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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.08.2018

Neu im Kino: "Familie Brasch"Ein DDR-Funktionär und seine berühmten Kinder

Von Anke Leweke

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Familie Brasch (von links nach rechts): Klaus, Peter, Marion, Gerda und Thomas Brasch (rbb/Edition Salzgeber/It Works!)
Familie Brasch (v. links n. rechts): Klaus, Peter, Marion, Mutter Gerda und Thomas Brasch (rbb/Edition Salzgeber/It Works!)

Horst Brasch war ein hoher DDR-Parteifunktionär. Seine Kinder Thomas, Peter und Marion Brasch wurden später als Schriftsteller bekannt. "Familie Brasch" ist eine hoch interessante Deutschstunde. Die Protagonisten sind zerrissen zwischen Ost und West.

Worum geht es? 

Dieser Film handelt von einer Familiengeschichte und von der Geschichte der DDR und davon, wie sich beides vermengt. Chronologisch und über mehrere Generationen hinweg folgt Annekatrin Hendel "den Braschs". Zunächst ist da der Patriarch Horst, jüdischer Herkunft, der den Zweiten Weltkrieg in England überlebte und dort eine kommunistische Jugendgruppe gründete. In Großbritannien lernte er auch seine zukünftige Frau Gerda kennen, die ihm später in die DDR folgte. Horst Brasch wurde hoher Parteifunktionär und stellvertretender Minister der Kultur. Seine Söhne - der Schriftsteller und Regisseur Thomas, der Schriftsteller Peter, der Schauspieler Klaus - standen dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. Die zentrale Interviewpartnerin ist die einzig Überlebende dieser Generation, die Journalistin, Radiomoderatorin und Schriftstellerin Marion Brasch.

Marion Brasch während der 18. Erfurter Herbstlese (imago / VIADATA)Die einzig Überlebende dieser Generation: Marion Brasch, geboren 1961 in Berlin, entstammt einer Familie deutsch-österreichischer Kommunisten mit jüdischen Wurzeln. (imago / VIADATA)

Was ist das Besondere daran? 

Annekatrin Hendel kombiniert Marion Braschs Erzählungen sowie Passagen aus ihrem autobiografischen Roman mit Aussagen von Weggefährten der Familie (unter anderem Christoph Hein, Bettina Wegener, Katharina Thalbach, Florian Havemann), Archivaufnahmen und Familienfotos. Es entsteht das Bild einer Familie, die zerrissen ist zwischen Ost und West, deutschem Totalitarismus und Freiheitsbewegungen, aber auch von Generationenkonflikten, die alle Familien kennen.

Bewertung 

"Familie Brasch" ist eine hoch interessante Deutschstunde, eine verlebendigte DDR-Geschichte und ein bewegendes Familiendrama zwischen zwei Staaten. Zugleich verdeutlicht dieser Film, dass all diese Geschichten noch weiterleben, und dass sich das heutige Deutschland nicht verstehen lässt, wenn sie nicht erzählt werden.

"Familie Brasch"
Dokumentarfilm, Deutschland 2018
Regie: Annekatrin Hendel

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