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Kompressor | Beitrag vom 18.11.2019

Neue Serie "Godfather of Harlem"Ein schwarzer Pate

Marcus Stiglegger im Gespräch mit Shanli Anwar

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Die Filmszene zeigt Forest Whitaker als Bumpy Johnson in der Serie "Godfather of Harlem". (picture alliance / Epix / AP Photo / David Lee)
Forest Whitaker spielt Bumpy Johnson in "Godfather of Harlem" als eine Figur, die man gleichzeitig lieben und hassen müsse, sagt Marcus Stiglegger. (picture alliance / Epix / AP Photo / David Lee)

Die Serie "Godfather of Harlem" erzählt vom dem schwarzen Gangsterboss "Bumpy" Johnson. Erstmals wird hier diese historische Figur auch differenziert gezeichnet. Vom experimentell-radikalen "Black Cinema" Spike Lees unterscheidet sich die Serie aber deutlich.

Er war schwarz und ein New Yorker Gangsterboss, sozusagen ein afroamerikanischer "Pate": Ellsworth "Bumpy" Johnson. Die Serie "Godfather of Harlem", in Deutschland auf dem Streamingdienst Magenta TV zu sehen, erzählt von Johnsons Kampf um die Vorherrschaft in Harlem. Als der Verbrecher in den frühen 1960er Jahren aus dem Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz freikommt, kontrolliert die italienische Mafia das Viertel. Um die Mafiosi zu besiegen, verbündet sich Bumpy mit dem radikalen Prediger und schwarzen Bürgerrechtler "Malcolm X".

Historisch gesehen sei die Figur des Gangsterbosses hochinteressant, sagt Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger, da sie "zwischen den Kulturen" stehe, nämlich einerseits einen Konflikt mit den italo-amerikanischen Gangstern austrage und andererseits mit einer ikonischen Figur der Black-Power-Bewegung in Verbindung stehe.

Ein klassischer Antiheld

Gespielt wird Bumpy Johnson in "Godfather of Harlem" von Forest Whitaker. In der Vergangenheit tauchte der Gangster Bumpy Johnson bereits mehrmals in Kinofilmen auf. So gehörte zum Blaxploitation-Klassiker "Shaft" 1971 ein Charakter, der auf Bumpy Johnson basierte; später dann folgten unter anderem "Cotton Club" und "American Gangster". In diesen Filmen sei Bumpy Johnson allerdings nie die wesentliche Figur gewesen, sagt Marcus Stiglegger, "während er nun in in der Serie 'Godfather of Harlem' natürlich eine unglaubliche Tiefe bekommt, wie das ja auch für die Serienerzählung möglich und typisch ist, so dass wir ihn in ganz anderen Facetten kennenlernen".

Stiglegger sieht in der aktuellen Darstellung des schwarzen Gangsters "eine klassisch ambivalente Antihelden-Figur". Forest Whitaker spiele ihn als eine Person, die man gleichzeitig lieben und hassen müsse. Ein Charakter, "der zu unglaublicher Gewalt fähig ist, aber eben auch, ähnlich wie bei den Sopranos, ein sehr komplexes Familien- und Beziehungsleben hat, und sehr viel Zuneigung zeigen kann".

Eher "Sopranos" als "BlacKkKlansman"

Diese Differenzierung erfahre die Figur Bumpy Johnson primär erst jetzt in dieser neuen Serie, so Marcus Stiglegger. "Ohnehin ist es so, dass die Entstehung des schwarzen Gangsterfilms im Laufe der 70er Jahre eigentlich zunächst mal ein Action-Sujet war. Und so ist eigentlich auch die Figur im Kontext von Shaft verortet." In den Gangsterfilmen zuvor hätten Afroamerikaner eigentlich gar keine Rolle gespielt, denn diese hätten sich auf Erzählungen aus einem "italo-amerikanischen Milieu" konzentriert. Erst mit Melvin Van Peebles Film "Sweet Sweetbacks Lied" habe sich das geändert.

"Godfather of Harlem" erscheint nach den vielbeachteten Filmen "BlacKkKlansman" von Spike Lee und "Black Panther" von Ryan Coogler. Die Erzählweise der Serie sei aber nicht unbedingt von diesem neuen "Black Cinema" geprägt, so Stiglegger. Das, was er von der Serie bisher gesehen habe, spreche eher dafür, dass "Godfather of Harlem" den Duktus weißer Gangsterserien zwar nicht nachahme, aber große Ähnlichkeiten dazu aufweise. Die Serie sei weniger experimentell oder radikal als die Filme von Spike Lee. Er sieht hier eher den Versuch, eine epische Gangsterserie wie "Die Sopranos" zu erzählen – aber mit einem schwarzen Protagonisten.

(jfr)

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