen "Politik und Stimmung" mache, habe das seinen Sinn, in einer einstündigen Sendung sei das jedoch sehr zäh. Es brauche mehr Aufwand und Beiträge.

Danach habe das Programm "abgehangene Dokumentationen" gezeigt, die schon bei einem anderen Springer-Sender gelaufen seien.

Grüne Kanzlerkandidatin nicht eingeladen

Abends interviewten Kriegsreporter Paul Ronzheimer und Politikchef Kai Weise jeweils die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Schon am Morgen hatte die Zeitung online und am Kiosk Werbung für den Abend gemacht: "SPD holt die Union ein: 22:22!" Die grüne Spitzenkandidatin Annalena Baerbock sei nicht eingeladen worden, weil sie wenig Chancen auf das Kanzleramt habe, hieß es zuvor.

In den Gesprächen hätten die Teilnehmer manchmal interessante Punkte berührt. Aber die Gesprächsführung von Ronzheimer und Weise habe das wieder zunichtegemacht, meint Dell. Die beiden wären lediglich darauf bedacht, ihre Interviewpartner zu provozieren.

"Man sieht eigentlich einem Making-of zu, wie eine Schlagzeile produziert werden soll, die dann heute abend oder morgen früh eben auf der Website und der Zeitung steht." Das habe das Gespräch sehr mühsam gemacht.

Wie "blöd" die Fragen gewesen seien, habe der lockere Teil des Gesprächs auch gezeigt, in dem zum Beispiel Laschet gefragt wurde, ob er lieber Currywurst oder Bulette esse. Dementsprechend passend ist auch der Untertitel des "Bild"-TVs: "Der erste Fernsehsender, der live Schlagzeilen macht." 

"Kein Sinn für Bild"

Dell könne sich deswegen schwer vorstellen, dass "Bild" in der derzeitigen Anmutung die deutsche Fernsehlandschaft verändern werde. "Es funktioniert gerade als Fütterung für Website und Zeitung." Es würden möglichst pointierte und absurde Fragen gestellt, deren Antworten dann wieder skandalisiert würden.

Außerdem sehe noch alles sehr viel selbstgemacht aus: "Da hat man immer die Heizung und die Plastikfenster in diesem schmucklosen Büro", sagt Dell. "Es sind merkwürdige Bilder, die man vom Fernsehen her nie so denken würde." Diese Professionalität erinnere an "Schülerfernsehen oder offener Kanal".

(sbd)

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