Seit 23:05 Uhr Fazit
Sonntag, 24.01.2021
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Fazit | Beitrag vom 19.08.2020

Neu im Kino: "The Climb"Kluges Porträt einer Männerfreundschaft

Von Anke Leweke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Kyle (Kyle Marvin, l.) und Mike (Michael Angelo Convino) unterhalten sich beim Rennradfahren. Im Hintergrund ist ein roter Citroen (Ente) zu sehen. (PROKINO Filmverleih GmbH)
Kyle (Kyle Marvin) und Mike (Michael Angelo Convino) sind beste Freunde - bis Mike mit Kyles Verlobter schläft und ihm das kurz vor der geplanten Hochzeit gesteht. (PROKINO Filmverleih GmbH)

Zwei Männer, die fast alles miteinander teilen: Michael Angelo Corvino erkundet in seinem Film "The Climb" das Wesen einer Freundschaft. Der Film besticht durch präzise Beobachtungen, unterhaltsame Situationen und überraschende Wendungen.

Worum geht es?

Schon die Art und Weise, wie Kyle und Mike in der ersten Szene vor dem Hintergrund der französischen Berge Fahrrad fahren, sagt viel über sie aus.

Kyle nimmt sich seine Zeit, ist ein wenig behäbig. Mike hingegen ist der dynamische, sportliche, aktive Typ, der auch im übertragenen Sinn immer vorauszufahren scheint. Er gesteht seinem besten Freund, dass er mit dessen zukünftiger Frau geschlafen hat.

Nun tritt Kyle kräftiger in die Pedale, ein Radrennen mit überraschendem Ausgang und ein ebenso überraschender Film beginnt, der das Wesen einer Freundschaft erkundet.

Was ist das Besondere? 

Der Film ist in Kapitel eingeteilt, sie markieren jeweils zeitliche Abschnitte, zwischen denen viel passiert zu sein scheint. In präzise beobachteten und höchst unterhaltsamen Situationen wird man über den jeweiligen Zustand der Freundschaft ins Bild gesetzt.

So beginnt das zweite Kapitel mit einer Beerdigung, das Foto von Kyles zukünftiger Frau steht auf dem Sarg. Aber Kyle ist nicht unter den Trauergästen, er kommt später und steht am Rand. Mike wiederum steht vor dem Sarg und weint.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Wenn Kyle dann im nächsten Kapitel einen wunderbaren Strip an einer Stange hinlegt, weiß man zunächst nicht, ob hier jemand nur für sich oder für jemand anderen tanzt. In einem anderen Kapitel geht es um die Frage, warum Kyles Mutter Mike zu Weihnachten einlädt, und ob man den besten Freund vor der falschen Frau warnt.

Wie diese Freundschaft schlägt auch der Film überraschende Wege ein und erlaubt sich erzählerische Freiheiten. Dann nimmt sich die Handlung einfach eine Auszeit, und das Publikum kommt in den Genuss eines Pas de deux auf Skiern. 

Bewertung

Kyle Marvin und Michael Angelo Corvino spielen sich in diesem Film auch ein wenig selbst. Auch im wirklichen Leben sind die beiden befreundet, sie zeichnen und überzeichnen ihre Figuren mit kluger Selbstironie.

Man begegnet zwei Männern, die vieles miteinander teilen wollen. Nur die Frauen nicht.

"The Climb"
Regie: Michael Angelo Covino
USA 2019, 98 Minuten 
Mit Kyle Marvin, Michel Angelo Covino, Gayle Rankin 

Mehr zum Thema

Kino-Kolumne Top Five - Geniale und skurrile Geistesgrößen
(Deutschlandfunk Kultur, Vollbild, 15.08.2020)

Wim Wenders wird 75 - Ein Meister des deutschen Kinos
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 14.08.2020)

Neu im Kino "Il Traditore" - Ein Film entzaubert den Mafiakult
(Deutschlandfunk Kultur, Frühkritik, 13.08.2020)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur