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Kompressor | Beitrag vom 20.09.2021

Neuauflagen von ComicsWarum die Klassiker nicht verschwinden dürfen

Christian Gasser im Gespräch mit Ramona Westhof

Zeichnung aus einem Moebius-Comic: ein leuchtend rotes Fantasiewesen mit Schmetterlingsflügeln. (Splitter / Moebius 2021)
Unter dem Pseudonym Moebius schuf der französische Zeichner Jean Giraud Werke, die die Kunstform Comic revolutionierten. (Splitter / Moebius 2021)

Im Moment kommen viele Wiederveröffentlichungen von Comicklassikern auf den deutschen Markt. Der Journalist Christian Gasser freut sich über den Trend: Oft seien prägende Werke der Comicgeschichte jahrelang nicht auf Deutsch zu bekommen.

Sie sind eher Nische als Mainstream: Bis heute haben Comics in Deutschland einen schweren Stand. Das zeigt sich auch darin, dass abseits der großen Reihen wie Asterix und den Marvel-Comics selbst Klassiker kaum verfügbar sind.

Doch im Moment erscheint eine ganze Reihe an Wiederveröffentlichungen und Gesamtausgaben, etwa die Moebius-Collection oder "L'autoroute du soleil" von Baru.

Moebius-Comics jahrelang vergriffen

Den Trend zur Wiederveröffentlichung findet der Journalist Christian Gasser erfreulich, das Bewusstsein für die eigene künstlerische Geschichte sei wichtig. So sei zum Beispiel die Moebius-Collection "notwendig", da seine Comics mehrere Jahre auf Deutsch vergriffen waren.

"Das ist eigentlich eine Ungeheuerlichkeit, wenn man sich bewusst wird, was für einen Rang Moebius in der Comicgeschichte hat. Er hat den Comic in den 70er-Jahren total revolutioniert mit seinen surrealen Science-Fiction-Geschichten, hat Einfluss gehabt bis nach Hollywood, bis nach Japan", erklärt Christian Gasser.

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Dass ein Künstler von diesem Rang mehrere Jahre einfach nicht greifbar ist, wäre in anderen künstlerischen Disziplinen undenkbar, sagt Gasser. Das sei so, als wären die Werke von James Joyce oder Joseph Beuys nicht wahrnehmbar gewesen.

"Im Comic ist das allerdings leider immer noch alltäglich, dass solche Klassiker verschwinden", kritisiert er.

Jubiläen der Verlage

Gasser sieht den aktuellen Trend zur Wiederveröffentlichung auch dem Umstand geschuldet, "dass viele Verlage ein rundes Jubiläum feiern und natürlich sich selber und ihre Geschichte feiern". Die Situation habe sich aber generell in den vergangenen Jahrzehnten etwas verbessert.

"Man spürt, dass viele Verlage mehr und mehr eine historische Verantwortung übernehmen. Sie entdecken natürlich auch eine kommerzielle Nische für diese Klassikerwiederveröffentlichungen, für diese Kanonbücher." Doch im Vergleich zum französischen Markt, auf dem Klassiker immer zu bekommen seien, sei im deutschen Sprachraum noch viel zu tun.

Ein Kanon sollte verfügbar sein

In Gassers Augen geht es bei den Wiederveröffentlichungen nicht nur um Nostalgie, sondern auch um ein Bewusstsein für das, was man macht. In allen künstlerischen Disziplinen sei die Verfügbarkeit dessen, was "der Kanon" genannt wird, sehr wichtig für die Rezeption.

"Man setzt sich immer wieder damit auseinander, um auch besser zu verstehen, wo man steht, wohin man gehen könnte. Man zieht auch Impulse aus diesen Diskussionen", sagt der Journalist.

Gerade für die Autorinnen und Autoren sei es frustrierend, im deutschen Sprachraum keine Chance zu haben, den Reichtum und die Vielfalt der Comics aufzunehmen und sich als Teil der Comicgeschichte zu fühlen.

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