Seit 20:03 Uhr Konzert
Dienstag, 02.03.2021
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.05.2018

Neu im Kino: "In den Gängen"Mit tiefem Blick in die Seele

Von Anke Leweke

Podcast abonnieren
Die Schauspieler Sandra Hüller (l-r), Regisseur Thomas Stuber und Schauspieler Franz Rogowski posieren am 04.03.2017 in einem Großmarkt in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) beim Dreh des Kinofilms "In den Gängen". Die Tragikomödie basiert auf der Kurzgeschichte des Leipziger Autors Clemens Meyer. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Zwei der Hauptdarsteller und ihr Regisseur am Drehort Großmarkt: Sandra Hüller und Franz Rogowski spielten unter der Regie von Thomas Stuber(Mitte). (dpa-Zentralbild)

Trostlos ist der Alltag im Großmarkt in der ostdeutschen Provinz. Doch in den Fluren des öden Schauplatzes kommen sich zwei Menschen näher. Thomas Stuber zeigt in seinem poetischen Film die Befindlichkeiten von Menschen am Rande der Gesellschaft.

Worum es geht?

Da ist der introvertierte Christian (Franz Rogowski), der Neue, der von dem Gabelstapelfahrer (Peter Kurth) unter die Fittiche genommen wird. Er wird lernen, Getränkekisten in schwindelerregender Höhe abzustellen. Und da ist die freche Marion (Sandra Hüller), die Süßwaren nachfüllt und, wenn keiner hinschaut, in Melancholie verfällt. Zusammen mit den anderen Mitarbeitern in den blauen Kitteln bilden die Drei ohne grosse Worte, ohne grosse Gesten, eine kleine Solidargemeinschaft. Sie helfen einander, hören einander zu oder drücken Christian die Daumen bei der Prüfung zum Gabelstaplerfahrer. Die Kollegen nehmen Anteil an Christians schüchterner Liebe zu Marion, die - wenn auch unglücklich - verheiratet ist. 

Was macht den Film besonders?

Das deutsche Kino tut sich schwer mit der sozialen Wirklichkeit unserer Gegenwart. Mit oftmals distanziertem Gestus schaut es sich am so genannten Rand der Gesellschaft um, erkundet eher Milieus als aus deren Mitte heraus zu erzählen. Umso schöner, wenn ein Regisseur seine Kamera inmitten einer Arbeitswelt aufstellt, an der sich der Rest der Bevölkerung bedient.  Schauplatz von "In den Gängen" ist ein Grossmarkt irgendwo in der ostdeutschen Provinz. Thomas Stuber stellt  Menschen und Biografien in den Mittelpunkt, die von den vorbei eilenden Kunden kaum bemerkt werden. Permanent sorgen sie für den Nachschub in den Regalen. 

Die Bewertung: 

Schon zum dritten Mal verfilmt Stuber eine Kurzgeschichte von Clemens Meyer. Das Duo fängt die Stimmung im Osten Deutschlands ein, erzählt von Überlebenskämpfern, die sich nie ihrem Schicksal ergeben. Dem jungen Regisseur gelingt es, den Arbeitsalltag seiner Helden und Heldinnen zum Ballett zu choreografieren, ohne ihn zu beschönigen. Und aus den Lautsprechern des Großmarktes erschallt "An der schönen blauen Donau"... 
"In den Gängen"
Regie: Thomas Stuber, Deutschland, 2018
Drehbuch: Thomas Stuber und Clemens Meyer
mit Franz Rogoswki, Sandra Hüller, Peter Kurth u.a.
125 Minuten, FSK: ab 12
Mehr zum Thema

Schauspielerin Sandra Hüller zum Film "In den Gängen" - Zarte Liebe zwischen Paletten-Stapeln
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 23.02.2018)

Drehbuchautor Clemens Meyer über "In den Gängen" - Liebe und Tod im Großmarkt
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 23.02.2018)

Film der Woche: "The Cleaners" - Sie putzen das Internet
(Deutschlandfunk Kultur, Frühkritik, 17.05.2018)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDes Deutschen Haus
Einfamilienhaus- und Doppelhaus-Neubauten in einer neuen Siedlung. (picture alliance /dpa/ Robert B. Fishman)

Zwei Drittel der Deutschen wünschen sich ein Einfamilienhaus. Und zwar auch deshalb, weil die Stadtplanung nichts Besseres zu bieten hat, verteidigt der "Tagesspiegel" den deutschen Traum. Wolle man zukünftig ökologischer wohnen, müsse dringend anderes her.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur