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Studio 9 | Beitrag vom 05.04.2019

Nationalsozialist und AntisemitMerkel trennt sich von Nolde-Gemälden

Christiane Habermalz im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt John Kerry, Außenminister der USA (hinten M.), zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt (hinten r.: Philip D. Murphy, Botschafter der USA; vorn l.: Christoph Heusgen, außenpolitischer Berater der Bundeskanzlerin; M.: Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung; Bild i.H.: "Brecher" von Emil Nolde). (Bundesregierung)
Angela Merkel empfängt 2013 den damaligen US-Außenminister John Kerry im Bundeskanzleramt. Im Hintergrund hängt Noldes Bild "Brecher". (Bundesregierung)

Kanzlerin Merkel gibt zwei Gemälde des Malers Emil Nolde (1867-1956) aus ihrem Amtszimmer zurück. Nolde war überzeugter Nationalsozialist und Antisemit. Offenbar möchte ihn das Kanzleramt nicht mehr an "so exponierter Stelle" zeigen, meint Christiane Habermalz.

Im Leben des expressionistischen Künstlers Emil Nolde (1867-1956) gibt es ein Kapitel, das schwer erträglich ist: Er war Nationalsozialist und Antisemit.

Im Jahr 1934 trat er in die Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft Nord-Schleswig ein. Er wurde lange von einflussreichen Nationalsozialisten wie Joseph Goebbels, Albert Speer oder Baldur von Schirach gefördert. Das berichtet Kultur-Korrespondentin Christiane Habermalz in unserem Programm. Den Kunstmarkt habe Nolde für "jüdisch durchsippt" gehalten, seine Kollegen Max Pechstein als jüdisch bei Goebbels denunziert. 

Rückgabe von Noldes Bildern "Brecher" und "Blumengarten"

Bundeskanzlerin Merkel hat nun zwei seiner Gemälde, die in ihrem Arbeitszimmer als Leihgaben hingen, an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zurückgegeben. Es handelt sich um die Bilder Gemälde "Brecher" (1936) und "Blumengarten (Thersens Haus)" (1915).

"Ich finde diese Entscheidung des Bundeskanzleramtes nachvollziehbar, einen umstrittenen Künstler wie Nolde jetzt nicht ausgerechnet an so exponierter Stelle im Amtszimmer aufzuhängen", kommentiert Habermalz diese Entscheidung. 

Noldes Bilder galten als "entartet"

In der Nachkriegszeit habe Nolde es geschafft, sich "als Opfer und als verfolgter Künstler zu stilisieren", sagt Habermalz. Tatsächlich galt seine Malerei spätestens ab 1937 als "entartet". Ab 1941 hatte Nolde Berufsverbot und durfte seine Bilder nicht mehr verkaufen und ausstellen, während er sich zuvor Hoffnungen gemacht habe "als Künstler des neuen Deutschlands, der neuen Zeit Karriere zu machen", so Habermalz.

Laut einer Regierungssprecherin hat Kanzlerin Merkel das Angebot der Stiftung Preußischer Kulturbesitz angenommen, künftig zwei Bilder des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) in ihrem Arbeitszimmer aufhängen zu können. Dabei handele es sich um die Werke "Haus unter Bäumen" (1910) und "Häuser am Kanal" (1912).

(huc)

Das Gemälde "Brecher" wird in der Ausstellung im Berliner Hamburger Bahnhof "Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus" zu sehen sein (12.04.-15.09.2019).

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