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Breitband | Beitrag vom 07.07.2018

Neue deutsche StreamingplattformIst Netflix noch einzuholen?

Thomas Lückerath im Gespräch mit Mike Herbstreuth und Teresa Sickert

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Ein iPad mit "Narcos" wird ins Bild gehalten, im Hintergrund ist der Schriftzug Netflix zu sehen. (imago)
Ist es schon zu spät eine ernsthafte Netflix-Konkurrenz etablieren zu wollen? (imago)

Wer Serien auf Abruf gucken will, streamt nicht, sondern "netflixt". Der US-amerikanische Video-on-Demand-Anbieter ist zum Synomym für das Schauen von Bewegtbild online geworden. Wenn es nach deutschen Medienhäusern geht, soll das aber nicht so bleiben.

Momentan gibt es mehrere Ansätze um neue Streamingplattformen für den deutschen Markt zu erschaffen. Eine Gemeinsamkeit haben alle: Die Konkurrenz ist eingeladen, zumindest die aus Deutschland. Sowohl die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, wie auch die Mediengruppe RTL Deutschland als auch die ProSiebenSat.1 Media AG haben eigene Angebote zum Videostreaming angekündigt und betonen, dass die jeweils anderen eingeladen sind, mitzuwirken. Aber ist es realistisch, dass so ein "deutscher Champion" entsteht, wie es ProSiebenSat1-Chef Max Conze formulierte?

Unvereinbare Geschäftsmodelle

Wohl kaum, glaubt Thomas Lückerath, Branchenkenner und Chefredakteur des Mediendienstes DWDL.de im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. "Ich glaube, dass die Idee einer großen deutschen Plattform eine Illusion ist", so Lückerath. Unter anderem deshalb, weil es dann wahrscheinlich zu Abstimmungsschwierigkeiten darüber kommen könnte, welche Inhalte die Empfehlungsalgorithmen weit oben präsentieren sollen. Man könne sich den Streit hinter den Kulissen förmlich vorstellen, "und dann möchte ich nicht der Chef vom Dienst sein".

Auch die verschiedenen Geschäftsmodelle seien schwierig miteinander zu kombinieren. Die privaten Anbieter würden zwar einen kostenfreien und einen kostenpflichtigen Teil anbieten wollen, der kostenfreie solle aber mit Werbung finanziert werden. Das wiederum wäre für die öffentlich-rechtlichen ein Problem.

Andererseits sei Gebührenzahlern schwer zu vermitteln, warum öffentlich-rechtliche Inhalte nicht einfach so vollumfänglich auf so einer Plattform zur Verfügung stünden, aber "solange das von den Auftraggebern nicht entsprechend entlohnt wird, wird die Kreativwirtschaft dann natürlich auf die Barrikaden gehen, wie sie es momentan auch tut".

Chance für nationale Nischenangebote

Insgesamt hält Thomas Lückerath die Probleme für so groß, dass er nicht davon ausgeht, dass es ein nationales Angebot geben wird, aber hofft auf "zwei, drei Angebote, die für sich stark genug sind und eine Nische finden". Diese hätten auch internationalen Konkurrenten auf dem deutschen Markt etwas entgegenzusetzen.

Auch an die Idee einer europäischen Streamingplattform glaubt Lückerath aufgrund der Sprachbarriere nicht: "Da weiß ich nicht, wie sinnvoll es ist, ein Produkt zu finden, das in allen Sprachen verfügbar wäre oder allein vom Namen des Produktes her in allen Ländern irgendwie Sinn macht. Ich glaube, wenn europäische Zusammenarbeit im Fernsehen geschieht, dann eher auf der kreativen Ebene wie wir es in den letzten Jahren auch zunehmend gesehen haben."

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