Nathaniel Rich: „Die zweite Schöpfung. Wie der Mensch die Natur für immer verändert"

Die Welt im Wandel

06:16 Minuten
Cover von Nathaniel Rich: „Die zweite Schöpfung"
© Rowohlt

Nathaniel Rich

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel

Die zweite Schöpfung. Wie der Mensch die Natur für immer verändertRowohlt , Berlin 2022

320 Seiten

24,00 Euro

Von Michael Lange · 25.05.2022
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Das Leben ändert sich dramatisch: giftige Chemikalien, Landschaften, die im Meer versinken und Seesterne, die ihre Arme verlieren. Dann gibt es aber auch Fleisch aus dem Labor, grün leuchtende Kaninchen und das Versprechen von ewigem Leben.
In zehn eindrucksvollen Reportagen beschreibt der US-Journalist Nathaniel Rich eine Welt im Wandel. Er schaut ganz genau hin, sammelt Fakten, beobachtet und kommentiert. Ursprüngliche Natur sucht er vergeblich. Längst bestimmt der Mensch, was wo leben darf. Wir Menschen schaffen eine zweite Natur und ruinieren so die erste.
Im Mittelpunkt seiner zugleich lebendigen und exakten Schilderungen stehen einzelne Personen: Ein engagierter Rechtsanwalt riskiert seine Karriere und kämpft für umweltgeschädigte Mandanten gegen einen internationalen Chemiekonzern. Ein Biologe macht es zu seiner Lebensaufgabe, ausgestorbene Wandertauben wieder zum Leben zu erwecken, und Menschen im US-Bundesstaat Louisiana suchen nach dem Hurrikan Katrina nach ihrer verlorenen Heimat.

Wie Menschen zu Schöpfern werden

Die Hauptpersonen des Buches prägen die neue Schöpfung, oder sie kämpfen gegen ihre Folgen. Viele von ihnen sind Täter und Opfer zugleich. Nathaniel Rich kommt den Menschen in seinen Reportagen sehr nahe. Was er schreibt, klingt, als wäre er ständig in ihrer Nähe gewesen.
Dabei entdeckt er manchmal auch Nebensächliches, wie die Karaoke-Leidenschaft eines schrulligen japanischen Meeresbiologen. Sogar eigene Songs hat der Japaner produziert, auch wenn sich kaum jemand dafür interessiert. Im Hauptberuf untersucht der schillernde Wissenschaftler unsterbliche Quallen. Ganz privat träumt er vom ewigen Leben.

Storytelling in Reinform

Nichts bleibt dem neugierigen Reporter verborgen. Seine bewegenden Geschichten basieren auf Fakten. Die Reportagen erzeugen zusammen das dystopische Bild einer vom Menschen geformten Umwelt, die die ursprüngliche längst verdrängt hat.
Nathaniel Rich ist unzweifelhaft ein Meister des Genres „Storytelling“. Er formt aus Fakten Geschichten, die sich von erdachten Kurzgeschichten oder von einem Roman kaum unterscheiden lassen.  

Schöpfungsgeschichte, ganz anders   

Viele seiner Storys haben einen pessimistischen Grundton. Sie finden statt in einer Welt, die wir Menschen in bester Absicht selbst geschaffen haben. Landschaften verschwinden, Gifte reichern sich an, und natürliche Organismen werden durch menschgemachte Kreationen ersetzt.
Dennoch ist Nathaniel Rich kein Untergangsprophet. Für den Autor steht etwas anderes im Vordergrund. Er und seine Protagonisten wollen wissen: Warum verändern wir Menschen die ursprüngliche Natur, die wir doch so sehr lieben?
Trotz der umfangreichen Geschichtensammlung kann (oder will) Nathaniel Rich diese Frage nicht beantworten. Er verzichtet auf die Analyse, bleibt Beobachter und regt so zum Nachdenken an.

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