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Lesart | Beitrag vom 09.11.2018

Neuer Lucky-Luke-Comic: "Ein Cowboy in Paris"Ein Held mit menschlichen Schwächen

Von Elmar Krämer

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Der Lucky Luke Zeichner Achdé vor einem Plakat mit Lucky Luke. (picture alliance / dpa / Susannah V. Vergau)
Der Lucky Luke Zeichner Achdé. (picture alliance / dpa / Susannah V. Vergau)

Im 97. Comic-Band lässt Lucky Luke den Prärieboden hinter sich und betritt ungewohntes Terrain. Zeichner Achdè und Texter Jul haben ihr neues Werk in Berlin vorgestellt und verraten, wie die Idee zu dem neuen Abenteuer entstand.

Es ist lauer Novemberabend am Kurfürstendamm in Berlin, als rund 150 Comic-Fans erwartungsvoll im großen Saal des Institut français Platz nehmen. Der Egmont Ehapa Verlag hatte geladen, um den neuen Lucky Luke "Ein Cowboy in Paris" in Anwesenheit der Comickünstler Achdè und Jul zu präsentieren. Kinder in Cowboy-Montur, größtenteils aber Erwachsene mit leuchtenden Augen sind gekommen, um Neues von Lucky Luke zu erfahren.

Kind: "Also er ist ein Cowboy und reist durch die Welt und das finde ich besonders."

Erwachsener: "Das Besondere an Lucky Luke ist, dass es eine Comic-Figur ist, die sich über Jahre gehalten hat und nie alt geworden ist."

Kind: "Mich interessiert es einfach, ich finde es lustig."

Erwachsener: "Der große Reiz: Dass es immer noch die gleichen Figuren sind und immer neue Geschichten erfunden werden."

Lucky Luke in Europa

"Ein Cowboy in Paris" heißt der aktuelle Band. Hier schafft es der Mann, der schneller zieht als sein Schatten, nun über den großen Teich nach Europa. Ungewohntes Terrain für Lucky Luke und auch für Achdé und Jul aus deren Feder die Geschichte stammt. Es war ein historisches Foto, das den Anstoß für das Thema gab, erinnert sich Texter Jul:

"Das war ein Foto der Hand der Freiheitsstatue mit der Flamme in der Hand, die alleine auf Reisen durch Amerika war, in Begleitung von Bartholdi, dem Bildhauer und da hat Jul nach einigen Recherchen festgestellt, dass es eine verrückte Geschichte um die Freiheitsstatue gab, die man auch gut zu einem Abenteuer verarbeiten kann."

Zu einem Abenteuer, das den Cowboy, der es gewohnt ist auf staubigem Prärieboden zu schlafen, nun auch in ein Hotelzimmer führt, in dem er, als ihm das Bad und das Bidet gezeigt wird, als erstes fragt, warum es dort eine Tränke gäbe - Feinheiten, die es gewohnt amüsant machen, den neuen Lucky Luke zu lesen.

Ein Cowboy, der seekrank wird

Als der Cowboy im Gefängnis einer Leibesvisitation unterzogen wird, schämt er sich für seine Löcher in den Socken und wird darauf hingewiesen, dass sein Ausweisfoto alt sein müsse, er habe da eine Zigarette im Mund. Unzählbar sind die Verweise und Zitate auch auf aktuelle politische Begebenheiten. So geht es auch um den Schutz der Freiheit durch eine Mauer und vieles mehr. Besonders sympathisch: Die Momente in denen der strahlende Westernheld zum Normalbürger wird.

"Das ist sehr wichtig, das der Held, das Lucky Luke eine menschliche Dimension erhält. Das ist heutzutage wichtig. Heute macht man auch andere Westernfilme als früher, heutzutage haben die Westernhelden auch kleine Schwächen. Sie sind keine perfekten Leute mehr und dem muss man Rechnung tragen. Also wenn Lucky Luke über den Atlantik fährt, dann wird er seekrank und muss sich übergeben, aber das ist ganz wichtig, dass auch so eine Figur, wie Lucky Luke mit so menschlichen Schwächen gezeigt wird, um realistisch zu werden und für den Leser heute greifbar.

Hervorragende Comic-Unterhaltung

Ein menschelnder Cowboy, Anspielungen auf das politische Zeitgeschehen und das Spannungsgefüge zwischen Sicherheit und Freiheit, Zitate anderer Comic-Klassiker, wie Asterix und Tim und Struppi, detailreiche Zeichnungen und eine Geschichte, die buchstäblich fesselnd ist, machen den neuen Lucky Luke zu hervorragender Comic-Unterhaltung.

Nach einer Podiumsdiskussion, Live-Zeichnerei, Fragen aus dem Publikum und einer Signierstunde sind die Fans begeistert und reiten mit dem neuen Lucky-Luke-Album in den Händen, nicht dem Sonnenuntergang, aber einer herbstkompatiblen Auszeit auf dem Sofa entgegen.

Besucher: "Also es war unglaublich toll und sehr inspirierend, weil es unglaublich kreative Menschen sind, die hier in diesem Raum versammelt sind und das ist auch so eine Befreiung für einen selbst, weil es ja um das Thema Freiheit geht, auch selber kreativ zu werden."

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(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 14.11.2016)

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